Bildungsprotest im Doku-Format

28. Oktober 2010, 11:43
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Die Dokumentation über die Bildungsproteste im vergangenen Herbst rollt die Ereignisse von damals noch einmal auf

Es war der Ausgangspunkt einer Welle von Bildungsprotesten in Österreich und später in mehreren Ländern Europas. Am 22. Oktober 2009 wurde das Auditorium Maximum der Universität Wien besetzt. Bilder von tausenden Studierenden, die im größten Hörsaal Österreichs über Bildung diskutieren und Parties feiern, füllten die Medien.

Im besetzten Audimax in Wien hatte „das Plenum" bereits am Beginn der Besetzung beschlossen eine „AG Doku" zu gründen, deren Ziel es war, die Ereignisse mit Videokameras zu dokumentieren und später zu einem Film zu verarbeiten. 900 Stunden Material wurden nun gemeinsam mit der Produktionsfirma „coop 99" zu einer achtzig Minuten langen Dokumentation verarbeitet.

Twitter-Meldungen auf der Kinoleinwand

Chronologisch werden dabei die Ereignisse des vergangenen Herbstes noch einmal aufgerollt. Auch der großen Rolle von Facebook und Twitter während der Proteste wird Aufmerksamkeit gezollt - während des Films ploppen immer wieder kommentierende Twitter-Meldungen zu den Ereignissen von damals auf. Auch Berichte in den herkömmlichen österreichischen Medien zur Audimax-Bewegung werden eingeblendet.

Der Zuschauer geht außerdem mit der „AG Doku" auf Bildungsreise in verschiedene Städte Europas. „Es ist fast so aufregend wie 68", sagt etwa ein Student bei einem Vernetzungstreffen von Studierenden in London. In Paris wird über den Bologna-Prozess diskutiert, in Brüssel wurden EU-Politikerinnen der Grünen und der CSU aus Deutschland interviewt. Der Film macht dem Zuseher klar, wie weitreichend die Bildungsproteste vor einem Jahr tatsächlich waren.

"Ich kann nicht mehr"

Die schwierigen Zeiten im Audimax werden nicht ausgeblendet. Es werden auch Einblicke in die Zeit gewährt, als vor allem Obdachlose im Audimax lebten. „Ich kann nicht mehr", sagt eine Besetzerin. Sie fragt, ob man die Obdachlosen nicht bitten könnte, das Audimax zu verlassen. Im Plenum wird zudem vorgeschlagen, die Besetzung mit einem „lauten Knall", etwa mit einer Party, zu beenden. Die endgültige Räumung des Audimax war wohl eine logische Folge. 

„unibrennt - Bildungsprotest 2.0" gibt vor allem einen guten Überblick über die Protestbewegung. Die langwierigen Diskussionen über den Forderungskatalog der Besetzer werden allerdings gar nicht gezeigt. Das Bild, das vermittelt wird, ist ein sehr subjektives, einen Anspruch der Objektivität hatte der Film aber wohl nie. Die Dokumentation erfüllt ihren Zweck - wer nicht dabei war, erfährt was passiert ist. Die Euphorie, welche die Audimaxisten vor allem Antrieb, wird nur bedingt vermittelt. (Lisa Aigner, derStandard.at, 28.10.2010)

  • Premiere feierte der unibrennt-Film im Village-Kino in Wien.
    foto: derstandard.at/aigner

    Premiere feierte der unibrennt-Film im Village-Kino in Wien.

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