Die Studierenden
hätten gewichtige Gründe zum Protestieren, aber zornig werden sie nur beim eigenen
Geld
Man kann
argumentieren, dass die Streichung der Familienbeihilfe nach dem 24. Lebensjahr
nicht die sinnvollste Sparmaßnahme ist, auf die die Koalition hätte verfallen
können – vor allem, wenn damit wirklich der Verlust anderer Vergünstigungen so
wie Mitversicherung, und billigere Fahrkarten verbunden ist.
Aber weder verursacht
der Schritt besondere soziale Härten, noch ist er, wie die ÖH-Vorsitzende
Sigrid Maurer behauptet, „eine Sauerei“, oder wie es GPA-Chef Wolfgang Katzian formuliert,
„zynisch“.
Denn auch nach dieser Kürzung bleibt die staatliche Unterstützung für Studierende in
Österreich eine der großzügigsten auf der Welt, bleiben die Studierenden
eine der finanziell privilegiertesten Bevölkerungsruppen im Lande. Lehrlinge
können von solchen Vorteilen nur träumen.
An alle, die jetzt aufschreien: Ich
weiß, das Studium ist keine einfache Zeit. Man hat immer zu viel Stress und zu wenig
Geld, plagt sich mit unmöglichen Studienbedingungen und schlecht bezahlten Nebenjobs
– und dann gibt es noch die Eltern, die lästig nach Prüfungserfolgen fragen.
Aber die Wehleidigkeit,
mit der Studentenvertreter,
Leserbriefschreiber und Poster (auch auf meinen letzten Blog zum Budget) jetzt der Öffentlichkeit weismachen wollen, dass die Studierenden die ärmsten Schweine in diesem Land
sind, grenzt ans Lächerliche.
Studenten haben
nicht alle wohlhabende Eltern, aber zum Großteil kommen sie aus gut gebildeten,
gut verdienenden Familien. Nur ein Bruchteil der Studierenden stammt aus der Arbeiterschicht
– eine ernüchternde Bilanz vier Jahrzehnten sozialdemokratischer
Bildungsreformen. Dagegen würden zielgerichtete Stipendien viel mehr nützen als die breit gestreute Familienbeihilfe, die vor allem den Kindern der Mittelschicht nützt.
Diese bekommen ihr
Studium von der Allgemeinheit – einschließlich jener Kleinverdiener, die ihre
Kinder nicht an die Unis schicken – praktisch gratis bezahlt und schaffen sich
damit die Grundlage für einen späteren höheren Verdienst.
Wenn sie motiviert
sind, nehmen sie Auslandsstipendien in Anspruch und verbringen spannende Monate
in Bologna, Barcelona oder Paris. Und
sie genießen Jahre der Freiheit ohne wirkliche Verantwortung. Alles in allem geht es ihnen ziemlich gut.
Wenn der VSStÖ
jetzt beklagt, dass der Druck an den Unis psychisch krank macht, dann kann man ihre
Vertreter nur einladen, einmal gut geführte Eliteunis in anderen Ländern zu
besuchen und zu beobachten, wie viel härter dort gearbeitet wird als in Österreich.
Dass Studierende meist
knapp bei Kasse sind, daran ist nicht der böse Sozialabbau verantwortlich. Seit
der Gründung der ersten Universitäten im Mittelalter waren Bettelstudenten
unterwegs, die sich kaum über Wasser halten konnten.
Aber schon damals wussten
sie, dass sich die Jahre des Einkommensverzichts langfristig dennoch auszahlen –
gesellschaftlich und finanziell. Das
gleiche gilt für die heutigen Uni-Absolventen.
Das Ärgerliche an
den bisherigen und jetzigen Protesten ist nicht, dass Studenten protestieren –
das gehört zu dieser Lebensphase dazu –,
sondern wogegen sie protestieren: nicht gegen die miserablen Studienbedingungen,
die fehlenden Seminarplätze, das schlechte Betreuungsverhältnis, den
bürokratischen Apparat, das Desinteresse zu vieler Uni-Lehrer .
Zwar waren diese
Themen mit ein Auslöser für die Besetzung des Audimax vor einem Jahr, aber schon
damals wandten sich die Studierenden mit noch mehr Vehemenz gegen jene
Maßnahmen, mit denen das Uni-Chaos eingedämmt werden könnte: Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Viel verlangen und nur ja nichts selbst
hergeben, lautete die Devise.
Nun wurde bei der
Budgetklausur der Koalition am vergangenen Wochenende nicht nur die
Familienbeihilfe gekürzt, sondern auch der offene Hochschulzugang durch die
Einführung sehr kurzer
Studieneingangsphase mit einem Schlag abgeschafft.
Hier hätte man
laute Proteste erwarten können, aber interessanterweise regt sich jetzt dagegen
fast kein Widerstand: Alles, wogegen die Studierenden bzw. ihre Vertreter schreien,
ist die Kürzung öffentlicher Unterstützung.
Die kommende
Elite des Landes scheint in die Fritz-Neugebauer-Schule der demonstrativen
Wehleidigkeit und offensiven Besitzstandverteidigung zu gehen. Sie hätten so viel Grund zum Protestieren,
aber was sie bewegt, ist vor allem der dringende Wunsch, dass der Staat weiter für sie sorgt. Das gibt wenig
Zuversicht für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.