Vom Schnupfen zur Superinfektion

1. November 2010, 17:24
  • Viel Rotz, viele Taschentücher. Die Schleimhäute verlieren ihre Schutzfunktion.
    foto: derstandard.at/marietta türk

    Viel Rotz, viele Taschentücher. Die Schleimhäute verlieren ihre Schutzfunktion.

Wie aus viralen Infekten schwere Infektionen werden und wie man sich schützen kann - Einige Fakten zum grundlegenden Verständnis

Sinken draußen die Temperaturen, werden die Menschen krank. Schuld daran sind grippale Infekte. "Der Krankenstandsverlauf hat seine Spitzen im Herbst und im Frühjahr. Das ist auf virale Infekte zurückzuführen", sagt Reinhard Marek, ärztlicher Leiter der Wiener Gebietskrankenkasse. Die kalte Jahreszeit stellt die Schleimhäute der Atemwege, wichtige Organe unseres Immunsystems, auf eine harte Probe. Das Leben verlagert sich ab Herbst in geschlossene Räume, in denen Viren leichter übertragen werden können. Die niedrigen Temperaturen draußen vermindern die Durchblutung, die die Abwehrzellen transportiert. Und die Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und macht sie anfälliger.

"Die Schleimhaut ist die erste Barriere, die der Erreger überwinden muss, um eine Infektion auszulösen", sagt Heimo Lagler, Infektiologe am Wiener AKH. Setzt sich ein Virus an der Schleimhaut von Nase und Rachen fest, entsteht eine Reihe von Beschwerden: Schnupfen, Halsweh, Husten und Abgeschlagenheit - eine Verkühlung eben. "Es ist ein Kampf zwischen Virus und Immunsystem", sagt Lagler, "in den meisten Fällen gewinnt das Immunsystem." Doch nicht immer. Sind die Schleimhäute durch Viren entzündet und angegriffen, haben Bakterien ein leichtes Spiel. Die geschwollenen, durch vermehrt gebildeten Schleim verstopften Schleimhäute können die Keime nicht mehr abtransportieren (siehe Wissen). Dabei müssen gar keine neuen Bakterien in die Atemwege gelangen.

Bakterielle Superinfektion

"Bakterien, die den Nasenrachenraum besiedeln, werden plötzlich schädlich, weil sie Umstände finden, unter denen sie sich leicht ausbreiten können", erklärt Lagler. Eine bakterielle Superinfektion ist die Folge. Dabei gesellen sich zum viral ausgelösten Infekt noch Bakterien dazu, die eitrige Entzündungen - etwa in den Nasennebenhöhlen, dem Rachen, den Bronchien oder der Lunge - verursachen können. "Wenn das Sekret grünlich oder gelblich ist, kann man davon ausgehen, dass es bakteriell superinfiziert ist", sagt Marek und rät zum Arztbesuch. Denn die Bakterien bekommt man nur mit einem Antibiotikum in den Griff. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, vermehren sich die Bakterien und können sich über die durchgehende Schleimhaut der oberen und unteren Atemwege ausbreiten. "Zuerst ist es meist im Rachen, dann rutscht's runter in die Bronchien, dann geht's in die Lungen, und dann wird's gefährlich", sagt Lagler. So kann eine Lungenentzündung, ausgelöst beispielsweise durch Pneumokokken, lebensbedrohlich sein, da die Sauerstoffzufuhr des Körper dadurch gefährdet wird. In weiterer Folge können diese Bakterien auch eine lebensgefährliche Sepsis (Blutvergiftung) verursachen. "Bakterien können Enzyme und Toxine produzieren, die Gewebe wie zum Beispiel das Lungengewebe zerstören und ins Blut kommen können", erklärt Lagler. Auch chronische Bronchitis ist meist bakteriell und kann aus einer akuten, unbehandelten Bronchitis entstehen oder dadurch, dass die Bronchien durch Rauchen geschwächt sind.

"Wenn eine Verkühlung sich nicht selbst limitiert und nach ein bis zwei Wochen nicht vorbei ist, sollte man sich behandeln lassen", empfiehlt Marek. Im Schnitt bleiben jene, die wegen "Krankheiten der oberen Luftwege" krankgemeldet sind, 6,1 Tage zu Hause. Das zeigt die Statistik des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger. Mit mehr als 1,2 Millionen Krankenstandsfällen führt diese Erkrankung die Statistik an. Doch gehen keinesfalls alle Erkrankten wegen einer Verkühlung in den Krankenstand oder zum Arzt, sondern bestenfalls in die Apotheke. Laut einer Umfrage von Oekonsult vertrauen 88 Prozent aller Befragten auf Selbstmedikation bei viralen Infekten.

Gesunder Schlaf

Am wichtigsten bei einem viralen Infekt ist jedoch die gute alte Bettruhe. "Dass zu wenig Schlaf mit einem erhöhten Infektions- risiko verbunden ist, ist eines der wenigen Dinge, die in Studien bewiesen wurde", sagt Lagler. Ist der Infekt erst so richtig ausgebrochen oder handelt es sich um eine klassische Grippe, dann kann mangelnde Schonung das Herz gefährlich schädigen. "Der Körper braucht Bettruhe", sagt Marek. (Konstanze Wagenhofer, DER STANDARD Printausgabe, 2.11.2010)

Wissen

Bastion Schleimhaut

20.000 Atemzüge tut der Mensch täglich. Durch Nase und Nasennebenhöhlen gelangt die Luft über den Rachen in die unteren Atemwege. Die Bronchien geben den in der Luft enthaltenen Sauerstoff über die rund 300 Millionen Lungenbläschen an die Blutgefäße weiter.

Beim Einatmen wird die Luft gereinigt, befeuchtet und auf Körpertemperatur erwärmt. Die feinen Härchen in der Nase filtern die Schmutzpartikel aus. Auf der dünnen Schleimschicht bleiben die Krankheitserreger kleben. Feine Flimmerhärchen auf der Schleimhaut transpor-tieren die verunreinigte Schleimschicht Richtung Rachen ab, wo sie einfach verschluckt wird. Die Magensäure macht die Erreger dann unschädlich.

Sind die Schleimhäute durch Austrocknung beeinträchtigt oder durch Viren-befall überfordert, kann das Verteidigungssystem der Atemwege versagen. Mit Nasenspülungen, in der ayurvedischen Medizin als Nethi bekannt, kann man angegriffene Schleimhäute unterstützen: Dazu lässt man mithilfe eines Kännchens Salzwasser in das eine Nasenloch fließen und über das andere Nasenloch wieder abrinnen. Dabei wird vermehrt gebildeter, befallener Schleim ausgespült. Die Wirksamkeit der Methode wurde 2002 wissenschaftlich nachgewiesen und in einer Cochrane-Review positiv bewertet. (kowa)

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Denn die Bakterien bekommt man nur mit einem Antibiotikum in den Griff.

So ein Schwachsinn! So ein absoluter Schwachsinn! Ich zweifle stark an der Fachkompetenz von Frau Wagenhofer.

Wenn sich die Bakterien einmal über die oberen Atemwege in die Bronchien und dann in die Lunge ausgebreitet haben, hilft tatsächlich nur mehr ein Antibiotikum. Bekommst du keines, stirbst eben.

Das stimmt nicht.

Es breiten sich keine Bakterien aus, weil ich das nicht will, und mein Immunsystem hält zu mir.
Nur immunschwache Menschen brauchen ein Antibiotikum, aber die brauchen auch ganz was anderes.

sag könntest net a kleine Warnung setzen auf deiner Homepädsch

i hob mi total geschreckt wie des Büdl is da kumma.

Ach du schon wieder, Superwoman!

Ich hatte ja schon mal vorgeschlagen, dich zu klonen. Damals, weil du tolle Frau einfach keine Regelbeschwerden hattest, wie die anderen Loserinnen. Jetzt muss ich auch noch feststellen:
die Viren haben bei dir keine Chance. Leute, heut Nacht fliegt Dagmar Rehak sicher mit ihrem Kostüm über eure Dächer. Halleluja!

Du bist genauso super wie ich, springflower.

Kannst dich auch klonen oder was auch immer. Du funktionierst genauso perfekt wie ich.

was brauchen diese menschen denn? schwachsinnige empfehlungen von ihnen dass sie mehr cola trinken sollen?
zum glück gehen kranke menschen zu ärzten und nicht zu unqualifizierten quatschköpfen wie ihnen. wenn sie persönlich jegliche medikamente, operationen etc. ablehnen dann ist das natürlich ihre persönliche angelegenheit, sollten sie mal ernsthaft erkranken dann wünsche ich ihnen viel glück mit ihrer cola-therapie. aber behalten sie bitte ihre absurden "empfehlungen" für sich, niemand interessiert sich für ihr esoterik-forum-geplapper.

Meistens brauchen immunschwache Menschen eh nur besseres Essen und Wärme. In unseren Breiten ist es eher Wasser und Schlaf.

Das Immunsystem des Menschen ist ja keine konstante Größe! Es schwankt im Laufe des Tages, Monats und Jahres. Manchmal ist es großartig und dir kann nichts passieren, manchmal liegt es einfach danieder.
Für jene Schwankungen gibt es viele Ursachen. Einige sind wohl bekannt, andere noch nicht.
Wenn jetzt dein _momentan_ geschwächtes Immunsystem eines Tages auf einen Haufen von aggressiven Viren trifft, beginnen sich diese auszubreiten.
Falls du das dann besonders gescheit angehst, dein Immunsystem noch weiter nieder drückst, indem du keine Ruhe gibst, Schlechtes zu dir nimmst etc. wirst einfach die Rechnung präsentiert bekommen.
Das gilt eigentlich für jeden!

Stimmt schon, es schwankt, aber es wird bei einem gesunden Menschen niemals so schwach, dass sich Bakterien einfach ausbreiten können, sondern die werden auf jeden Fall bekämpft.
Wirklich darnieder liegt das Immunsystem praktisch nie, oder höchstens, wenn man was gemacht hat, was man sowieso nicht sollte, zu wenig geschlafen oder sowas.

Zu viel Sport, zu wenig geschlafen, zu viel gesoffen (oder als Mann zu viel gehur*, als Frau geregelt), Drogen oder Medikamente oder sonst was missbraucht, einen Interkontinentalflug über 12 Stunden absolviert, zu lange in der Sonne warst etc. ...

Wenn du das und noch einiges mehr konsequent vermeiden kannst, gratuliere, dann wirst du wirklich nur mehr krank, wenn du krank wirst. ;-))

wenn man das alles nicht macht

ist es so als wäre man schon krank

Das mit den Männern und den Frauen und das mit den 12 Stunden ist falsch. Sonneliegen stärkt erst einmal das Immunsystem, und zwar gewaltig, aber wenn es zu hautschäden kommt, wird es abgelenkt.
Ich sündige manchmal selber, zB schlafe ich manchmal zu wenig oder sonne mich zu wenig. Aber ich schau wenigstens ein bissl drauf, dass es nicht exqualpiert.

Lesen Sie noch mal die Überschrift.

Ja, aber da könnte man auch hinschreiben:
"Vom Räuspern zum Beuschelprolaps"

Ja, oder man schreibt: Ein Immunsystem, das mit einem Schnupfen beschäftigt ist, hat weniger Zeit für Bakterien...

Bei Kindern oder alten Menschen lass' ich mir das einreden, aber bei allen anderen stimme ich Ihnen zu.

PeAcE

Stimmt, Zuckerdrops mit Wasser helfen besser!

Nachdenken hilft besser. Kann nur nicht jeder.

Stimmt!

Denkens ganz stark homöopathisch nach...das scheint ihnen ja leicht zu fallen!

haben wir nicht erst vor wenigen Wochen gehört dass antibiotika-resisdente bakterienstämme genau durch sowas hervorgerufen werden?

panikmache. und das von einer medizinerin. die sollte sich schämen.

Welche Medizinerin? Heimo oder Reinhard?

Haben Sie den Rest des Textes auch so gut erfasst?

warum gibt es dann genau soviele erkältungskrankheiten in den tropen?

ich rede jetzt nicht nur von städten mit (schlecht gewarteten) klimaanlagen in jedem gebäude und fahrzeugen sondern auch von ländlichen "kuhdörfern".
auch dort erleiden menschen im schnitt 4 mal im jahr eine erkältung, ganz ohne Bkterienschleudern wie Klimaanlagen.

der "kalt-warm"-Logik zufolge müßten menschen in Finnland hundert mal öfter an erkältung erkranken als Menschen in Süd italien etc. was sie aber nicht tun

Wo lesen Sie etwas von "kalt/warm-Logik"?

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