Das Apple-Netbook, das kein Netbook ist

27. Oktober 2010, 18:09
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Ein Blick auf das Macbook Air

Apple-Chef Steve Jobs ist ein deklarierter Netbook-Hasser. Es sind "nur billige Laptops", schimpfte er zu Jahresbeginn bei der iPad-Vorstellung. Eine Tastatur, mit der sich die Finger verkrampfen, ein Bildschirm, der zu klein sei, zu wenig Leistung, um ordentlich arbeiten zu können.

Kehrtwendung

Man könnte glauben, Jobs habe mit dem vergangene Woche vorgestellten kleinen Macbook Air eine Kehrtwendung gemacht: Groß wie ein A4-Blatt, 1, 7 Zentimeter, die sich keilförmig auf drei Millimeter verdünnen, ein Kilo leicht. Das Volumen des Air unterbietet die dickere Netbook-Konkurrenz, die Tastatur ist größer, so groß wie "normale" Notebook-Tastaturen auf anderen Macbooks oder z. B. einem 15-Zoll-Lenovo.

Apples hat mit der 11,6-Zoll-Variante seines vor zweieinhalb Jahren vorgestellten Macbook Air den logischen Schritt zu einem kleineren Format gemacht, für das es offenbar Nachfrage gibt. Und es versuchte dabei Jobs Ansprüche zu wahren. Tatsächlich lässt sich auf dem Gerät ohne wesentliche Abstriche so arbeiten, wie man es auf Notebooks gewohnt ist: gleiches Tastaturfeeling und ein Display mit höherer Auflösung als beim 13-Zoll-Macbook (1366 x 768 versus 1280 x 800 Pixel) - somit bietet es sogar eine etwas größere Arbeitsfläche.

Langsam, aber ...

Abstriche macht das Air Mini aufgrund der kompakten Bauweise bei der Leistung, der Intel-Doppelkernprozessor ist langsamer getaktet als reguläre Notebooks oder die größere Air-Version. Dennoch ist er Netbooks mit Intel-Atom-Prozessoren deutlich überlegen: Arbeiten mit Fotos, Adobe Photoshop, einfacher Videoschnitt oder die aktuelle Produktion dieser Standard-Seite laufen flüssig.

Ein Teil der schwächeren Prozessorleistung wird durch die Verwendung elektronischer Flash-Speicher (64 oder 128 Gigabyte) statt der Festplatte ausgeglichen, was Zugriffe auf Dateien beschleunigt. Ein optisches DVD-CD-Laufwerk muss jedoch extern angeschlossen werden.

Ab 999 Euro

Eine relative Verkleinerung bietet Apple beim Preis, ab 999 Euro um rund 500 Euro billiger als die erste Version des Air. Im Vergleich zu den meisten Netbooks ist dies ein stattlicher Preis; aber auch hier geht der Trend zu besserer Ausstattung und höheren Preisen. Sony liefert mit dem Vaio X ein vergleichbares "Subnotebook", das rund 1400 Euro kostet.

Was fehlt

Was weiterhin fehlt, ist ein 3G-Modem für mobilen Internetzugang, der über Wi-Fi erfolgt (oder Ethernet, wofür ein USB-Adapter nötig ist). Dafür hat sich Apple erbarmt, einen zweiten USB-Anschluss einzubauen und, bei den größeren Airs, einen Slot für SD-Speicherkarten von Kameras - nicht aber beim 11-Zoll-Gerät. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 28, Oktober 2010)

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