Drogenbericht

Suchtgift-Konsumenten steigen wieder aus

28. Oktober 2010, 08:37

Konsumausstiegsrate ist bei illegalen Substanzen höher als bei Alkohol und Nikotin

Wien - Der Konsum von illegalen Suchtgiften ist in Österreich zum überwiegenden Teil ein "Lebensabschnittsproblem". Weit mehr Konsumenten von "Haschisch & Co." steigen wieder aus als Nikotin- und Alkohol-Benutzer. Die für Betroffene und - wegen der Begrenzung der Drogenkriminalität - für die Gesellschaft positive Opiat-Ersatztherapie ist in einigen Bundesländern Österreichs gefährdet. Im Jahr 2009 starben 187 Personen im engen Zusammenhang mit illegalen Drogen. Das sind die Hauptaussagen des "Berichts zur Drogensituation 2010" des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen.

Unbestritten: Auch die Österreicher haben einen "Hang" zu illegalen Drogen. "Konsumerfahrungen mit illegalen Drogen (Lebenszeitprävalenz - jemals benutzt, Anm.) finden sich in Österreich am häufigsten bezüglich Cannabis mit Prävalenzraten von etwa 30 bis 40 Prozent bei jungen Erwachsenen", heißt es in dem Report. Dagegen fallen Ecstasy, Kokain und Amphetamine mit zwei bis vier Prozent bereits deutlich ab. Ein bis maximal zwei Prozent der Menschen haben Erfahrung mit Heroin oder anderen Opiaten. Neue Daten insgesamt gibt es nicht.

"Lebensabschnittsproblem"

Die Sache ist zum überwiegendsten Teil ein "Lebensabschnittsproblem". Während junge Erwachsene (20 bis 24 Jahre) derzeit die höchsten Raten an Erfahrungen mit illegalen Drogen (26 Prozent bei Cannabis) haben, sind es bei den 60- bis 69-Jährigen nur noch vier Prozent.

Hinzu kommt, dass jene Menschen, welche illegale Substanzen benutzen, oft auch damit wieder aufhören. Die Autoren: "Die Konsumausstiegsrate ist bei allen illegalen Substanzen erheblich höher als bei Alkohol (zehn Prozent) und Nikotin (38 Prozent) und liegt - auch für Cannabis bei rund 80 Prozent (Ausnahmen: LSD, biogene Drogen mit jeweils rund 90 Prozent und Kokain mit rund 60 Prozent). Dies belegt, dass der Konsum illegaler Substanzen im Lebenslauf der meisten Personen ein zeitlich - meist auf Jugend und Erwachsenenalter - begrenztes, vorübergehendes Phänomen ist."

Berücksichtigt man, dass die Zahl der Menschen mit problematischem Opiatkonsum (i.v.-Drogenkonsum, zumeist Mischkonsum) bei geschätzten 25.000 bis 37.000 Personen liegt, stellen sich die Raucher und jene der Alkoholabhängigen - fünf Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren und somit rund 350.000 Menschen - als ein wesentlich größeres Problem dar. 12.500 bis 18.500 Menschen injizieren (vorwiegend) Opiate. Das ist wohl die gefährlichste Art der Benutzung von Drogen.

187 Drogentote

Im vergangenen Jahr gab es in Österreich laut Obduktionsbefunden 187 direkt mit Suchtgiftkonsum in Verbindung stehende Todesopfer. Im Jahr 2008 waren es 169, im Jahr zuvor 175 und im Jahr 2006 schließlich 197 gewesen. Doch - so die Autoren des Reports -, die Zahl muss als zunehmend ungenau betrachtet werden, weil die Obduktionsraten in Österreich laufend fallen und selbst in Verdachtsfällen nicht mehr immer die eigentliche Todesursache festgestellt wird. (APA)

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22 Postings
Nr.3645
01
19.12.2010, 19:02
gut zu wissen, säufer und kettenraucher sind offensichtlich größere probleme...

sollte eigentlich eh fast jedem klar gewesen sein.

allein die unterscheidung in "suchtgift" und legale drogen (o.ä.) spricht bereits bände.

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
01
2.12.2010, 14:55

die haben wohl noch nie richtig gutes kraut geraucht, nur gestreckten dreck vom dealer oder stoniges zeug, das einen nur auf die couch drückt...

Mr8ball
 
05
29.10.2010, 09:55
wiedersprüchliches

es ist kein geheimnis das cannabis unter die illeglalen drogen fällt. aber es so zu verteufeln ist ebenso falsch. noch dazu wo bekannt ist das alkohol und tabak eine schlimmeres suchtpotenzial aufweist als cannabis. es wird von der regierung noch nicht einmal in erwägung gezogen das cannabis für die medizin legalisiert wird, obwohl bekannt ist das es für krebs-, aids- oder ms-patienten eine alternative wäre, da es weniger nebenwirkungen hat als sämtliche pharma-präparate.

FranzKpunkt
04
28.10.2010, 17:17

Jede Gesellschaft braucht Drogen. Die Menschen sind nicht immer die netten sauberen Mitmenschen die man in der Bim sieht. Die meisten hassen fürchten lieben nehmen Drogen, betrügen haben vorehelichen nachehelischen und zwischenzeitlichen Sex mit wechselnden Partner. Sie verlassen geliebte Menschen, scheren sich nicht wenn es anderen zum Sterben dreckig geht usw usf. Politik muss danach gerichtet werden und nicht nach diesem positiven christlichen Menschenbild, das immer pure Selbstbelügung war.

santa fe
 
04
28.10.2010, 16:25

es ist eine leider eine tief mittelalterliche tatsache, dass pseudoreligiöser politischer aberglaube darüber entscheidet, welche drogen gefährlich sind und verboten zu werden haben und welche nicht.

diese tatsache charakterisiert den zustand der demokratie, die sich zurückentwickelt, weil sie nicht weiternetwickelt wird. denn dies ist das gesetz der demokratie: prozessualität oder regression in den feudalismus der privilegierten mit ihren machtinteressen, die sich heute turbokapitalistisch nennen.

seit der entkriminalisierung der drogen in unserem unmittelbaren nachbarland, der tschechischen republik, ist von keinem massensterben oder gesellschaftlichem chaos berichtet worden. unsere drogenpolitik fordert mehr opfer als die drogen.

Frei_Denker
41
28.10.2010, 11:57
Korrelationen

- Menschen die von drogen eine "bewusstseinserweiterung" erwarten bzw. euphorisierende substanzen konsumieren - lassen es bestenfalls spätestens wenn der gewünschte zustand (auch aufgrund von toleranz) nicht mehr erreicht wird (THC, LSD...)

- dann gibts noch betäubungsmittel - (alk, tranquillizer aller art usw...) die das gehirn "ausbremsen" bzw. das bewusstsein od. wahrnehmung eher einschränken und durch dosiserhöhung der betäubungseffekt erhalten bleibt.

Letztlich sind dominierende "gesellschaftsdrogen" immer auch abbild des zeitgeists.

...warum menschen allerdings immer wieder aus der gesellschaft auszusteigen versuchen, oder aus der realität flüchten wollen; bleibt auch weiterhin unbeantwortet...

trollvottel
04
28.10.2010, 16:09

Sich gelegentlich zuzudröhnen, anzusaufen, ekstatisch auszuzucken usw ist ein normales menschliches Verhalten. Statt bekifft um ein Lagerfeuer zu hüpfen, hauen wir uns halt Upper und Downer zugleich rein (Wodka-Redbull zB) und gehen Disco... Konsum ist normal.

... Konsum mit dem Ziel, der Realität möglichst endgültig zu entkommen, ist aber nciht normal, sondern meist die Folge einer geprügelten, gef**kten, rohen, kontaktarmen Unterschichtjugend -- Heroin ist eine Hacklerdroge, ein deutliches Unterschichtphänomen, und die meisten die damit anfangen haben schwerste Traumata hinter sich. Das ist dann nimmer normal, sondern vorsätzlicher, gewollter Selbstmord auf Raten :/

Dan Scratch
05
28.10.2010, 14:15

Ja, warum z. b. ein Jugendlicher aus zerrütteten Verhältnissen ohne Zukunftsperspektiven (abgesehen von der Aussicht auf ein Leben als schlecht bezahlter Lohnsklave) aus der Realität flüchten möchte, wird ewig ein Rätsel bleiben.

Eine Kreatur
02
28.10.2010, 15:22
menschen bevorzugen in der regel den "einfachsten weg"

und der einfachste weg glücklich zu werden ist meist mit zugeführten drogen ..

Frei_Denker
01
28.10.2010, 14:46

nein - das rätsel ist warum wir für "eh allles" eine erklärung haben - aber keine lösungen - deshalb lieber wieder auf staatlich legale drogen (alk, pharma...) setzen, damit die betäubten weiterhin der tristesse des daseins entfliehen anstatt sich an lösungen zu machen ?

Dan Scratch
00
28.10.2010, 14:57

"Lösungen" gibt es für derartige Problematiken nur theoretisch. Das ist allerdings jemandem, der sowas nicht aus eigener Erfahrung kennt, kaum vermittelbar.

Ist ungefähr so wie die erste Liebe oder der Tod der Mutter, wie wollen Sie sowas jemandem begreiflich machen, der das nicht selbst erlebt hat?

Frei_Denker
00
28.10.2010, 15:47

...sie sollten sich einmal mit phänomenen wie "wohlstandsalkoholismus", oder kokainmissbrauch näher beschäftigen.

...nicht jeder Junk kommt aus "zerütteten" verhältnissen - die abgestiegenen dieser gruppe sind nur sichtbar - kokser z.b: müssen sich ihre droge erst einmal leisten können...

Dan Scratch
06
28.10.2010, 16:43
Geh bitte.

Drogenmissbrauch in "besseren Kreisen" ist ein ganz anderes Paar Schuhe und zeigt eigentlich nur die Verlogenheit der Drogenpolitik:

Tatsächlich wären auch Junkies durchaus in der Lage, einer geregelten Beschäftigung nachzugehen, wenn das Zeug nicht so teuer wäre, womit wir dann bei der Beschaffungskriminalität wären.
Ein Argument für Legalisierung von weichen Drogen und kontrollierte Abgabe von harten Drogen durch einen Arzt - und schon wäre das "Karlsplatz-Problem" gelöst.
Dummerweise hat da aber die Kronen-Zeitung was dagegen und somit trauen sich Politiker nicht, dieses Thema anzusprechen.
Der letzte, der das gemacht hat, war Kurt Steyrer (BM für Gesundheit und Umweltschutz) und der wurde vom Kleinformat entsprechend dafür bestraft.

Al Trux
01
28.10.2010, 11:07
Terror in vivo.

Es gibt renommierte österreichische Speziologen samt halbakademischer Anhängerschaften, die vertreten eine gegenteilige Meinung: Dass Suchtkrankheiten - lebenslänglich - in bestimmten Persönlichkeiten schlummerten und ein "Suchtmechanismus" mit "Domino-Effekt" durch Erhöhung des Leidensdruckes früher oder später reaktivierbar wären. Entsprechende Experimente werden in Österreich durchgeführt.

Dr. Heloise Silberberg
00
31.10.2010, 14:39

Ganz Österreich ist das Experiment. Mindestens...

Zinnmo
 
06
28.10.2010, 09:51
Was käme bei Legalisierung?

Ich glaube, dass bei einer Legalisierung von Cannabis ein paar Leute mehr als Gelegenheitskonsumenten erhalten blieben. Man tut sich die Beschaffung einfach nicht mehr an. Wenn ich denn Joint in der Trafik bekäme, würde ich mir wohl 1-2 Mal im Jahr einen gönnen. Ich mach Ähnliches bei Zigarren (nomalerweise rauch ich nicht) So lass ich es.

Ich finde das aber keineswegs schlecht. Dass die meisten aussteigen, zeigt ja klar, dass Cannabis NICHT stärker süchtig macht als Alkohol.

Herr Fasching
00
28.10.2010, 16:34

Jeden Abend, junger Freund, halte ich für realistischer. Süchtig wohl nicht, aber doch eine Gewohnheit mit Abgehungserscheinungen wie Gereiztheit, Aggressionen und leichter Paranoia, wie sie auch am Morgen nach regelmäßigen Konsum regelmäßig vorkommt. Auch das Aussteigen kann sich über Jahre hinziehen, was zur Folge haben mag, daß man für ein paar Balkonpflanzerln (noch einmal) mit dem Gesetz in Konflikt gerät.

8uddh48r0t
01
28.10.2010, 12:32

in den Niederlanden, wos ja praktisch legal ist, ist der Probierkonsum schon höher aber dafür gibt es dort deutlich weniger Langzeitkonsumenten als in anderen Ländern

Kapitalismus Luege
12
28.10.2010, 10:34

oder sie steigen auf haertere Drogen um und scheinen daher in der Statistik der 69 jaehrigen nicht mehr auf.

Zinnmo
 
04
28.10.2010, 11:05

Ich kenne jede Menge ehemaliger Kiffer, genauso wie ich jede Menge Leute kenne, die zwischen 17-25 sehr viel Alkohol konsumierten. Die meisten haben damit aufgehört, der eine oder anderen wurde zum schweren Alkoholiker bzw. Pothead. Das sind aber absolute Ausnamen. Kein einziger ist auf härterem Zeug gelandet.

Eine Kreatur
00
28.10.2010, 15:24
ich nehme an ..

da spielt das umfeld auch eine sehr große rolle ..

es kann auch ganze cliquen geben, die in harte drogen reinkippen und viele davon nicht mehr loskommen ..

Pareidolic
04
28.10.2010, 09:43
Ein Bericht

der illegale Drogen in eine Kategorie gibt und legale in eine andere, damit Cannabis in die selbe Kategorie wirft wie Heroin, und dann allgemeine Aussagen über diese Kategorie "illegale Drogen" tätigt, der scheint mir nicht sehr zielführend zu sein.

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