Bei den vielen Rohstoffen für Elektrobauteile stellt schon die Gewinnung eine kritische Phase dar
Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs bringt es mit sich, dass künftig viele neue Werkstoffe im Auto verwendet werden. Einerseits ist es die Elektrizität selbst, die ähnlich wie in der Computerbranche zu einer extremen Steigerung bei bisher selten genützten Rohstoffen führt, etwa Lithium oder Erdmetalle. Auf der anderen Seite fordert auch der Leichtbau die Verwendung von Materialien, die bisher im Serienautomobil hauptsächlich aus Kostengründen eher tabu waren.
Leichtbau erscheint nun aber tatsächlich unumgänglich, weil damit effektiv die Reichweite von Elektrofahrzeugen verlängert werden kann. Die Auswirkungen dieser Fortschritte auf die Umwelt sind dabei weitgehend unbekannt. Recyclingverfahren für Kohlenstofffaser (CFK) gibt es derzeit so gut wie gar keine, sie müssen aber entwickelt werden, wenn dieser superleichte, extrem belastbare Werkstoff in der Umweltbilanz eine Chance haben will.
Bei den vielen Rohstoffen für Elektrobauteile stellt schon die Gewinnung eine kritische Phase dar. Das gilt es alles genau zu durchleuchten, bevor man munter von den Vorteilen neuer Technologien berichtet.
Die Rotschlamm-Katastrophe in Ungarn ist ein markantes Beispiel für die Unzahl ungelöster Umweltprobleme und Risiken. Während über Energiebilanzen und Recyclingquoten diskutiert wird, weiß bis heute noch niemand, wohin mit diesem brisanten Abfall, der bei der Rohaluminium-Herstellung anfällt. Auslagern der Herstellung in Entwicklungsländer kann dabei ja wohl nicht die Antwort sein. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/29.10.2010)