Exklusiv: Daten im Detail

Auch 200 Bundes-Schweine machen Mist

Johanna Ruzicka und Günther Oswald , 27. Oktober 2010, 20:02
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    Zerzauster Bundesadler: Damit die Staatsfinanzen wieder ins Lot kommen, muss kräftig gespart werden.

  • Wo die Regierung Milliarden einsparen will

    Zum Verständnis des Papiers

    - Angaben sind in Millionen Euro
    - Einsparungen beziehen sich auf den Budgetfahrplan 2011 - 2014
    - "UG plus Nummer" bezieht sich auf das jeweilige Budgetkapitel:

    UG 10 - BKA
    UG 11 - Inneres
    UG 12 - Äußeres
    UG 13 - Justiz
    UG 14 - Militärische Angelegenheiten und Sport
    UG 15 - Finanzverwaltung
    UG 16 - Öffentliche Abgaben
    UG 20 - Arbeit
    UG 21 - Soziales und Konsumentenschutz
    UG 22 - Sozialversicherung
    UG 23 - Pensionen
    UG 24 - Gesundheit
    UG 25 - Familie und Jugend
    UG 30 - Unterricht
    UG 31 - Wissenschaft und Forschung
    UG 33 - Wirtschaft (Forschung)
    UG 34 - Verkehr, Innovation und Technologie (Forschung)
    UG 40 - Wirtschaft
    UG 41 - Verkehr, Innovation und Technologie
    UG 42 - Land-, Forst- und Wasserwirtschaft
    UG 43 - Umwelt
    UG 45 - Bundesvermögen
    UG 46 - Finanzmarktstabilität
    UG 51 - Kassenverwaltung

    Mit der Umsetzung der Einsparungen sind betraut entweder

    - MRV Ministerratsvorlage
    - BBG Budgetbegleitgesetz
    - RM Ressortminister

    "vwl, lei, för, son" sind Ausgabenkategorien

Kürzungen bei den Staatsausgaben: In Loipersdorf wurden Maßnahmenpakete akkordiert, mit denen die Ministerien die maroden Staatsfinanzen sanieren wollen - Vieles davon war bisher nicht bekannt

Bei der Klausur in Loipersdorf wurden die Maßnahmenpakete akkordiert, mit denen die Ministerien ausgabenseitig die maroden Staatsfinanzen sanieren wollen. Vieles davon war bisher nicht bekannt. Ein Überblick.

***

Schön langsam werden die Details zu den ausgabenseitigen Sparvorhaben bekannt, mit denen das Defizit schrittweise von derzeit 4,5 Prozent auf Maastricht-konforme 2,2 Prozent im Jahr 2014 gesenkt werden soll. In einem zwölfseitigen Papier, das auf der Regierungsklausur in Loipersdorf am Wochenende akkordiert wurde und das dem STANDARD vorliegt, haben die einzelnen Ministerien plus Bundeskanzleramt festgelegt, wo sie überall den Sparstift ansetzen wollen.

Neben bereits bekannten großen Einsparposten bei Familien und Studenten finden sich in dem Papier viele weitere, bisher unbekannte Belastungen und Streichungen. Allerdings sind diese häufig skurriler Art, sodass doch auch die Hoffnung genährt wird, das Sparpaket führe gleichzeitig zu einer Verschlankung des überbordenen Beamtenstaates.

Beispiele aus dem Justizressort: Das Ministerium will seine Außenstelle Meidling samt 200 Schweinen verkaufen. Diese Außenstelle zur Justizanstalt Stein wurde bisher von Häftlingen bewirtschaftet, die dort sozusagen ihr eigene Nahrung heranzogen. Einen weiteren Einsparposten fand Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (VP) bei den Honorarnoten für selbstständig Versicherte und Dolmetscher. Diese werden künftig abgerundet - was zu einer geringfügigen Einsparung von 100.000 Euro im Jahr führen wird. Außerdem will das Ministerium "Schriftsätze mit Beschimpfungen" künftig erst gar nicht mehr behandeln - dies führt zu einer Einsparung von 100.000 Euro bis 2014.

Weniger glimpflich schaut es rund um die Gebühren für Grundbuch- und Firmenauszüge aus. Die Gebühren dazu werden empfindlich angehoben, sodass alleine aus dem Titel Grundbuch mehrere Millionen Euro mehr in die Kassen gespült werden. Auch Firmenbuchabfragen werden teurer. Und wenn ein Rechtsanwalt künftig den elektronischen Rechtsverkehr verweigert, wird eine noch nicht näher benannte Strafgebühr eingehoben, geht aus den Budgetplänen hervor.

Zusätzlich zu den bereits bekanntgewordenen Belastungen rund um Schule und Unis kommt es zu weiteren Belastungen: Nichts wird es mit einem eigenen Fach "Ethikunterricht" sowie dem Vorhaben, die Zahl der Klassenwiederholungen von Schülern zu reduzieren. Das Sozialressort spart 2012 bei Behindertenprojekten 20 Mio. Euro ein.

Ein bisschen gespart wird freilich auch bei der Politik: Die Parteien- und Parteiakademieförderung wird 2011 um eine Million Euro reduziert. Die jährlichen Erhöhungen werden ausgesetzt. 2013 sollen auch bei der Rückerstattung von Wahlwerbungskosten zwei Millionen gespart werden. Deutlich effizienter wird der Asylgerichtshof arbeiten müssen. Ab 2013 bekommt er drei Millionen Euro weniger. Das Personal wird um 25 Prozent gekürzt, ein Standort in Wien wird geschlossen. Im Innenministerium heißt es, bis dahin werde der Rucksack an Altfällen weitgehend abgebaut sein. Bei der Grundversorgung von Flüchtlingen mit negativem Asylbescheid werden nächstes Jahr 1,5 Mio. gespart, bis 2014 steigt der Betrag auf drei Millionen an. Das sei möglich, weil die Abschiebepraxis effizienter werde, heißt es.

In Loipersdorf wurde auch darüber konferiert, wie die Länder stärker ins Budgetsanierungs-Boot geholt werden können. Demnach sollen ab nächstem Jahr Arbeitsgruppen zwischen den zuständigen Bundesländern und Ministerien eingerichtet werden. Themenbereiche, bei denen es zu Verwaltungsvereinfachungen zwischen Bund und Länder kommen soll: Abfallwirtschaft, Gebührenwesen, Gesundheit, Zivildienst, Gewerberecht und Wasserrecht. (Johanna Ruzicka, Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.10.2010)

Kommentar posten
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hans friedrich 2
00
29.10.2010, 06:38
halloween steht vor der tür

und damit die alt bekannten monster: das einigungsgespenst, das paketaufschnürmonster, die härtefall-auffangfee, der abfederungsmassnahmen-faun und der deckelungsklabautermann.

man stelle sich das wiener wahlergebnis vor, wenn die grauslichkeiten schon vorher diskutiert worden wären.

Alf von Melmak
 
00
29.10.2010, 04:07
Auch 200 Bundes-Schweine machen Mist

'
Könnte man die bitte hier namentlich nennen...

Aktive Arbeitslose
02
28.10.2010, 23:35
Verfassungswidrig

Tolles Justizressort, das "Schriftsätze mit Beschimpfungen" einfach nicht mehr behandeln will. So lassen sich einfach alle unbequemen Eingaben ignorieren und der Rechtsstaat ist ausgehebelt.

Womit sich wieder zeigt, wie wenig SPÖ und ÖVP von Demokratie und Menschenrechten halten und dass diese Parteien am liebsten diktatorisch regieren möchten.

Metternich scheint das grosse Vorbild zu sein ...

system1
00
9.11.2010, 12:31
ich finds positiv, kann man doch in zukunft

ungeniert jeden beschimpfen. denn sollte es zu einer anzeige kommen (in der ja die beschimpfung dann angeführt stehen muß) wird das nicht mehr bearbeitet. toll!

Mathias
 
00
29.10.2010, 11:21
Womit sich wieder zeigt, wie wenig SPÖ und ÖVP von Demokratie und Menschenrechten halten und dass diese Parteien am liebsten diktatorisch regieren möchten.

Das zeigt sich doch seit Jahren im Europäischen Parlament so. Immer fest gegen das Volk abstimmen von ÖVP und teilweise SPÖ. Nur SPÖ-Querulanten stimmen dagegen ab. Solche, die eh nicht Karriere machen können oder wollen.

Michl52
00
28.10.2010, 23:09
Auf was der Staat weiter verzichtet: Vermögenszuwachssteuer bei Umwidmungen

Wenn Freiland zu Bauland umgewidmet wird, ist das für die Eigentümer ein riesiger Vermögenszuwachs. Der bleibt nach wie vor steuerfrei.

Plus Lucis
00
3.11.2010, 19:14

Das ist aber schon problematisch, da könntest du jemand mit einer Umwidmung zu einem Verkauf zwingen, der etwa den Wald erhalten wollte.

Diese Steuer sollte erst bei entsprechender Nutzung des Grundstücks (also Bebauung oder Verkauf mit der neuen Widmung) anfallen.

Michl52
00
3.11.2010, 23:04

ohne entsprechender Nutzung wäre eine Widmung auch sinnlos. Üblicherweise wird auch nur noch wegen entsprechender Projekte/Anträge umgewidmet.
Eine Frist bis zum entsprechenden Kauf/Verkauf/Projektstart ist auch nicht schlecht - nur derzeit wird da gar nichts versteuert - dabei liegt das Potential auf der Hand!
Clevere Leute kauften und kaufen mit Zustimmung der Grundverkehrskomission landwirtschaftliche Grundstücke auf (z.B. bei geplanten Autobahnauffahrten), erwirken dann die Umwidmung in Industriegrund und verwerten dann das bei Vervielfachung ihres eingesetzten Kapitals - und das ganz legal und einkommensteuerfrei. Das pflegegeldreduzierte Mutterl darf sich dann zum Diskonter dort kutschieren und sein kärgliches Geld dort lassen.

123klausi
01
28.10.2010, 20:07
viele fragen

warum bei den familien eingespart wird..
warum bei bildung gespart wird..
warum der alkohol nicht höher besteuert wird..
warum hetze im land geführt wird..

warum horst seehofer sagt: “Diejenigen die entscheiden sind nicht gewählt und diejenigen die gewählt werden haben nichts zu entscheiden!”
(Quelle: ab Min. 4:43, http://www.youtube.com/watch?v=f... XJ9v6iV4Q)

weils in diese richtung gehen soll ;)
http://www.youtube.com/watch?v=37fpiU3NOC8

blablabla blablabla
00
28.10.2010, 18:32
nützt nichts,

der Zug ist bereits abgefahren.

http://diepresse.com/home/wirt... t/index.do

Staatsbankrott Österreich

lesenswert und realistisch.....

Rre
01
28.10.2010, 18:28
Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Ich habe das Gefühl, dass erst dann Änderungen in diesem Land möglich sind, wenn Strache unumschränkt an der Macht WAR.

Bernhard Kubicek
00
28.10.2010, 18:19
UG13/M18:

"Schriftsätze mit Beschimpfungen nicht behandeln"
WTF?!
M75 "Belohnungen um 50% reduzieren"

loundy
 
00
28.10.2010, 18:05
mein absoluter einspar-favorit in dieser liste:

"Nichts wird es mit einem eigenen Fach "Ethikunterricht" sowie dem Vorhaben, die Zahl der Klassenwiederholungen von Schülern zu reduzieren."

jetzt ernsthaft, glaubt irgendwer dass eine massnahme, die 1 jahr klassenwiederholung erspart mehr kostet als 1 schuljahr mehr + 1 jahr mehr familienbeihilfe + 1 jahr verdienstausfall weil ja 1 jahr später erst ins berufsleben eingestiegen wird...?

Perry Rhodan1
01
28.10.2010, 17:50
STRUKTURREFORM

Ein paar Gedanken:
1) Landtage und Landeshauptmannschaften abschaffen. Manche Bezirke und Gemeinden zusammenlegen. Neue Einheiten: Gemeinde - Bezirk - Staat.
2) Nationalbank wesentlich reduzieren (die machen eh nur was die EZB vorschreibt).
3) Bundesrat abschaffen.
4) Krankenversicherungsanstalten zusammenlegen.
5) Ministerien schlanker aufstellen.
6) OEBB privatisieren. hat ja bei der AUA auch funktioniert. Warum sollen wir jedes Jahr Millarden an dieses Unternehmen zahlen. Eine direkte Unterstuetzung der Karten fuer Pendler und andere Bahnbenuetzer waere besser. Unrentable Strecken einstellen.
7) Beamtenpensionen an die ASVG Pensionen anpassen.
...Und das Defizit war gestern!

Krones
00
29.10.2010, 15:28
nocht etwas...

habe diesbezüglich ebenfalls die Abschaffung der Landesreg. gefordert, jedoch müssten dann in den Bez.Hauptmannschaften fähigere Beamte eingesetzt werden, denn mit jetzigem Ausbildungsstand sind sie total überfordert! Man betrachte nur diverse Geschwindigkeitsbeschränkungen, welche "Experten" hier oftmals am Werk sind!
Sicher ist auf alle Fälle, eine Ebene gehört ersatzlos abgeschafft, straffe und effiziente Verwaltung solle Platz greifen!!!

bellatrix
00
28.10.2010, 18:46
Einverstanden

Jeder einzelne Punkt ist vollinhaltich zu unterschreiben. Allerdings darf man die eingesparten Beamten und Politiker nicht fürs Spazierengehen weiterbezahlen. Unvorstellbar: Auch ein Beamter kann arbeitslos werden......

MiGo16
00
28.10.2010, 17:40
Planung

Einzelverdiener- 2 studierende Kinder (Studienbeginn Oktober) Wohnraumsuche - Durchrechnung aller Einkünfte (inkl. Familienbeihilfe) - Zusage zur Wohnraumbeschaffung. Top.
Ende Oktober: Herr LÄCHLER und Herr DoppelGoderl gehen Orschwacken nach Loipersdorf.
Ergebnis: Beihifle abgeschafft.
Lösungsvorschlag für Smiley und Doppelkinn: zuerst überlegen, überdenken, nachrechnen (mit Taschenrechner leichter, nicht Pflicht) dann erst geistigen Rülpser vom STAPPEL lassen.
Rechenbeispiel: Verdienst 1600- 2 Studenten (inkl. Wohnung 900 € minus Haus(Kredit) 500,- Auto usw
(Essen/Telefon, Strom Wasser, Kannalgebühren). Unser Sozialminister möge S..ei..en gehen.

Optimistin1951
00
28.10.2010, 17:31
Sparmaßnahmen

Als von mehreren Maßnahmen Betroffene könnte ich diese Einsparungen besser akzeptieren, wenn auch die Politiker selbst einen merkbaren Beitrag zum Sparen beitragen würden, z.B. Reduktion von Spesen, Firmenwagen, Anzahl von Abgeordneten, Wahlfinanzierung usw.

Michl52
00
28.10.2010, 22:48

das wäre doch etwas: Politikerbezüge auf das Niveau der wohlhabenden Schweiz anpassen.

Mathias
 
00
29.10.2010, 11:39
Das schweizer Politiksystem

spart der Schweiz gewaltige Kosten! Sowas sollte man in ganz Europa einführen!

Azamat Bogatov
00
28.10.2010, 17:24
tuats ned sudern..

..schauts euch unsere deutschen brüder an.

deren arbeitslosigkeit ist nun unter 3mio und damit auf dem tiefststand seit 1992.

hartz4 und eisernem sparwillen sei dank..

exportweltmeister und retter des euro.

auch england schnürt mit 80bn GBP das grösste sparpaket seiner geschichte.

und nun unsere regierung mal an ein bisschen an die zukunft zu denken.

Amdamdesdissemallepress
11
28.10.2010, 16:57

höchstpensionen runtersetzen.... die pensionen machen einen riesigen teil des budgets aus.

kein ex-banker verdient 4000 EUR staatliche Pension.

Amdamdesdissemallepress
00
28.10.2010, 16:52

typische wahlwerbung (plakate, werbespots, geschenke) in zukunft abschaffen, dafür mehr diskussionen (runde tische, etc.)

Amdamdesdissemallepress
02
28.10.2010, 16:49

nationalrat verkleinern, bundesrat abschaffen

Amdamdesdissemallepress
01
28.10.2010, 16:47

dafür schmeißens 8 milliarden für den unnötigen koralmtunnel raus...

das ist ein witz..

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