"Wäre nett, wenn er mit einer Praktikantin Sex hätte"

28. Oktober 2010, 19:14
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Karikaturist Daryl Cagle empfindet Obama fad und die US-Öffentlichkeit als zutiefst gespalten. Von Christoph Prantner.

Standard: Was war das Bemerkenswerteste an diesem Wahlkampf für Sie als Karikaturisten?

Cagle: Der Umstand, wie weit die Demokraten und Republikaner voneinander entfernt sind. Die Rechte verfügt heute über eigene Medien und eigene Fakten. Früher haben ein und dieselben Medien über ein und dieselben Fakten berichtet. Das ist inzwischen anders. Es gibt eine bemerkenswerte kulturelle Differenz zwischen sogenannten roten und blauen Bundesstaaten. Wir merken das auch bei unseren Karikaturen. Wir bieten unsere Cartoons auf unserer Website 860 Zeitungen an. Die meisten davon werden von konservativen Chefredakteuren geführt, die konservative Karikaturen wünschen. Andere Meinungen sind dort nicht gefragt, es geht um die klare Auswahl zwischen Menü A und Menü B. Wir haben sogar rote und blaue Buttons eingeführt, damit sich die Redakteure nicht mehr jeweils "linken" oder "rechten" Karikaturen ansehen müssen.

Standard: Warum gibt es dieses unerbittliche Lagerdenken?

Cagle: Es sind einschüchternde Zeiten mit eingeschüchterten Chefredakteuren, da gibt es oft nur lauwarme Witze als Karikaturen. Aber nichts, was traurig macht oder zum Denken anregt. Das ist sehr frustrierend. Cartoons erzeugen mehr Leserreaktionen als alles andere. Zeitungen scheuen davor zurück und wählen milde Varianten, um niemanden gegen sich aufzubringen. Sie wollen, dass die Leser in ihren Zeitungen ihre Meinungen bestätigt bekommen.

Standard: War das unter George W. Bush nicht genauso?

Cagle: Ich vermisse Bush ein bisschen. Ein Charakter entwickelt sich ja. Irgendwann weiß man, was er denkt, was er tun und wie seine Körpersprache sein wird. Das funktioniert auch mit Hillary Clinton. Obama dagegen ist langweilig. Ich arbeite für msnbc.com, das als linkslastig gilt. Trotzdem: Obama ist nicht populär, vor allem wegen der Rettungspakete für die Wall Street. Die allgemeine Meinung ist, dass diese Wall-Street-Leute davongekommen sind, obwohl sie fürchterliche Dinge angestellt haben. Das treibt auch der Tea Party die Leute zu. Bush hat die Wall Street auch gerettet, deswegen sind die Tea-Party-Aktivisten auch gegen den Großteil der Republikaner. Es gibt sehr viel Zorn. Die Leute wollen diese Verbrecher im Gefängnis sehen.

Standard: Obama, fad, aber gut für das Land?

Cagle: Ich konnte auf Bush zählen, er hat immer etwas Blödes gesagt. Obama spricht intelligent, er ist vernünftig. Das ist nicht das Beste für einen Karikaturisten. Es wäre nett, wenn er zumindest Sex mit einer Praktikantin hätte.

 

Daryl Cagle zeichnet für msnbc.com. Zuvor arbeitete er unter anderem für die Tribune Media Servicesund slate.com. Daneben vertreibt er Cartoons verschiedener, auch europäischer Karikaturisten über www.cagle.com

  • Der gleichmütige Obama rührt die Amerikaner zu wenig an
    karikatur: daryl cagle

    Der gleichmütige Obama rührt die Amerikaner zu wenig an

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