Selbstmedikation

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Regina Philipp, 28. Oktober 2010, 13:57
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    foto: apa/mark lennihan

    Kleine Unpässlichkeiten, wie Kopfweh, Erkältungen oder Magen-Darmstörungen werden immer häufiger mit so genannten OTC (over the counter) -Präparaten in Eigenregie therapiert.

Auch ein Rezept ist kein Garant für die vorschriftsmäßige Einnahme von Medikamenten - Der Pharmakologe Markus Müller plädiert für eine Liberalisierung des OTC-Marktes

Kosten sparend oder gefährlich? Beim Thema Selbstmedikation sind in Österreich die Fronten verhärtet. Während der Präsident der österreichische Apothekerkammer Friedemann Bachleitner-Hofmann zuletzt für eine „kontrollierte" Selbstmedikation zu Gunsten der öffentlichen Krankenkassen plädierte, zweifelte der Salzkammer Ärztekammerpräsident Karl Forstner die fachliche Kompetenz der Apotheker für medizinische Beurteilungen an.

„Der paternalistische Ansatz, dass ausschließlich der Arzt dem Patienten sagt, was für ihn gut ist, ist überholt", betont Markus Müller, Vorstand der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien und die Ergebnisse aktueller Umfragen geben ihm recht. Eine von der IGEPHA (Interessensgemeinschaft österreichischer Heilmittelhersteller und Depositeure) in Auftrag gegebene Marktforschung, welche die ökonomischen und gesellschaftspolitischen Aspekte der Selbstmedikation im österreichischen Gesundheitswesen untersuchte, offenbart, dass ein Großteil der Bevölkerung durchaus bereit ist Eigenverantwortung zu übernehmen. Selbstmedikation ist nicht zuletzt deshalb auch in Österreich nicht mehr weg zu denken. Kleine Unpässlichkeiten, wie Kopfweh, Erkältungen oder Magen-Darmstörungen werden immer häufiger mit so genannten OTC (over the counter) -Präparaten in Eigenregie therapiert, auf die Konsultation eines Arztes wird dabei verzichtet.

Ein Trend der parallel zum steigenden Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung läuft, in Österreich jedoch relativ schnell an seine Grenzen stößt. Die Vermarktung von OTC-Präparaten ist hierzulande nämlich streng reguliert und der Marktanteil von 7,5% am gesamten Pharmamarkt im internationalen Vergleich äußerst niedrig. Seit Jahren diskutieren Standesvertretungen über das Kosten-Nutzen-Risiko der Selbstmedikation, eine Liberalisierung wurde von der Europäischen Kommission noch nicht in Angriff genommen.

Mit einem Rezept alleine ist es nicht getan

Vorweg: Die Selbstmedikation betrifft eigentlich nicht nur nicht-rezeptpflichtige Medikamente. Vielmehr handelt es sich dabei definitionsgemäß um Arzneimittelanwendungen, die nicht nur auf einem ärztlichen Rat sondern eben auf Eigeninitiative beruhen. „Mit einem Rezept alleine ist es nicht getan", weiß Müller und ergänzt, dass auch die strenge österreichische Rezeptpflicht nicht verhindern kann, dass Patienten an rezeptpflichtige Medikamente herankommen. Zum einen dürfen - was viele Konsumenten nicht wissen - Apotheker diese im Notfall auch aushändigen und zum anderen hat das Internet einen oft problematischen Zugang zu Arzneimitteln eröffnet. Dazu kommt, dass sich in vielen Haushalten umfangreiche Medikamentendepots finden, die auch rezeptpflichtige Arzneimittel vergangener Verschreibungen beinhalten und im Bedarfsfall auch mal ohne ärztliche Anweisungen wieder verwendet werden.

Generell ist es mit der Compliance vieler Menschen nicht allzu weit her. Konkret nehmen über 40% aller österreichischen Patienten von Ärzten verschriebene Medikamente nicht vorschriftsmäßig ein. In diesem Zusammenhang sei auch der Ausdruck Polypragmasie erwähnt. Er beschreibt die kombinierte unkoordinierte Einnahme vieler verschiedener Medikamente. Da häufig weder Ärzte noch Apotheker über alle Arzneimittel ihrer Patienten informiert sind, bergen Wechsel- und Nebenwirkungen hier ein beträchtliches gesundheitliches Risiko für die Betroffenen. Mit dem „Arzneimittelsicherheitsgurt" und der nachfolgenden E-Medikation ist man seit mehr als acht Jahren bemüht eine probate Lösung für dieses Problem zu finden. Auf Wunsch des Patienten werden dabei Auffälligkeiten hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen festgestellt - rezeptfreie Medikamente inklusive.

Mündige Konsumenten

In Hinblick darauf, was die unsachgemäße oder nicht erfolgende Einnahme rezeptpflichtiger Medikamenten für Gefahren mit sich bringt, verliert die Angst, die sich hinter der Selbstmedikation mit nicht-rezeptpflichtigen Arzneimitteln verbirgt, etwas an Gewicht. Natürlich, auch hinter einer Unpässlichkeit kann sich einmal eine ernsthafte Erkrankung verbergen. „Es ist Praxisalltag, dass Ärzte Patienten auch ohne detaillierte Diagnostik rein symptomatisch, beispielsweise mit Schmerzmitteln behandeln", betrachtet Müller das Problem ganz nüchtern.

Dass sowohl Ärzte als auch Apotheker die Kompetenzen besitzen mit Medikamenten umzugehen steht dabei für ihn außer Frage. Fakt ist jedoch: Das Problem Medikation, wie Selbstmedikation bleibt so oder so letztendlich immer beim Patienten. Müller setzt großes Vertrauen in die Mündigkeit der Konsumenten und plädiert deshalb für einen liberaleren Umgang mit OTC-Arzneimitteln. (derStandard.at, 28.10.2010)

Mahlstrom ins Nichts
00
11.1.2011, 22:33

so lange mir Apotheker zu meinem Voltaren-Gel einen "Magenschutz" mitgeben wollen, so lange sollten wir bei der Rezeptpflicht äußerst restriktiv vorgehen.

als Mediziner habe ich nur grlacht und mir meinen Teil dazu gedacht.

astemp79
12
31.10.2010, 10:30
Medikation ist Medikation

- egal ob selbst oder nicht.
Es wird viel zu viel verschrieben und viel zu viel selbst gekauft.

Gewollt von Pharmalobby und Apotheke wird Abhängigkeit von Medikamenten, das "chronische Kranksein" - und dazu ist jedes Mittel recht. Ja, am besten auch noch Verkauf von Medikamenten in der Drogerie.

Umgekehrt sollte es sein: der Mensch sollte zum Gesund-Sein erzogen werden. Dazu, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und nicht in die Hand von Arzt oder Apotheker zu geben.

Es sollte endlich Schluss sein mit der Bevormundung durch die Pharmalobby, die Menschen durch Verschiebung von Werten (Cholesterin etc.) chronisch krank macht und Pandemien erfindet, um mit Impfungen Geld zu scheffeln.

Lux Perpetua
10
30.10.2010, 19:02
Wie hat die Pharmalobby den Mann geködert?

Ist er eher der Geld- oder doch der Puff-Typ?

sixela
24
29.10.2010, 16:16
Würde man OTC Medikamente

...endlich auch in normalen Drogerien oder auch im Supermarkt kaufen können, wie in vielen anderen Ländern auch, würde das um einiges mehr zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des Kunden beitragen. Vor allem würden dann endlich marktgerechte Preise statt der sprichwörtlichen "Apotheke"-Preise zu zahlen sein.

iohui
12
29.10.2010, 01:46
die einen

verbieten uns glühbirnen und denken über ernährungsampeln und die beschränkung vom salz im brot nach
während sie genmanipuliertes saatgut genehmigen und uns zur verwendung von quecksilberhältigen sparlampen mit gesundheitsschädlichem licht nötigen und generell in richtung minderwertigster billigstprodukte lenken

und die anderen wollen unbeschränkten zugang zu medikamenten.

aber ah so, ja, klar, es geht ja eigentlich nur ums geld. einen anderen sinn und politischen auftrag gibt es nicht. deswegen passt das schon so...

immer noch Praktikant
00
28.10.2010, 20:53
Klar gestellt

auf wessen Seite der Herr steht.

Marketing-Studie der Medilkamentenhersteller als Beweis nehmen, um anderen Paternalismus vorwerfen zu können. Sehr dreist.

muppetbasher
02
28.10.2010, 18:44
Ja, lassen sie uns wieder einmal über die Einnahme

rezeptfreier Medikamente diskutieren.
Die Wahrheit ist, dass anders als in anderen EU-Ländern oder USA, einfache Medikamente immer noch nur in Apotheken verkauft werden und das viel zu teuer!
Die Pharmalobby erzählt uns, dass wir unmündig sind!

franz s.
01
28.10.2010, 15:44
da wird aber eifrig Stimmung gemacht!

Apotheker wollen offensichtlich mehr vom Kuchen!

agent provokateur
02
28.10.2010, 14:27

ist das jetzt eine werbeoffensive? der dritte artikel über selbstmedikation innerhalb von 1-2 monaten.

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