Demo legte Salzburger Innenstadt lahm

28. Oktober 2010, 22:26
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1500 bei Demonstration gegen die Kürzung der Familienbeihilfe – Studenten blockieren Staatsbrücke mit Sitzstreik

Rund 1500 Menschen, die gegen die Kürzung der Familienbeihilfe demonstrierten, brachten den Verkehr in der Salzburger Innenstadt für knappe vier Stunden ins Stocken. Eine Stunde lang wurden Busse und Autos zum kompletten Stillstand in der Innenstadt gezwungen: Die Demonstranten setzten sich auf die Staatsbrücke, den Hauptverkehrsknotenpunkt in der Innenstadt, und verhinderten so, dass der Verkehr weiterläuft.

Die Blockade der Staatsbrücke solle zeigen, dass die „verfehlte Bildungspolitik blockiert wird", verlautbarte Kay-Michael Dankl von der ÖH Salzburg auf der Staatsbrücke. Es müsse ein Zeichen gesetzt, und aktiv Widerstand geleistet werden. Dankl zieht in Erwägung solche Sitzstreiks wöchentlich zu veranstalten bis die „lernresistente Regierung" reagiere.

„Die Unis brennen immer noch"

Um halb fünf versammelten sich 1500 Menschen, die von der Kürzung der Familienbeihilfe betroffen sind, am Mozartplatz. Banner mit Parolen wie „Bildung kostet Geld aber Dummheit kostet Zukunft" wurden in die Höhe gehalten und das Megaphon auf volle Lautstärke gedreht. „Die Unis brennen immer noch", verlautbarte Simon Hofbauer von Unibrennt durch das Megaphon. Die Regierung sei der Brandstifter und die anwesenden Demonstranten würden als Feuerwehr fungieren, die „den Flächenbrand im Bildungswesen endlich löscht", erläuterte Hofbauer.

Die 1500 Demonstranten zogen vom Mozartplatz über die Nonntaler Brücke und machten ihrem Ärger Luft: „Wer hat uns verraten - Sozialdemokraten. Wer war mit dabei - die Volkspartei". Unmut unter einigen Demonstranten verbreitete das Transparent der JVP. Der Slogan „Eier haben - Studiengebühren jetzt!" war einige Studenten ein Dorn im Auge: Sie stellten sich immer wieder vor das Transparent, um es zu verdecken. Zwei Demonstranten rissen den Trägern das Transparent aus den Armen und entsorgten es im Biomüll.

Tränen vor Ärger

Auch Familien beteiligten sich bei dem Protestzug. An Kinderwägen waren Zettel mit Parolen wie „Ihr nehmt mir meine Zukunft weg!" angebracht. Der Ärger über die Kürzung der Familienbeihilfe äußerte sich unter den Demonstranten nicht nur durch Parolen. „Ich ärgere mich so, dass ich schon geweint habe", sagte eine Mutter, die mitging um sich für ihre Kinder einzusetzen.

Die Passanten reagierten auf die Demonstration recht unterschiedlich: „Von Studenten darf man das Geld nicht nehmen", äußerte eine Passantin ihre Zustimmung und reihte sich in den Zug ein. Ein verärgerter Mann, der mit dem Bus fahren wollte, zeigte den Demonstranten den Mittelfinger. Andere winkten, oder hielten den Daumen hoch.

Polizei löste Demo auf

Der Protestzug zog sich über die Imberg-, Rainer- und Schwarzstraße bis zur Staatsbrücke. Nach einer Stunde Sit-in auf der Staatsbrücke, stellten sich rund 50 Polizisten in einer Schlange hinter die etwa zwanzig Studenten, die auch nach der offiziellen Auflösung der Versammlung um 18.30 Uhr nicht aufstehen wollten. Die Polizisten bewegten sich Schritt für Schritt vorwärts um die Demonstranten in die Fußgängerzone zu schieben. Um 19.15 Uhr waren die Straßen wieder freigegeben und der Verkehr setzte sich in Bewegung. (Stefanie Ruep, derStandard.at, 28.10.2010)

  • Der Verkehr stockte vier Stunden lang
    foto: öh

    Der Verkehr stockte vier Stunden lang

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