Wikileaks-Daten

Britische Armee gibt Folter-Leitfaden heraus

27. Oktober 2010, 16:20
  • Artikelbild
    foto: reuters/suzanne plunkett

Augenbinden, Ausziehen und Isolationshaft: Folteranleitungen der Royal Army könnten Verstoß gegen Genfer Konvention bedeuten

Als der Guardian sich an die Auswertung der 400.000 von Wikileaks zugespielten Militärdokumente machte, war es eine wiederkehrende Formel, die die Journalisten zunächst ratlos zurückließ: "Frago 242". Eine "mysteriöse Formulierung", die immer wieder auftauchte, wenn in den Feldberichten von Misshandlung der Festgehaltenen die Rede war, berichtet David Leigh, Investigativjournalist der britischen Tageszeitung. Bald aber, so Leigh weiter, stellte sich heraus: "Frago 242" ist der Code für eine sogenannte "fragmentary order" aus dem Juni 2004, eine Direktive an das US-Militär, die besagt, Gesetzesbrüche durch Iraker nicht weiter zu verfolgen.

Das beabsichtige Wegsehen des Militärs bei Foltertaten unter Irakern: Neben der weit höheren Opferzahl, dem Einfluss des Irans und der weit größeren Hilflosigkeit der Amerikaner bei der Befriedung und Stabilisierung des Landes war dieser Punkt einer jener Bereiche, in die die Feldberichte einen klareren Blick ermöglichten.  Und nun gerät auch die britische Royal Army ins Zwielicht: Wie der Guardian berichtet, gab das britische Militär Leitfäden für Verhörmethoden vor, die detailliert vorgeben, wie Verdächtige malträtiert werden sollen. In einer Art Handbuch fanden die Journalisten Anweisungen dafür, wie Gefangenen durch Drohungen und Erniedrigungen Informationen entlocken werden.

"Zieh sie aus"

So wird den Soldaten zu Demütigung geraten und dazu, bei den Befragten Verunsicherung, Orientierungslosigkeit, Anspannung und Angst auszulösen. Die konkrete Anleitung dazu lieferte man ebenso mit: So bezieht sich die Londoner Tageszeitung auf eine Power-Point-Präsentation von 2008, auf der zu lesen sei: "Zieh sie aus" und: "Lass sie nackt, wenn sie Aufforderungen nicht befolgen." In anderen Dokumenten werde zu Augenbinden, Ohrstöpseln und Plastik-Handfesseln geraten. Hilfreich sei auch Schlafentzug - "nicht länger als vier Stunden Schlaf" - und die Drohung mit Isolationshaft.

Verhöre sollten "außer Hörweite" stattfinden, auf Containern etwa, jedenfalls sollten sie "unbedingt von den Medien ferngehalten" werden. Zwischen den Foltertipps fanden die Journalisten auch folgenden Hinweis: "Folter ist tabu."

15.000 getötete Zivilsten

Die Anweisungen könnten einen Verstoß gegen die Genfer Konvention bedeuten, laut der körperlicher oder moralischer Zwang bei Verhören verbote ist. Die Vorwürfe stammten möglicherweise von Mandanten des britischen Menschenrechtsanwalts Phil Shiner, mutmaßt der Guardian.

Er vertritt mehr als 100 Irakis, die gegen die britische Armee wegen Verfehlungen im Irak-Krieg klagen. Shiner arbeitet auch mit der Internetplattform Wikileaks zusammen und war bei der Pressekonferenz im Vorfeld der Veröffentlichung der bis dahin geheimen US-Militärdokumente anwesend.

Derzeit wird in Großbritannien ein Fall untersucht, bei dem der irakische Hotelwächter Baha Mousa in britischer Haft gestorben sein soll. Im Zuge dessen seien die Verhörmethoden der Armee veröffentlich worden, gab ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bekannt. Bereits zuvor hatte der Guardian von Vorfällen berichtet, bei denen irakische Zivilisten durch britische Soldaten gestorben seien: So soll ein 19-Jähriger ertrunken sein, nachdem Soldaten ihn in einen Fluss gestoßen haben sollen.

Wie aus den Wikileaks-Dokumenten hervorgeht, starben zwischen 2004 bis 2009 insgesamt mehr als 15.000 Zivilisten bei bislang unbekannten Vorfällen. Mit 3.800 getöteten Zivilisten soll der Dezember 2006 demnach der tödlichste Monat gewesen sein. (fin, derStandard.at, 27.10.2010)


Link:

Guardian: Iraq War Logs

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 237
1 2 3 4 5 6
so go
10
14.11.2010, 11:26
folter gab es immer und es wird auch immer folter geben!

die frage ist nur, ob der pöbel davon wissen soll?

Aca Rankovic
01
31.10.2010, 23:08

Na hoffentlich bald ein Fall für den Internationalen Strafgerichtshof...

Al Baneso
00
30.10.2010, 00:59
und sowas soll ein vorbild sein? kein stück besser als die die sie bekämpfen

gott schütze die queen

Lucky Luke 1988
01
29.10.2010, 21:08
Leutfaden für Folter... interessant

Kann man sich iwo bewerben als Folterknecht? So als Studentenjob?

warp.faktor
15
28.10.2010, 16:59
Schwer zu glauben, dass die EU ein "Friedensprojekt" sein soll ...

... wenn Sie im Rahmen der NATO mit Armeen (z.B. GB, USA) zusammenarbeitet, die Terror verbreiten und foltern.

Fritz Meyer
07
28.10.2010, 16:33
Wirklich tief gefallen.

Dieses Land war einmal der wichtigste Kämpfer für die Demokratie in Europa - man stelle sich nur die Zeit von 1940-41 einmal ohne Grossbritannien vor.

Und auch nach dem Krieg eine Grossmacht, die trotz aller Gewaltoptionen Indien ohne ein Blutbad in die Unabhängigkeit entlassen hat. Man schaue sich nur mal die Franzosen in Vietnam oder Belgien im Kongo an.

Und heute? Da sind's nur noch der willenlose Handlanger der Grossmacht und bei jeder Schweinerei willig an vorderster Front.

Orwells Dystopie 1984 ist tatsächlich insofern wahr geworden, als dass Grossbritannien nur noch die "Landeplattform 1" der Grossmacht "Ozeanien" ist. Ganz zu schweigen von der immer weiter ausufernden Überwachung gegen die eigene Bevölkerung.

so go
00
14.11.2010, 11:22
die briten sind nicht willenlos - die wollen das auch so!

hätten uns bernay und co. nicht so kräftig das gehirn gewaschen, wir wären nicht so schockiert über die vorherrschenden zustände.

der "commonwealth" hat die halbe welt unterworfen und was die "kämpfer für recht und ordnung" in china angerichtet haben, muss ich doch nicht erwähnen oder?

die waren niemals heilig... immer nur scheinheilig.

Legio
 
01
30.10.2010, 20:48

Erzählen Sie daß den Iren.

sociovation
00
28.10.2010, 16:20
KÖNNTEN?!

Alexander Patjomkin
21
28.10.2010, 15:45
Einen Krieg, wo der eine Gegner extrem brutal ist,

und der andere sich wie Gentleman benimmt kann es nicht geben, weil der Krieg ist in einem Tag fertig, die Brutalos gewinnen. Über Krieg und Frieden haben die meisten Menschen absolut falsche Vorstellungen..

1,8 promille
00
1.11.2010, 22:05

der irak hat sich extrem brutal überfallen lassen?

Brickwedde
00
28.10.2010, 16:19

Ich gebe Ihnen zumindest dahingehend recht: Das Schlimme am Krieg sind nicht seine 'Exzesse', sondern das ist schon der Krieg selber. Wer zwischen einem sauberen und einem schmutzigen Krieg zu trennen versucht (anhand bspw. der Genfer Konvention), befindet sich von vornherein in einem moralischen Schlamassel.

FranzKpunkt
03
28.10.2010, 17:08

Dann soll man hergehen und es so wie früher machen. Wir wollen euer Land eure Rohstoffe oder was auch immer und ihr gebs mir das jetzt, weil ich die besseren Waffen habe. Wenn man aber mit dem Anspruch der Demokratie ein Land überfällt und besetzt, dann sollte man sich wenigstens ein bisserl an die Genfer Menschenrechtskonvektionen halten. Ausserdem das eine passiert im Felde und da ist die Grausamkeit unvorstellbar, das andere in sicheren Lagern. Von daher haben ihre beiden Argumentationen aber wirklich keinerlei Bedeutung...

Deus Ex Coquina
00
28.10.2010, 15:04

Unterm Cromwell hätts das nicht gegeben!

Jerry Garcia
 
00
28.10.2010, 19:14
Unter welchem?

Thomas oder Oliver?

m3a
01
28.10.2010, 14:22

lieber standard: es gibt keine britische royal army.

Deus Ex Coquina
00
28.10.2010, 15:01

jaaa, das stiiiimt! ;)

Johannes Benn
61
28.10.2010, 12:02
.

nun 4 stunden schlaf ist unangenehm aber kein weltuntergang

Dirty Sanchez
 
00
29.10.2010, 09:57
Beim Barras hate ich manchmal über Wochen keine 4 Stunden Schlaf am Stück pro Tag.

andreas lamers
 
00
28.10.2010, 15:44
und hier noch das

Dauerhafter methodischer Schlafentzug wird daher auch als Methode der Folter unter anderem dazu eingesetzt, um klares Denken des Opfers zu unterbinden und um den Willen sowie die Widerstandskraft des Opfers zu brechen und so beispielsweise Aussagen zu erpressen.
Im alten Kaiserreich China diente der Schlafentzug über Tage und Wochen dazu, Schwerverbrecher hinzurichten. Durch Schlagen, Schmerzreize und Kitzeln wurden diese wach gehalten. Nach einigen Tagen bekamen sie Wahnvorstellungen und bald darauf starben sie.

aber alles nicht so schlimm.
freue mich immer mit spezialisten der folter zu sprechen.

andreas lamers
 
02
28.10.2010, 15:43
nicht?

Schlafentzug beeinflusst verschiedene Körperfunktionen und auch die mentale Leistungsfähigkeit der Betroffenen.
Mentale Fähigkeiten:
Hervorgerufene Halluzinationen[5]
Reizbarkeit[6]
Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit[7]
Gedächtnislücken oder -verlust[8]
Heftiges Gähnen[6]
ADHS-ähnliche Symptome[6]
Herz:
Risiko für Herzerkrankungen[10]
Muskulatur:
Erhöhung der Reaktionszeit und Verminderung der Reaktionsgenauigkeit[11]
Tremor[12]
Muskelschmerzen[13]

um nur einige zu nennen.

Patrick Star3
15
28.10.2010, 13:00
das mag vielleicht

stimmen wenns einmal vorkommt, aber wenn das über monate vorkommt schaut die Sache schon anders aus... ausserdem steht hier nicht wie die Leute am einschlafen gehindert werden...

Captain Future
13
28.10.2010, 13:20
Haben Sie Kinder?

andreas lamers
 
10
28.10.2010, 15:39
tja und nun das erschrekende

kinder foltern ihre mutter, schalfentzug ist eine grundlage der folter. kleinkinder setzen sie ein damit die mutter sich an sie bindet. die eigene abhaengigkeit sorgt dafuer das sie in dieser weise vorgehen. je verunsicherter das kind ist desto weniger wird es ruhig schlafen in der nacht.
auch das ist bereits erwiesen (abgesehen davon das schlafentzug nicht nur erschoepfung erzeugt sondern auch den intellekt verringert)

natoll
30
28.10.2010, 14:00

na wenn du welche hast, tun sie mir leid.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 237
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.