Cannabis-Branche

Kiffen mit Zertifikat

31. Oktober 2010, 10:31
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    foto: apa

    In der institutseigenen Gärtnerei züchten Marihuana-Studenten Hanfpflanzen unter Halogenlampen.

Kalifornien entscheidet per Referendum Anfang November über eine komplette Cannabis-Freigabe - Die Oaksterdam University lehrt indes den professionellen Umgang mit der Droge

Fast jeder zweite Laden steht leer. Auf den Gehsteigen schieben Obdachlose ihren dürftigen Hausrat in Einkaufswagen vor sich her. In Oakland zeigt sich der Wirtschaftsabschwung von seiner hässlichsten Seite. Und so ist es vielleicht kein Wunder, dass diese Stadt im Norden San Franciscos sich zum Zentrum all derjenigen entwickelt hat, die glauben, dass man zur Krisenbewältigung nur die Drogengelder eintreiben muss. Schon 1996 hat Kalifornien Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert. Zur Behandlung bedarf es einer Therapiekarte. 400.000 Kalifornier sind inzwischen Inhaber eines Cannabis-Ausweises. Das Geschäft mit dem grünen Gold blüht: Die Industrie setzt jedes Jahr 14 Milliarden Dollar um.

Im Blue Sky Coffeeshop an der 17th Street erklärt ein Kundenberater Geschmacksnoten und Wirkweisen der verschiedenen Cannabis-Arzneien. Dale Sky Jones nimmt eine Achtelunze Granddaddy Purple zum Sonderpreis von 55 Dollar. Die hübsche Blondine ist keine dahergelaufene Patientin. Sie hat als Managerin bei Großkonzernen wie Procter & Gamble und Uncle Ben's Karriere gemacht. Jetzt gehört sie zu den Initiatoren der sogenannten "Proposition 19", einer Volksabstimmung, die bei der Wahl am 2. November eine vollständige Cannabis-Freigabe herbeiführen soll. "Wir erwarten 1,4 Milliarden Dollar an zusätzlichen Steuereinnahmen und 50.000 neue Jobs", frohlockt die Legalisierungsbefürworterin.

Kiffen gegen die Krise

Die Oaksterdam University, deren Name ein Wortspiel aus Oakland und der Hasch-Metropole Amsterdam ist, macht schon jetzt fit für eine Karriere in der Cannabis-Branche. Für 670 Dollar (485 Euro) kann man dort in einem 13-wöchigen Kurs alles lernen, was man wissen muss über Anbau, Handel, Beratung, Verkauf und Betrieb einer Ausgabestelle. Die Diplome sind nicht offiziell anerkannt, doch das tut dem Ansturm keinen Abbruch. "Die Zeiten, in denen sich nur Hippies für Marihuana interessierten, sind definitiv vorbei", sagt Arthur, der für die Immatrikulationen zuständig ist. 13.000 Absolventen haben die Oaksterdam University seit ihrer Gründung 2007 verlassen. Es gibt Wartelisten.

In der institutseigenen Gärtnerei züchten Marihuana-Studenten Hanfpflanzen unter Halogenlampen: Die Sorte Bubble-Gum schmeckt süß wie rosa Kaugummi, die Sorte Blue Dream ist würzig mit einem Hauch von Pfeffer. Praxis wird großgeschrieben an der Oaksterdam University. Aber auch die Theorie kommt nicht zu kurz. Im Kursprogramm, das online nachgelesen werden kann, finden sich Klassen wie "Drogenrecht", "Verhalten bei Polizeikontrollen", "Kochen mit Hanf" oder "Medizinischer Hintergrund". Auch viele Arbeitslose begreifen das Geschäft mit der Droge inzwischen als berufliche Rettung. Der gelernte Maurer José hat im Fernsehen von der Oaksterdam University gehört. Demnächst bekommt er sein Diplom: "Ich werde eine Cannabis-Apotheke eröffnen", sprudelt es aus ihm hervor, "und dann expandieren und das Produkt verbessern."

Anbau des grünen Krauts

Sollte Kalifornien Cannabis komplett legalisieren, dann hätte der Staat die liberalsten Gesetze der Welt. Selbst in den Niederlanden ist der Anbau des grünen Krauts offiziell nicht erlaubt. Aktuellen Umfragen zufolge sind 56 Prozent der kalifornischen Wähler für die Freigabe.

Dennoch ist auch der Entwurf, über den sie abstimmen werden, an ganz bestimmte Regeln geknüpft. Cannabis dürfte nur auf einer Fläche von maximal 2,3 Quadratmetern angebaut werden, der Besitz der Droge wäre auf eine Menge von einer Unze pro Person beschränkt, die Konsumenten müssen älter als 21 Jahre sein und dürfen auch nicht in der Öffentlichkeit kiffen. John Lovell gehen diese Restriktionen nicht weit genug. Der Rechtsanwalt lobbyiert in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento gegen den legalen Cannabisgenuss - sein Argument: "Was ist mit Leuten in verantwortlichen Jobs - Ärzten und Piloten zum Beispiel?" (Beatrice Uerlings aus Oakland, DER STANDARD Printausgabe, 01.11.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
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JaneDoeKnowsBest
 
02
2.12.2010, 10:25
von Statistiken und anderen Schmähs..

Ich frage mich immer woher (vorallem Nichtkonsumenten) ihre phantastischen Statistiken herbeizaubern? Noch spektakulärer finde ich Erfahrungsberichte von Nicht Kiffer, die gegen Ende immer einen cineastischen Touch hinterlassen und Menschen mit Ahnung zum schmunzeln bringen.
'Komik ist Tragik, in Spiegelschrift', heisst es bekanntlich und beschreibt die Thematik Cannabiskonsum in einem Atemzug. Informiert euch eigenständig über Hanf und seine Nützlichkeit in allen Formen und lasst euch nicht durch schlechte Propaganda vergiften!
JD

Warum sind alle guten Namen schon vergeben?
01
6.11.2010, 00:12

Sch**ße, hat nicht hingehauen.....
Wundert mich nur das es gar keinen Artikel dazu gibt...

Dr. Schland
00
3.11.2010, 15:05

Komm schon, Kalifornien! Denn angeblich macht die restliche Welt den Amis ja alles nach, :-)

nasserfetzn renntdanoch
00
2.11.2010, 11:00

55 dollar für 1/8 unze ? da hat die inflation ja schon ziemlich zugeschlagen.

Kahuna
10
1.11.2010, 16:55
"400.000 Kalifornier sind inzwischen Inhaber eines Cannabis-Ausweises."

Ist dieser Ausweis auch in Oe. gueltig? Und das Diplom wird in Oe. sicher approbiert, oder?

supamario
00
3.11.2010, 14:57

kannst es ja versuchen, wenn die Polizei vor der Tür steht :)

"...aber ich hab doch ein Diplom darüber abgeschlossen!" :)

Cerberus303
06
1.11.2010, 15:58
ähm,...

... was mit leuten in verantworungsvollen Jobs ist? Die sollen sich weiter die Hirnzellen wegsaufen :-)

Dr. Schland
02
3.11.2010, 15:02

Piloten und Ärzte können sich Kokain leisten.

systemfehler1
15
1.11.2010, 15:37
Sind keine Halogenlampen.

Sondern Natriumdampflampen.

Aber was interessiert´s den Redakteur, wenn´s schlechte Übersetzungen anderer gibt....

Estereich
00
10.11.2010, 11:44
kiffer!

rudolf schladming
 
01
3.11.2010, 15:56

gut, es ist falsch. aber ist es für das verständnis der grundaussagen dieses artikels relevant?

janeinvielleicht
03
1.11.2010, 14:00

was hat ein bericht über eine mögliche legalisierung von cannabis in der rubrik "psychische störung" zu tun?

ich glaube das wäre eine sehr vernünftige sache.

Nutze den Tag
08
1.11.2010, 10:32
Hermann Hesse: Der Steppenwolf

Nach 40 jahren lese ich das Buch wieder, heute mit anderem Erfahrungshintergrund natürlich.
Zum Thema: Sah man das Ganze damals vielleicht etwas entspannter? Oder neigen wir heute wieder vielfach zu Fanatismus?

Natürlich möchte ich nicht unbedingt einen zugekifften Piloten anvertrauen, jedoch genau so wenig einen besoffenen oder einen der gerade sein Geld an der Börse verzockt hat.

northrim
01
1.11.2010, 10:03
und was ist mit Feuerwehrmännern?

"i inhaled so much smoke..."

http://www.youtube.com/watch?v=4Ph4aBjFAcQ

Morpheus DerStandard
23
1.11.2010, 07:49

"Was ist mit Leuten in verantwortlichen Jobs - Ärzten und Piloten zum Beispiel?"

Was soll sein, das wird ein sehr relaxter Flug eben :P

Legalize it

kapitän nemo
07
1.11.2010, 09:02

aber sei dürfen weiterhin in ihrer freizeit alkohol trinken, die nächte mit parties durchmachen, und stress mit ihrer partnerin haben....

Forseti
04
1.11.2010, 12:40

Oder partner, schön neutral bleiben !

santa fe
 
210
1.11.2010, 04:46
die einstiegs-ursache in den drogenmissbrauch

ist unsere konsumsucht-kultur, die uns das wirtschaftswachstums-wahnsystem aufzwingt. wir sind auf sucht programmiert.

harte drogen sind verboten, weil sie das alkoholmonopol bedrohen, weiche oder psychedelische drogen, weil sie die suchtmentalität an sich als fluch der menschheit denunzieren.

das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

ermöglicht die emanzipation der beruflichen arbeit vom geldbeschaffungszwang im rahmen der allgemeinen konsumsucht und die rückbesinnung auf den eigentlichen sinn des lebens, den optimierungsprozess der wahr-nehmung dessen, wozu jeder einzelne auf seine weise berufen ist.

diese optimierung bedeutet auch, missbrauch von an sich förderlichen methoden und/oder auch drogen wegen kontraproduktivität zu vermeiden.

Wappen hea
00
1.11.2010, 22:43
?

"...den optimierungsprozess der wahr-nehmung dessen,wozu jeder einzelne auf seine weise berufen ist."

Erde an Verfasser: diesen Optimierungsprozess kenn ich noch nicht, welcher sollte das Ihrer Meinung nach sein? Bekannter maßen irrt der Mensch solang er sucht, demgemäß würde ich nicht darauf vertrauen, daß es uns allen gegeben ist unseren Daseinszweck rechtzeitig und für die Gesellschaft nützlich zu entdecken, es sei denn Penner sein zählt auch. Wenn es allerdings auch gilt Penner zu sein, welche Arbeit wird dann Ihrer Meinung nach verfolgt?

santa fe
 
01
2.11.2010, 11:59
worum es bei selbstverwirklichung wirklich geht,

wird erst klarer, wenn wir uns dieser frage widmen. und dabei stellt sich heraus, dass es sich um eine ganz neue art von arbeit handelt: entsüchtigung. sie kann auch die form von (temporärer) absenz von berufstätigkeit annehmen.

die jetzige form der arbeits- und konsumwelt lässt uns diesbezüglich jedenfalls nicht zur besinnung kommen. die dadurch entstehende selbstenfremdung führt u.a. zum missbrauch aller möglichen betäubungs- und ablenkungsdrogen, ob sie nun zur zeit legal oder illlegal sind.

wenn sie illegal sind, ist der nebeneffekt der (zusätzlichen) neurotisierung kaum zu vermeiden. und das wird dann der natur der betreffenden droge zugeschrieben. das ist missbrauch von gesundheitspolitik, aberglaube und kontraproduktiv.

Juusto Hampurilainen
112
1.11.2010, 10:11

versuch mal eine zeit lang die finger von dem zeug zu lassen. es tut dir scheibar nicht gut...

Ch.Gh.
00
22.8.2011, 13:55

Versuchen Sie mal freundlich zu bleiben!
Wieso fühlen Sie sich denn angegriffen? Oder kotzt Sie einfach nur die Meinungsfreiheit an?

Warum sind alle guten Namen schon vergeben?
30
1.11.2010, 04:19

Würde mich interessieren wie viele in Österreich dafür wären...15%? Vielleicht sogar 20%? Mehr würde mich stark wundern......

kapitän nemo
09
1.11.2010, 09:09

also in meiner schulzeit (80er jahre) haben sicher 35-40% zumindest ab und zu gekifft.
heute sind es sicher mindestens 50 -55%, und die fangen nicht erst mit 15 sondern schon mit 12 an

allerdings wird dann der konsum mit dem alter zugunsten von alkohol wieder weniger, und dann denken die ehemaligen kiffer an die verantwortung für ihre eigenen kinder, und werden plötzlich spiessig.
bein sex ist es ebenso: wonach man selbst als teenager gestrebt hatte, davor will man seine kinder dann möglichst lange "bewahren"

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