ORF verkaufte "Vier Frauen und ein Todesfall" nach China

29. Oktober 2010, 13:35
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Zensurprozedur dauerte ein Jahr - Zweite fiktionale Serie nach "Winzerkönig"

Die ORF-Serie "Vier Frauen und ein Todesfall" wird bald vor dem größten Fernsehpublikum der Welt laufen: Die Produktion wurde an den chinesischen Staatssender CCTV verkauft und nach einem Jahr auch von der chinesischen Zensur genehmigt, wie die Leiterin des ORF-Abteilung für Content Sales International, Beatrice Riesenfelder, zur APA sagte.

"Das besondere für uns ist, dass gerade die Chinesen kaum europäische 'Drama-Series' kaufen", schilderte die Rechtehändlerin. CCTV würde entweder asiatische oder spezifisch chinesische Produktionen kaufen. "Dass in Österreich eine chinesische Serie läuft, wäre ja ebenfalls undenkbar", so Riesenfelder.

Das eigentliche Nadelöhr sei die chinesische Zensur, sagte Riesenfelder. "Da durch zu kommen, ist ein Kunststück." Verhandlungen nehme man mit eigenen autorisierten Zwischenhändlern auf, die bereits vorabsondieren und geeignet erscheinende Programme an CCTV weitergeben. Alles in allem eine Prozedur, die ein Jahr lang dauert. "Man kann jedenfalls nicht einfach DVDs hinschicken und sagen: 'Schauen Sie sich das vielleicht einmal an.'" Auch der "Winzerkönig" wurde von CCTV ausgestrahlt, entpuppte sich aber als wenig zugkräftig und wurde wieder abgesetzt.

Über fiktionale Inhalte hinaus gebe es eine rege Geschäftsbeziehung mit Chinas Fernsehen, so Riesenfelder. Gekauft würden Dokumentationen wie Universum, klassische Musik oder der Opernball. An einen anderen chinesischen Sender wurde auch "Schlosshotel Orth" verkauft, der jedoch ebenso wie der "Winzerkönig" floppte.

Für den ORF geht es bei solchen Verkäufen vor allem um das Prestige. "Wir verkaufen ja weltweit. Hauptsächlich in die Nachbarländer Osteuropas". Interessant auch der Iran: Auf den dortigen Fernsehschirmen ist der grantige Fernseh-Kriminalist Trautmann zu sehen. Dass dieser vor allem in Halb- und Unterwelt zu tun hat, störte die Zensur offenbar wenig. (APA)

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  • "Vier Frauen und ein Todesfall" ist künftig auch in China zu sehen.
    foto:orf/franz neumayr

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