Wolfgang Katzian im Interview

"Die Kürzung der Familienbeihilfe macht mich wild"

28. Oktober 2010, 17:33

"Fatale Signale" entdeckt Wolfgang Katzian im Budget - Der Chef der SP-Gewerkschafter über arme Studenten, geprellte Krankenkassen und die gerechte Verteilung von Arbeitszeit

Standard: Waren Sie bei der Demo gegen das Sparpaket dabei?

Katzian: Nein, weil zur gleichen Zeit der ÖGB-Vorstand getagt hat, um das Budget zu analysieren. Aber unsere Jungen in der Gewerkschaft haben gemeinsam mit den Studenten Gas gegeben - und ich stehe natürlich auf derselben Seite. In einigen Fragen wird sich die Regierung bewegen müssen.

Standard: Zum Beispiel?

Katzian: Wild macht mich, dass die Familienbeihilfe nur mehr bis zum Alter von 24 Jahren ausbezahlt werden soll. In einer Welt, in der sich unser Land nur über den Weg der Bildung behaupten kann, ist das ein fatales Signal. Wir werden Druck machen, das zu ändern.

Standard: Muss man ab 24 nicht auf eigenen Beinen stehen können?

Katzian: Für Studierende ohne begüterte Eltern klingt das zynisch. Ich schau mir an, wie ein Medizinstudent locker nebenbei hackelt. Der muss auf der Uni präsent sein.

Standard: Was stört Sie noch?

Katzian: Dass zu wenig Geld für die Krankenkassen fließt. Diese haben sich schließlich zu Einsparungen verpflichtet, die sie auf Punkt und Beistrich erfüllen. Im Gegenzug hat die Regierung 100 Millionen für den Kassenstrukturfonds zugesagt - doch jetzt sind es plötzlich nur mehr 40 Millionen. Die Folgen kann ich nicht sehenden Auges zulassen: Im schlimmsten Fall fährt das Werkl in zwei Jahren gegen die Wand. Ein weiterer Wermutstropfen ist die höhere Mineralölsteuer ...

Standard: ... die der Umwelt zugute kommen könnte ...

Katzian: ... aber Pendler belastet. Die geplanten 15 Millionen für die Erhöhung der Pendlerpauschale sind eindeutig zu wenig.

Standard: Nicht alle Pendler sind so arm, wie gerne behauptet wird. Fast jeder dritte Bezieher verdient 40.000 Euro oder mehr im Jahr.

Katzian: Nur lässt sich schwer differenzieren, wer aus freien Stücken in den Speckgürtel gezogen ist oder wer keine andere Wahl hat, als mit dem Auto einkaufen und arbeiten zu fahren. Aber abgesehen davon begrüße ich einige der Pläne für neue Einnahmen. Bei Bankenabgabe und vermögensbezogenen Steuern hat sich die Gewerkschaft durchgesetzt - ein paar Punkte sind abgehakt.

Standard: Nicht die mit viel Tamtam geforderte Vermögenssteuer.

Katzian: Diese ist deshalb nicht vom Tisch. Im nächsten Jahr werden wir uns von neuem fragen, wo Geld für Schulen, Unis und Soziales aufzutreiben ist - und dann brauchen wir eine Steuer auf die Substanz von Vermögen. Aber bei Verteilungsgerechtigkeit geht es mir nicht nur um Geld.

Standard: Sondern?

Katzian: Es geht auch um Zeit. Meine Vision ist die Formel 40-40-40, die ich nächste Woche beim Bundesforum der GPA präsentieren werde: 40 Stunden Arbeit pro Woche, 40 Wochen im Jahr, 40 Jahre im Leben.

Standard: Die Wochenarbeitszeit ist doch jetzt schon oft kürzer

Katzian: Nicht, wenn man die Überstunden einrechnet. Pro Jahr sind das 307 Millionen - ein Drittel wird nicht korrekt abgegolten. Tatsächlich arbeiten die Österreicher viel mehr als im EU-Schnitt. Ziel ist, Überstunden zu verteuern und für Arbeitgeber unattraktiv zu machen. Gegen verschleiernde All-inclusive-Verträge braucht es gesetzliche Maßnahmen.

Standard: Außerdem soll es zwölf Wochen Urlaub geben?

Katzian: Nein. Wir fordern die sechste Urlaubswoche für alle. Darüber hinaus soll es zwei Wochen im Jahr Bildungsfreistellung geben. Es heißt, dass sich das Wissen der Menschheit alle sechs Jahre verdoppelt - um auf dem Laufenden zu bleiben, brauchen die Arbeitnehmer Zeit. Die restlichen zwei Wochen sollten für Regeneration reserviert sein, schließlich nehmen Stress und psychische Belastungen zu. Dies ist die Voraussetzung, um überhaupt 40 Jahre gesund im Job durchzuhalten. Weil die Menschen wegen längerer Ausbildung immer später in den Beruf einsteigen, werden viele dennoch erst mit deutlich über 60 in Pension gehen. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2010)

WOLFGANG KATZIAN (54) stellt sich am 4. Nov. der Wiederwahl als Chef der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
Weltfremd ?
00
1.11.2010, 18:37
Wieso

soll dann nicht eigentlich die gerechtere Form der Anhebung des Spitzensteuersatzes erfolgen ? Eine Vermögenssteuer für versteuertes Vermögen verletzt den Vertrauensgrundsatz eines Sparers, da es in dem Fall klüger gewesen wäre alles zu verbaruchen und den Staat zu belasten, wenn man Unterstützung braucht.
Eine seltsames Gerechtigkeitsverständnis der SPÖ !

Weltfremd ?
00
1.11.2010, 18:33
Wenn es eine Substanzbesteuereung gibt,

ist das eine nicht tolerable Zumutung. Das ist indiskutable, solange nicht jeder Vermögenszuwachs gleich besteuert wird, wie besipielsweise Erbschaften und Schenkungen,....
Zusätzlich ist dann auch eine Vermögensfreibetrag nicht einzusehen. Wer weniger hat, muss dann auch weniger zahlen, jedoch ist es sehr lehrreich zu erfahren, was das eigentlich bedeutet, von jedem Gut wird bei 1% Besteuerunjg pro Jahr ein Hundertstel abgeknabbert und nach 50 Jahren gehört einem nur noch die Hälfte, bzw. ein Gut d.h. heute 100 % Wert hat, kann von heut auf morgen seinen Wert vollständig verlieren, man hat zuvor aber jahrelang Vermögenssteueren bezahlt.

kurtmurrt
00
30.10.2010, 10:49
heiße luft?

wenn die gewerkschafter schon so die muskel zeigen, brauchen sie ja nur im parlament nicht mitzustimmen. sitzen ja genügend drinnen.
aber es wird wohl wieder nicht soweit kommen.
vielmehr kommen jetzt sicher ein paar kleine kosmetische korrekturen und die genossen werden uns dann weismachen wie toll sie sich durchgesetzt haben.
die schwarzen gewerkschafter sind eh von vorhinein schon zu vergessen.

Bon_profit!
00
30.10.2010, 11:19

Zugunsten von Bauern, Selbständigen und deren Kindern macht die ÖVP schon Verbesserungen vom Dieselpreis für Bauern bis zu Familienbeihilfen für Stipendien-"ErschleicherInnen".

blubb66
01
29.10.2010, 22:44
Pendlerpauschale ist eine Schnapsidee

Wer in den Speckgürtel zieht, tut das entweder um Kosten zu sparen (und spart diese auch), oder um deutlich mehr Lebensqualität um dasselbe Geld zu erhalten. Beides ist nichts, was man noch extra belohnen müßte, diese Pauschale kann daher nur als Quersubventionierung für das Land NÖ verstanden werden.

Bon_profit!
00
29.10.2010, 22:56
Österreich besteht nicht nur aus Niederösterreich und Wien.

Dennoch schließe ich mich der Forderung nach Schlachtung der "Heiligen Kuh" AUTO an.

Laird of Glenmore
00
29.10.2010, 21:03
Die GPA-djp war schon mal weiter,

wie war das mit der 35-Stunden-Woche?

(rhetorische Frage)

Bon_profit!
00
30.10.2010, 16:29

Da gab es die GPA.

eslebediegier
14
29.10.2010, 12:02
Mich auch!

Allegra!
14
29.10.2010, 12:48

Nochmals:

Faymann und Cap,
dankt endlich ab!

Almi66
02
29.10.2010, 07:39
Gerechte Pendlerpauschale?

Zum einen ist das Pauschale nicht sozial treffsicher, da etwa tüchtige Verkäuferinnen oder Hilfskräfte, die das Pech haben, dass harte Arbeit nicht entsprechend honoriert wird, leer ausgehen. Aber auch die müssen pendeln, und tun das, mangels Geld, meist mit Öffis.

Nicht so die vielen mittelständischen Speckgürtelbewohner. Da sind wir beim zweiten Manko der Pauschale. Sie ist ökologisch nicht treffsicher, da man auch Geld bekommt wenn man eine zumutbare Öffi-Anbindung links liegen lässt.

D e s h a l b: Die Zumutbarkeitskriterien überdenken, wenn innerhalb von 10km eine öffentliche Anbindung existiert, so sollte nur eine Art "Pendlertarifkarte" gewährt werden. Außerdem sollten vor allem Niedrigverdiener entlastet werden!

Elfi...
01
29.10.2010, 10:36
d'accord. ;)

octobussi
00
28.10.2010, 20:25
alle,die umsonst arbeiten sollen ein grün anzeigen

Elfi...
00
29.10.2010, 10:37

praktikanten-zivis?..........

Allegra!
10
29.10.2010, 10:58

Deren Arbeiten sind auch nicht umsonst!

Elfi...
00
29.10.2010, 11:37
Ausbeutung.....

na da kenn ich aber andere praktiken.

praktikaten zum 0.tarif? angewiesen an das jeseilige unternehmen,sozial ja o.nein?.

was die zivis betrifft, erspar ich mir jeden kommentar.

hatte selbst das vergnügen,da durchzutauchen.

Allegra!
10
29.10.2010, 11:57

Sie schrieben nie, welche der 3 Bedeutungen von "umsonst" Sie meinten. :-)

Elfi...
00
29.10.2010, 12:35
;)

sorry,anscheinen wird kritik so wie sie beschreiben,nicht freigegeben.

Elfi...
00
29.10.2010, 12:28

im verkauf,hat ein praktikum keine besoldung,ich weis s von was ich schreibe,bin im mittleren management,die ausnutzung ist schon kriminell,nur sprechen sie diese mal an.

ist nur ein beispiel: die abzocke bei sogenannten einstellungen egal welcher branche ist politisch gewollt,was praktikanten betrifft.

mein vater (selbstständig im gewerbe) der wusste nach einem tag ob der kanditad taugte,nicht nach einem monat,mein vater entlohnte auch diesen praktikanten nach seiner leisung.

wollen sie mehr info,ich werde sie ihnen geben.

Allegra!
00
29.10.2010, 16:46

Wollte eigentlich nur hinweisen, das unbezahlte Arbeit nicht "umsonst" ist.

r.rosarius
 
00
28.10.2010, 22:00

Sie meinen Hausfrauen, freiwillige Feuerwehrler, etc?

Allegra!
10
28.10.2010, 23:24

Deren Arbeiten sind nicht umsonst!

Allegra!
10
28.10.2010, 21:42

grün erinnert an grünen veltliner

Elfi...
00
29.10.2010, 10:52

schmeckt aber gut.

Allegra!
00
29.10.2010, 17:39
Grüner Veltliner Schloß Fels 2009 beim SPAR um max. 3,99 Euro

Konsument-Testsieger von rund 30 Sorten GV.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.