Schlafgewohnheiten einst und jetzt

28. Oktober 2010, 12:06
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Über Schlafgänger, Familienbetten und Mittagschlaf

Wien - "Willst du mit mir schlafen?" war nicht immer eine eindeutig zweideutige Frage. Wie wir heute schlummern, ist historisch gesehen relativ neu: Allein oder zu zweit, im eigenen Bett und nachts durchgehend haben unsere Vorfahren nur ganz selten geruht. Vielmehr pflegte man den Großteil der Menschheitsgeschichte über gemeinsam und über den Tag verteilt seine Nickerchen zu halten. Gästen die Übernachtung im Familienbett anzubieten oder die Schlafstätte stundenweise an "Bettgeher", auch "Schlafgänger" genannt, zu vermieten, war noch in jüngerer Vergangenheit gang und gäbe.

Heute wird es meist mit Müßiggang assoziiert, wenn man sich tagsüber "auf die faule Haut legt". Jedenfalls in unseren Breiten, in denen sich die mediterrane Siesta oder der asiatische "Power Nap" (Energieschlaf, Anm.) nie wirklich durchsetzen konnten, auch wenn dies beispielsweise im für seine Strebsamkeit bekannten Japan durchaus üblich und gesellschaftlich akzeptiert ist.

Wie, wo, wie lange und wann man schläft, besagt die jeweilige "Schlafkultur". Diese hängt von vielen Faktoren ab, auch heute noch: Neben den kulturellen haben etwa die gesellschaftlichen und klimatischen Rahmenbedingungen einen großen Einfluss.

Die Wissenschaft befasst sich nur am Rande mit der Thematik, soziologische Untersuchungen über die Lebensumstände beleuchten aber meist auch die Schlafgewohnheiten. Unterschiede gibt es viele: Unsere Betten, Decken und Polster, aber auch Schlafzimmer, Pyjamas und Wecker sind keineswegs globales Allgemeingut.

Solo oder im Duo

Im westlichen Kulturkreis zieht man sich in die eigenen vier Wände zurück und ruht meist solo oder im Duo. Die längste Zeit war es allerdings üblich, in der Gruppe zu schlummern. Dies hatte ursprünglich vor allem praktische Gründe: Man schützte und wärmte einander.

Geruht wird oft jederzeit, wenn körperliche Aktivitäten gerade nicht notwendig oder zu anstrengend sind. In einigen Kulturen - etwa im arabischen Raum - ist dies durchaus keine Privatangelegenheit, man macht sein Nickerchen ganz selbstverständlich in aller Öffentlichkeit unter freiem Himmel.

Andere Zeiten, andere Sitten: Mit der Änderung der Lebensumstände des modernen Menschen ging auch bei uns ein drastischer Wandel der Schlafmuster der Allgemeinheit einher. Zu den ausschlaggebenden sozialgeschichtlichen Meilensteinen zählen die Industrialisierung, die Entstehung der bürgerlichen Kernfamilie und der Wandel der Wohnverhältnisse.

Bis zur Erfindung des elektrischen Lichts richtete sich die Schlafkultur in erster Linie nach den naturgegebenen Umständen: Geruht wurde, wenn die Sonne unterging und wenn gerade nicht gearbeitet wurde oder werden konnte. Durchgeschlafen wurde nachts nur selten. Man musste nach dem Feuer oder dem Vieh sehen oder den Nachttopf leeren.

Wie lange der moderne Mensch schlafen sollte, ist weiterhin wissenschaftlich umstritten. Fest steht nur, dass das durchschnittliche Schlafbedürfnis zwischen vier und zwölf Stunden liegt und vermutlich genetisch beeinflusst ist. (APA)

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