Huchen in der Mur eine autochthone Art

28. Oktober 2010, 19:42

Experte: Population wird mit dem geplanten Kraftwerk "mit ziemlicher Sicherheit aussterben"

Graz - Die Huchen-Population in der Mur könnte den Bau des geplanten Wasserkraftwerkes Graz-Puntigam nun doch zu Fall bringen: In einer Studie im Auftrag der steirischen Umweltanwaltschaft hat der Zoologe Steven Weiss von der Universität Graz den Bestand in der Mur untersucht und dabei den autochthonen Status des lachsartigen, weltweit stark gefährdeten Fisches festgestellt. Eine autochthone Art ist in ihrem aktuellen Verbreitungsgebiet (in diesem Fall der Mur) entstanden.

Der Bestand

Der Grazer Biodiversitätsforscher Steven Weiss hat 71 Huchen zwischen der A2-Brücke im Süden und dem Kraftwerk Peggau im Norden der Stadt Graz identifiziert und genetisch untersucht. "Wahrscheinlich leben in diesem Bereich noch einige, sogar zwei- bis dreimal mehr", so Weiss im Gespräch.

Laut Zoologe hat sich gezeigt, dass der Bestand "zum großen Teil heimisch" ist. U.a. wurden genetische Proben von sogenannten "Besatzhuchen", die zur Aufzucht in die Mur freigelassen worden waren, mit dem Material aus der Mur verglichen: Innerhalb der 71 Huchen konnten nur vier Individuen als Besatzfische, die zur Zucht in der Mur ausgesetzt wurden, identifiziert werden. "Im Großen und Ganzen besteht jedoch eine hohe genetische Variabilität und es gibt keine Anzeichen für eine signifikante Abweichung von zufälliger Paarung", so Weiss. Aus seiner Sicht scheint "die natürliche Reproduktion der Hauptgrund für die Aufrechterhaltung des Bestandes zu sein".

Schlussfolgerung

Aus Sicht der steirischen Umweltanwältin Ute Pöllinger ist der damit vorliegende Nachweis der Autochthonie ein zentraler Beleg für die Schutzwürdigkeit des Huchenbestandes in der Mur. Mit dem Umstand, dass die Mur "ein natürliches Habitat des Huchen" sei, werde der Fluss ein ökologisch besonders schützenswertes Gewässer mit einem "prioritären Sanierungsbedarf". Pöllinger: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Projekt noch genehmigungsfähig ist".

"Der Fluss ist einer der letzten großen Lebensräume des Huchen", so Weiss, der auch als Huchen-Beauftragter der Weltnaturschutzorganisation IUCN tätig ist. Laut dem Forscher werde die Population mit dem Kraftwerk "mit ziemlicher Sicherheit aussterben". Der Fisch benötige fließendes Wasser für sein Überleben; werde die Mur aufgestaut, können sich die Tiere nicht mehr fortpflanzen.

Laufendes Verfahren

Die Energie Steiermark hat die Planungen für das Wasserkraftwerk Graz-Puntigam bereits im Oktober 2010 ausgesetzt, nachdem der Grazer Bürgermeister eine Volksbefragung zur Staustufe angekündigt hatte. Die Behördenverfahren - derzeit läuft die Prüfung der Umweltverträglichkeitserklärung - gehen allerdings weiter. Vonseiten des Energieversorgers sieht man die Studie gelassen: "Jeder hat das Recht, seine Argumente vorzubringen. Auch wir haben zu jedem Fisch und jeder Pflanze unsere Gutachten eingeholt. Das Verfahren läuft und wir warten auf das Ergebnis", so Konzernsprecher Urs Harnik-Lauris.

Das Kraftwerk ist eine Anlage einer Kette von fünf Laufkraftwerken im Raum Graz, wovon zwei in Planung (Gratkorn und Stübing) und zwei weitere (Gössendorf und Kalsdorf) bereits im Bau sind. Bei allen fünf Projekten ist der Verbund Partner. Gemeinsam will man rund 350 Mio. Euro in die Kraftwerkskette investieren. (APA/red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
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Huchenfranz
 
00
30.10.2010, 22:20
Sind die Grazer-Huchen nicht EU-geschüzt??

Wie kann man genetische Gutachten mit Gegengutachten aufheben? Man denke nur an den Vaterschaftstest. Gelassen wollen uns die Energieversorger ständig hinters Licht führen!
Die ESTAG wird keinen Genetiker finden, der die Weiss-Studie in Frage stellen kann.
Sehr sparsam sind manche Politiker und Vertreter der Stromversorger wenn es um ehrliche Aufklärung geht. Umweltschädigung und die Funktionalität eines Ökosystems werden gerne tot geschwiegen. Manche Politiker wurden nicht vom Volk gewählt um Macht auszuüben, sondern um für das Volk zu arbeiten. Zählen bei manchen Politikern egal welcher Färbung, die Interessen von 25.000 Bürgern (www.rettetdiemur.at/unterschreiben) nicht?

Nick Tameer
00
30.10.2010, 01:23

Man muss nur an der Mur eine Ortschaft namend "Huchen" gründen, also Huchen an der Mur und in zwanzig Jahren wird man Huchen IN der Mur für einmen bloßen Druckfehlerfehler halten, bestenfalls noch für eine dieser Sagen über versunkene Ortschaften.

Entropix
00
29.10.2010, 13:57
da sprach der Experte:

Huch ein Huchen ;-)

Julian Casablancas
110
29.10.2010, 12:36

lächerlich, der fisch passt sich an oder stirbt aus, so einfach ist das ganze!

gigngogn
 
31
29.10.2010, 12:31
Das der Huchen in diesem Murabschnitt autochton sein soll glaube ich nicht

a) war die Mur in diesem Abschnitt noch 1975 biologisch tot, siehe
http://www.umwelt.steiermark.at/cms/beitr... 04/602965/
b) konnte der Huchen dort seit 1964 (Errichtung Kraftwerk Gralla) nicht mehr wandern
c) wurden Huchen in der Mur eingesetzt

S.enf
00
30.10.2010, 18:02
Ihr - schräges - Hauptargument,

für den Kraftwerksbau, das sie nicht müde werden zu wiederholen, ist offenbar:
Da der Fluss eine Zeit lang - laut der "wissenschaftlich fundierten" Ansicht von gigngogn -
"biologisch tot" war - hat er gefälligst tot zu bleiben oder bald wieder tot zu sein.

ahm
00
29.10.2010, 14:05
fische wandern

fische wandern nicht nur von unten nach oben, sondern vor allem auch von flussaufwärts nach flussabwärts! gegebenenfalls und sofern nicht verbaut auch lateral.

Und jedem seine eigene Busspur
00
31.10.2010, 15:17
Und mehrmals in der Evolution

auch aus dem Wasser und wieder zurück..

gigngogn
 
00
29.10.2010, 14:20
Leider ist mein Antwortposting auf Silvio Lackners Aussage noch immer nicht erschienen (14:20)

Aber wenn sie sich die Kraftwerke an der Mur anschauen, so werden sie feststellen, dass von 'oben', also flussaufwärts des betroffenen Abschnittes eine Wanderung schon seit 1908(!) nicht mehr Möglich war, da hier das Kraftwerk Peggau gebaut wurde. Nach 'unten' hin, also flußabwärts, wurde wie schon geschrieben der Abschnitt 1964 durch den Bau des Kraftwerks Gralla isoliert. Es gab also seit 1964 keine Möglichkeit der Zuwanderung mehr.
Wenn der Fluß aber bis 1975, streckenweise bis 1985, biologisch tot war und dort keine Huchen überleben konnten, woher kommen dann die angeblich autochthonen Huchen?
Die wahrscheinlichste These ist, dass sie in mehreren Schüben aus unterschiedlichen Quellen ausgesetzt wurden.

ahm
00
29.10.2010, 16:22

so haben schon recht, aber besatz ist ja auch mittels autochtonem zuchmaterial aus der mur selbst möglich.
ich meinte aber vor allem die abwärtswanderung von fischen und auch die abwärtsdrift von fischlarven mit hilfe der strömung. daher ist es möglich dass sich die fische auch von ganz oben (zb murau) nach unten verbreiten bzw. wiederansiedeln. lg

gigngogn
 
00
2.11.2010, 10:37
Korrekt, aber dann würde das Argument gegen den Kraftwerksbau wegfallen

ahm
00
2.11.2010, 12:52

nur bedingt, denn va ohne verfügbare habitate (lebensräume) zum laichen, für fischlarven und jungfische gibt es auch keine wiederbesiedelung. alle diese habitate, und auch andere werden durch kraftwerke (kontinuumsunterberchungen, staue, veränderung des hydrologischen regimes, wassertemperatur etc.) zerstört. gwässergüteprobleme spielen heute zum glück nur lokal eine rolle.
eine wiederbesiedelung kann eben nur erfolgreich sein wenn ein weitgehend intakter lebensraum vorhanden ist.

Silvio Lackner
00
29.10.2010, 13:18

warum, es gibt auch eine zeit vor 1975

gigngogn
 
00
29.10.2010, 13:44
Ja, da war der Fluss genauso tot, seit der Nachkriegszeit bis ca 1975, stellenweise bis 1985, war die Mur von Bruck bis zur Grenze biologisch tot

Zusätzlich war durch den Kraftwerksbau an der Mur dieser Abschnitt vom Flußoberlauf seit 1908 (Kraftwerk Peggau) und vom Flußunterlauf seit 1964 (Kraftwerk Gralla) abgeschnitten, wodurch es auch keine Zuwanderung geben konnte.

Da, wie schon gesagt, der Fluß bis in die 1970er, teilweise bis in die 1980er, für Huchen unbewohnbar war, sind die jetzt in diesem Abschnitt vorkommenden Huchen wohl allesamt ausgesetzt worden.

Das man nun aus dem Vergleich der Murpopulation mit *einer* für den Aussatz bestimmten Population sagt das der Huchen in diesem Abschnitt autochthon sei ist zumindest naiv. Denn es gab mit Sicherheit mehrere Freisetzungen von Huchen in der Mur und davon müssen nicht alle bekannt sein.

Silvio Lackner
00
29.10.2010, 16:23
Jedenfalls gab es Huchen in der Mur, also gibt es autochthone Mur-Huchen.

Kann ja sein, dass inzwischen aus anderen Abschnitten (Oberlauf) sich wieder Huchen eingestellt haben (Fischtreppen). Autochthon bezieht sich mMn nicht auf einen (relativ kurzen) Flussabschnitt.

gigngogn
 
00
2.11.2010, 10:38

>Autochthon bezieht sich mMn nicht auf einen (relativ
>kurzen) Flussabschnitt.
Genau so wird es aber dargestellt und argumentiert.

Stahl_____666
01
29.10.2010, 11:23
.

Naja - für einen Fisch, der die 60er, 70er und 80er Jahre in der Mur überstanden hat sind die fünf Kraftwerke ein Lärcherlschas.

Strache, von tschechisch strach "Angst, Furcht"
02
29.10.2010, 10:57

Ach, ich hab da keine Angst, der naturliebe Energiekonzern will doch nur die Umwelt retten, wer so gute Absichten hat wird die schon durchbringen, egal wie. Wetten?

suboptimal
 
01
28.10.2010, 23:41
Strom aus Strombojen

Aqua Libre entwickelt derzeit zwei Baugrößen mit einem 150 cm bzw. 250 cm großem Rotor für mittlere (Inn, Salzach, Enns, MUR, Drau) bis große Flüsse (Rhein, Donau). In Österreich könnte mit der Strom-Boje eine Jahresleistung von 2 TWh erzielt werden.

Die Strom-Boje kann von Fischen in beiden Richtungen passiert werden. In einem zweiwöchigen Versuch wurde in einem großen, am Heck befestigten Netz kein einziger Fisch gefangen, es schwimmt daher keiner freiwillig durch den Rechen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Strom-Boje

http://www.aqualibre.at/index.php... =3&clang=0

WBR
01
29.10.2010, 07:55
Eine Frage der Menge

Es stimmt schon. Solche Anlagen können auf relativ schonende Weise Strom aus einem Fließgewässer liefern.
Aber natürlich nur den Bruchteil der Strommenge, die eine Staustufe liefern würde.
Weiter unten ist von "lächerlichen 16 MW" die Rede, die das Kraftwerk bringen soll.
Laut deinem Wiki zur Strom-Boje liefert ein Stück je nach Strömung 6,5 bis 30 kW. Grob gesagt, es wären etwa 1000 solcher Bojen für den selben Ertrag nötig.
Und entsprechend Platz im Fluss.
Das sollte man bei solchen auf den ersten Blick einfachen Lösungen im Auge behalten.

Enrico Dal Vero
21
28.10.2010, 22:18
Autochthone?? ich dachte eine "einheimische" Art wäre

leichter zu verstehen. Warum müssen alle damit angeben damit, dass sie "ausländisch" verstehen?
Sie glauben dadurch wichtiger zu sein als "die Anderen".

Silvio Lackner
00
29.10.2010, 13:21
Ich vermute:

Einheimisch ist inzwischen auch der Saibling oder die Regenbogenforelle. Aber nicht autochthon. Die Bachforelle ist autochthon (war schon vorm Saibling da, der ihr jetzt den Lebensraum streitig macht.) Was vor der Bachforelle war, weiß ich nicht.

ahm
00
29.10.2010, 14:11

welchen saibling meinen sie? bachsaibling oder seesaibling? einer nichtheimisch der andere schon.

Silvio Lackner
00
29.10.2010, 16:17

Bachsaibling.

Zinnmo
 
10
29.10.2010, 04:59

Einheimisch ist in diesem Zusammenhang der weitere Begriff. Autochthon bezieht sich auf den Einzelfall.

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