Unmarkiert zu einem lohnenden Gipfel

    29. Oktober 2010, 16:57
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    Der Hochstaff bei Kleinzell verlangt Orientierungssinn

    Der über dem Ebenwald bei Kleinzell aufragende Felszacken des Hochstaffs lockt im späteren Herbst viele Bergwanderer an. Die Almen sind nun leer, das Vieh ist längst in den Stallungen im Tal, daher sind etliche Zäune, die man sonst überklettern müsste, abgebaut oder zumindest teilweise offen, was den Weg zu dem aussichtsreichen und lohnenden Gipfel sehr erleichtert.

    Weg selbst suchen

    Auf die Erhebung, die urkundlich schon im 13. Jahrhundert erwähnt wird, führte einst eine markierte Route, die längst aufgelassen wurde und trotz aller Bemühungen nicht wieder zustande kam. Man muss sich also den Weg selbst suchen, was aber bei der übersichtlichen Landschaft und den vielen freien Flächen kein Problem ist.

    Die Rundsicht vom höchsten Punkt, den ein von der Bergrettung errichtetes Kreuz schmückt, braucht keinen Vergleich zu scheuen. Man schaut zu Schneeberg, Ötscher, Dürrenstein, Gippel und Göller, überblickt einen Teil des Alpenvorlandes bis hin zum Donautal und den südlichen Ausläufern des Waldviertels und hat die Reisalpe samt dem Höhenzug zum Muckenkogel sozusagen direkt vor der Nase.

    In der Gipfelregion und auf den höher gelegenen Matten sind die Eingänge zu den Murmeltierbauen nicht zu übersehen, um diese Jahreszeit aber halten die putzigen Tiere bereits ihren Winterschlaf. Gämsen jedoch bekommt man immer wieder zu Gesicht.

    Am häufigsten wird der Hochstaff vom Ebenwald über den nördlichen Kamm bestiegen, dieser Weg befindet sich in einem sehr schlechten Zustand und ist daher nicht zu empfehlen. Die bessere Variante ist der Anstieg über die westlichen und südlichen Almen, die keinerlei schwierige Stellen aufweisen. Zudem bewegt man sich auf der Sonnseite, was zwar im Hochsommer unangenehm ist, derzeit aber als Vorteil empfunden wird.

    Da nur ein Teil der Route markiert ist, sollte man über einen halbwegs guten Orientierungssinn verfügen, zudem ist die Mitnahme der Bundesamtskarte anzuraten; der Atlas Wiener Hausberge reicht kaum.

    Die Route: Von Kleinzell wandert man auf der blauen Markierung ein Stück auf Asphalt in Richtung Ebenwald, dann zweigt der Weg nach links ab und führt sehr zügig zur Weißenbachalm und zur Zeißlalm. Gehzeit 1½ Stunden.

    Weiter auf der Markierung, bis sich der Weg leicht zur Hinter-alm senkt. Auf dem höchsten Punkt hält man sich rechts und stößt im steilen Hang auf einen schmalen Pfad, der in Serpentinen zu einer kurzen Waldpassage und zu einer ebenen Almfläche führt. Am rechten (östlichen) Rand der freien Fläche trifft man auf einen alten Fahrweg, der fast auf der Höhenschichtlinie zu den freien Almen führt, die bis zum Gipfel reichen und über die man aufsteigt. Ab Zeißlalm 1½ Stunden.

    Zurück zum Fahrweg, auf diesem ein kurzes Stück weiter zur Weißenbachalm, wo man auf die Anstiegsroute trifft und nach Kleinzell wandert. Ab Hochstaff 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausabe/30.10.2010)

    Gesamtgehzeit 4½ Stunden, Höhendifferenz 800 Meter. Kein Stützpunkt auf der Route. ÖK25V Blatt 4206-West (Kleinzell), Maßstab 1:25.000

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      grafik: der standard
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