Acht von zehn Cannabis-Konsumenten in Österreich geben den Joint spätestens im reiferen Alter wieder auf
Acht von zehn Cannabis-Konsumenten in Österreich geben den Joint spätestens im reiferen Alter wieder auf. Die Ausstiegsrate ist bei illegalen Substanzen überhaupt wesentlich höher als bei Alkohol und Nikotin.
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Wien - Wer kifft, hört höchstwahrscheinlich damit auf. Wer säuft, eher nicht. Das geht aus dem neuen Bericht zur Drogensituation 2010 heraus, der am Donnerstag vom Österreichischen Bundes- instituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) veröffentlicht wurde.
Demnach ist der Konsum von illegalen Suchtgiften zum überwiegenden Teil ein "Lebensabschnittsproblem". Während junge Erwachsene (20 bis 24 Jahre) derzeit die höchsten Raten an Erfahrungen mit illegalen Drogen (26 Prozent bei Cannabis) haben, sind es bei den 60- bis 69-Jährigen nur noch vier Prozent. Bei anderen illegalen Suchtgiften ist die Lebenszeitprävalenz (also ab jemand jemals Drogen genommen hat) weitaus geringer. Nur zwei bis vier Prozent aller Erwachsenen haben Erfahrungen mit Ecstasy, Kokain und Amphetaminen. Höchstens zwei von 100 haben schon zumindest einmal Heroin oder andere Opiate probiert.
Die Konsumausstiegsrate ist bei allen illegalen Substanzen erheblich höher als bei legalen: Bei Alkohol liegt sie bei zehn Prozent, bei Nikotin bei 38 Prozent. Aber acht von zehn Cannabis-Konsumenten lassen irgendwann die Finger vom Joint, bei LSD beträgt die Dropout-Rate 90 Prozent, bei Kokain rund 60 Prozent. "Dass belegt, dass der Konsum illegaler Substanzen im Lebenslauf der meisten Personen ein zeitlich - meist auf Jugend und Erwachsenenalter - begrenztes, vorübergehendes Phänomen ist", heißt es im Drogenreport.
Die Zahl der Menschen mit problematischem Opiatkonsum wird österreichweit auf 25.000 bis 37.000 geschätzt. Rund die Hälfte davon bevorzugt den intrave- nösen Konsum. Fünf Prozent der Bevölkerung haben hingegen ein gravierendes Alkoholproblem, das sind rund 350.000 Menschen.
Substitution abgewürgt
Der Report zeigt auch erstmals Probleme mit der Drogen-Substitutionsbehandlung in den Bundesländern auf. In den vergangenen drei Jahren stiegen offenbar viele niedergelassene Ärzte aus dem Bereich der Substitutionstherapie, die Patienten in ärztliche Betreuung bringen, sie vom illegalen Drogenmarkt abhalten und ihnen die Möglichkeit zu einer sozialen Stabilisierung bieten sollen, aus. In Niederösterreich seien nur noch 50 Ärztinnen und Ärzte zur Substitutionstherapie berechtigt, wovon einige jedoch keine Patientinnen und Patienten mehr übernehmen. "In machen Bezirken ist keine Versorgung mehr gegeben", warnt der Report. Auch in Oberösterreich ist die Zahl von Substitutions-Ärzten von 200 im Jahr 2007 auf 80 im Jahr 2010 zurückgegangen.
Ausschlaggebend für den Engpass sei eine Verordnung, die 2007 die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (VP) erlassen habe. Damals waren, wie der Standard berichtete, die Bedingungen für Ärzte und für Patienten verschärft worden. Teilweise wurden die Auflagen bereits wieder zurückgenommen, "doch vor allem die Drogenkranken sehen sich gegenwärtig immer noch mit entstandenen Defiziten konfrontiert", kritisieren die Autoren des ÖBIG-Reports. (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 29. Oktober 2010)