Asylverfahren

Teilweiser Abschiebestopp reicht laut Experten nicht

27. Oktober 2010, 18:46
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    foto: apa/georg hochmuth

    "Grobe Verfahrensfehler" beim Asylgerichtshof.

"Besonders schutzwürdige" Flüchtlinge dürfen nicht mehr nach Griechenland abgeschoben werden: laut Straßburger Menschenrechtsgericht gut, aber unzureichend

Wien - Beim UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) in Wien löst der teilweise Abschiebestopp des Verfassungsgerichtshofs nach Griechenland Erleichterung aus - gepaart mit Nachdenklichkeit. Die Entscheidung sei ein "positives Zeichen", sagt UNHCR-Pressesprecherin Ruth Schöffl. Doch sie gehe nicht weit genug.

Denn die Höchstrichter haben das vorläufige Ende der EU-internen Dublin-Rückführungen von Flüchtlingen in den von Asyl- und Finanzkrise gebeutelten Mittelmeeranrainerstaat nur für "besonders schutzwürdige" Personen verfügt. Für unbegleitete minderjährige Jugendliche zum Beispiel. Oder für alleinerziehende Mütter mit Kindern, wie in jenem Fall, der zu dem am Mittwoch veröffentlichten VfGH-Spruch geführt hat.

Dieser betrifft eine junge Afghanin, die über Griechenland nach Österreich geflüchtet war - weshalb laut Dublin-Verordnung Griechenland für ihr Verfahren zuständig ist. In Oberösterreich, wo sie auch derzeit lebt, habe die Frau Familienangehörige und außerdem samt Kindern "erstmals seit langer Zeit Ruhe gefunden", hatte die Perger Anwältin Doris Witschko gegen den Rückführungsentscheid des Asylgerichtshofes vorgebracht.

"Grobe Verfahrensfehler"

Solche Argumente standen für die Verfassungsrichter nicht im Mittelpunkt. Vielmehr stellten sie beim Asylgerichtshof einen "groben Verfahrensfehler" fest. Dieser habe sich in dem "besonders schutzwürdigen Einzelfall" nicht konkret genug um die griechische Zusicherung bemüht, dass für Mutter und Kinder Unterkunft und Versorgung bereit stünden. Die Frau - und damit alle ähnlich "vulnerablen" Flüchtlinge - dürften nicht nach Griechenland zurückgeschickt werden.

Dies will man im Innenministerium künftig auch befolgen: "Bei besonderer Schutzwürdigkeit wird im Dublin-Konsultationsverfahren mit Griechenland künftig ein zweiter, zusätzlicher Schritt eingeplant", sagte dort am Mittwoch ein Sprecher. In Normalfällen hingegen bestehe kein Änderungsbedarf; "Da bleibt die Konsultationspraxis wie gehabt."

Wiener Anwältin erwirkte fünf "vorläufige Maßnahmen"

Deren generelle Aussetzung - und damit einen grundsätzlichen Dublin-Abschiebestopp nach Griechenland - empfiehlt seit Wochen der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Flüchtlinge, die sich per Mail oder Fax unmittelbar vor einer solchen Rückführung an das Europarat-Höchstgericht wenden, bekommen allesamt Aufschub, an den sich die betroffenen Staaten in der Regel auch halten.

In Österreich hat seit Montag allein die Wiener Anwältin Nadja Lorenz fünf derartige "vorläufige Maßnahmen" des EGMR erwirkt. Laut UNCHR hat es in der vergangenen Woche insgesamt zehn Dublin-Rückführungen von Österreich nach Griechenland gegeben. Per Flugzeug, am Mittwoch. (Irene Brickner, DER STANDARD-Printausgabe, 28. 10. 2010)

Kommentar posten
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Onkel Tom
04
28.10.2010, 13:22

Ich warte jetzt darauf dass ein z.B. Mörder oder Drogenhändler zur Abschiebung ansteht, der mit einer Österreicherin ein Kind hat. Geht dann natürlich nicht - Kindeswohl, keine Familien zerreissen und so fort.
Das sei was anderes als ein blosser illegaler Aufenthalt? Ja, aber nicht für die Kinder. Weil die (was stimmt) nie "etwas dafür können".
Die Grünen wird das nicht stören, aber die sentimentalen Leserbriefschreiber (bez. lieben Zwillingen) werden dann sagen: So haben wir das nicht gemeint.

viridisdens
00
28.10.2010, 19:07
sind ja eh alles mörder, oder?

Khun Khuat
04
28.10.2010, 15:00
...dass ein z.B. Mörder oder Drogenhändler zur Abschiebung ansteht..

gibts doch eh einige in wien davon.
im heimatland droht die Todesstrafe, damit is es gelaufen..
KEINE abschiebung möglich
Kindergeld
Mietbeihilfe
Sozialhilfe
Gratis Arzt/Spitalbehandlung, auch für zweit- und drittfrau
"RECHT" auf (teuren)Dolmetscher vor Gerichten
.....

Berolina Schreibmaschine
10
28.10.2010, 14:47
Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich

"Mörder und Drogenhändler" versus die Diskussion, wie man mit längst integrierten Flüchtlingen und ihren hier geborenen Kindern umgehen soll. Das ist doch unter jeder aller Sau bitte. Was sind denn das für Foren hier....Da gehts ja nur um Ausländerhetze und Parteipropaganda. Und das wird massenweise auf einer gewerblichen Zeitungsseite statt der privaten FPÖ-Fan-Homepage zur Veröffentlichung, auf einem Space, der u. a. mit Presseförderung und entsprechenden Auflagen ermöglicht wird!!!

Onkel Tom
02
28.10.2010, 18:34

Ihrer Antwort muss ich entnehmen, dass Sie nicht lesen können. Argumentieren übrigens auch nicht....

das ist fix
04
28.10.2010, 12:26

bitte keine "experten" mehr

wir können nicht alle menschen, welche einen niedrigeren lebenstandard haben als wir in österreich, hier aufnehmen

viridisdens
20
28.10.2010, 19:08
es geht um nicht weniger als menschenrecht

vielleicht wären sie mal froh, wenn andere ihnen gegenüber auf die einhaltung plädieren!

Graffzog Bellaugh von Kagkalanze
02
29.10.2010, 10:22

Österreich ist auch nicht für die globale Durchsetzung und Finanzierung von Menschenrechten verantwortlich. Hierzulande wird bereits genug getan.

rr rr
05
28.10.2010, 12:22
Sind das die Experten, die

sich zumindest einen Teil ihres Wohllebens in diesem Bereich erwirtschaften?

thyreoiditis haschimoto
00
28.10.2010, 12:10
auch in den Herkunftsländern

der Menschen sollte aufgeklärt werden, v.a. worauf sie sich einlassen wenn sie aus ihrer Heimat flüchten u. zwar dass es womöglich viel schlimmer wird als zu Hause.
Die Menschen haben falsche Vorstellungen wenn sie sich auf den Weg machen. Filme, wie diese, sollten dort gezeigt werden. http://tvthek.orf.at/programs/... eltjournal

Vierter Mann
01
28.10.2010, 15:12

Die schauen sich in den Herkunftsländern eher solche Filme an:
http://tvthek.orf.at/topics/Ab... er-in-Wien

Georg Bürstmayr
32
28.10.2010, 11:50
drei Fragen

Wer die Zustände in Griechenland für Asylwerber kennt (vgl. zuletzt den Übelkeit erregenden Beitrag im ORF-Weltjournal) muss sich wohl drei Fragen stellen:

1.: Ist von einem Staat, der am Rande des Bankrotts steht und derzeit fast die gesamte illegale Einwanderung nach Europa "abzuwicklen" hat, zu erwarten, dass er den Umgang mit diesen Menschen verbessert?

2.: Solange das nicht passiert: ist es zu verantworten, weitere Asylwerber dorthin abzuschieben - in die sichere Obdachlosigkeit, in völlig überfüllte Gefängnisse, als Freiwild für immer mehr aggressive (auch weil völlig überforderte) Polizisten und Zivilisten?

3.: Ist in dieser Situation der lapidare Verweis auf "existierendes Europarecht" nicht schlichtweg zynisch?

thyreoiditis haschimoto
11
28.10.2010, 18:47
was schlagen Sie vor....

die Zustände sind dort (GR) grauenvoll, wohl viel schlimmer als in der Heimat der Asylsuchenden, wie eben der Afghane meinte: "zH. hätte man ihn vlt. getötet, aber Frau u. Kinder im Park, wo die Familie schläft, nicht belästigt".
Durchwinken, auf die restlichen, beliebten EU-Länder verteilen? Und, das Problem sei gelöst?
Und ja, sagen Sie nicht.... es sind ja nur ein paar Tausend, mehr kommen sicher nicht nach, wir können sie alle unterbringen, kein Problem.... wenn sogar unter diesen barbarischen Vorausetzungen der Flüchtlingsstrom nicht versiegt.
Es muss eine Regelung gefunden werden, die es zumindest nicht nötigt macht, im Erststaat, wie hier in GR, so unnötig lange zu warten bis man den Lebensmut verloren hat.

Centerfold (die)
01
29.10.2010, 11:29
Der Mann lebt von "Asülanten": http://www.asylanwalt.at/

Je mehr, desto besser rollt der Rubel...

par in parem
02
28.10.2010, 11:45

Nein, also da machen es sich die Griechen deutlich zu einfach, wenn sie die Schuld auf deren derzeitige Kriese schieben. Dort fehlt es in der Flüchtlingsbetreuung wirklich an allem. Die nicht vorhandene Infrastruktur wurde nicht in den letzten zwei Jahren verschuldet sondern ist den Versumnissen der letzten Jahrzente zu verdanken.
Find ich cool zu sagen "ich hab versagt, deshalb richtet es ihr andern mal". Wenns der einzelne Bürger nur auch so einfach hätte.
Und die EU hat es verabsäumt zu kontrollieren und Grenzen zu setzen.

haschimoto thyreoiditis
00
29.10.2010, 10:26

vollkommen richtig.

thyreoiditis haschimoto
01
28.10.2010, 11:52

ja, es ist eine schande was dort geschieht. menschen werden schlechter als tiere gehalten und behandelt. http://tvthek.orf.at/programs/... eltjournal
griechenland ade....

bam younga
00
28.10.2010, 11:34
hier der entscheid des Asylgerichtshof:

http://ris.bka.intra.gv.at/Dokument.... 2f2010-10E

thyreoiditis haschimoto
00
28.10.2010, 12:12

es ist leider nichts zu sehen.

Anton Friesl
11
28.10.2010, 11:23
Klimawandel.,.

Liebe Zuwanderer aus Afrika - bleibt zuhause, wir kommen zu euch.

pussycat.1337
02
28.10.2010, 11:22
tztztzt

wer die pappn aufmacht ist auf einmal gelich ein experte! bin ich nun auch experte für raunzn?

Hans Dichand IV
01
28.10.2010, 11:34
da geb ich dir recht ...

jeder Rülpser der in diese primitive Standardpolemik passt ist Expertenmeldung ...
So nebenbei sind ja die Verfassungsrichter noch immer auf den Asylgerichtshof angefressen ... natürlich reden die nicht positiv von denen ...

Harald Bruckner
14
28.10.2010, 10:51
Es brennt!

Wirschaftsflüchlinge geben sich als poltische Flüchtlinge aus und werden daher abgewiesen. Das mag formal richtig sein, wird aber einem enorm verstärktem Flüchtlingstom der nahen Zukunft (Klimawandel) nicht entgegenwirken können. Findet die EU in nächster Zeit keinen einheitliche, verwirklichbare, verpflichtende Regelung, wird sie überrollt werden und jede Regelung erübrigt sich damit.

Joe Kurth
00
28.10.2010, 10:45
Das ist ja alles löblich vom VfGH

aber dieser kümmert sich wegen Arbeitsüberlastung um die meisten Beschwerden selbst nicht und weist diese mit fadenscheinigen Begründungen zurück und läßt solcherart Unrecht massenhaft zu.

Nur zur Entlastung des VfGH, aber eben auf Kosten der Rechtsstaatlichkeit.

goldschmied van halen
26
28.10.2010, 10:38
wenn griechenland den eu standard nicht erfüllen kann...

...dann hat es in der eu nichts verloren. ansonsten ist es zuständig. punkt. einem verfolgten menschen wird die zuflucht in griechenland reichen aber in ö lebt es sich halt so viel besser...

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