Rot-weiß-rote Punkt­ge­winne am Nationalfeiertag

27. Oktober 2010, 14:49
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Salzburg schlägt Wien im Spitzen­spiel der 15. Runde, die anderen vier österreichischen Teams er­reichen zumindest Punktgewinne

Im Spitzenspiel der 15.Runde behielt Salzburg gegen Wien die Oberhand, alle anderen österreichischen Teams erreichten am Nationalfeiertag zumindest Punktezuwächse.

Heimschwache Grazer machen auswärts Boden gut
Den vierten Sieg im siebten Auswärtsspiel holten die Graz 99ers am Dienstag in Jesenice, damit liegt die heimschwächste Mannschaft der Liga (nur vier von 16 möglichen Punkten) in der Auswärtstabelle im Spitzenfeld und insgesamt nun wieder auf einem Play-Off-Platz. Der Erste nach dem letztjährigen Grunddurchgang holte die beiden Zähler in Slowenien aber eher glücklich, denn Jesenice bestimmte das Spiel, Graz hatte an diesem Abend mit Fabian Weinhandl jedoch den deutlich stärkeren Torhüter. Der einzige Goalie der Liga, der bisher durchgehend am Eis stand, musste zwar vier Mal hinter sich greifen, zeigte aber einige sehenswerte Fanghand-Saves und übertraf seine Gegenüber - O'Keefe ersetzte den indisponierten Suomalainen nach 20 Minuten - um Längen.

Nach vier Niederlagen in Folge, bei denen Graz nur sechs Treffer erzielte, überzeugte die Grazer Offensive diesmal mit ihrer Chancenauswertung. Christoph Harand traf beim Comeback nach seiner Verletzungspause gleich doppelt, auffällig auch Mike Ouellette, der nun in elf der 13 Spiele, in denen Graz Tore gelangen, Punkte sammelte.
Jesenice hält damit bei drei Niederlagen in den jüngsten vier Spielen, ein Abwärtstrend, der sich neben dem unzureichenden Goaltending vor allem mit der Verletzungsmisere erklären lässt: Sechs Spieler - davon vier der sechs Stammverteidiger - mussten die Krainer erneut vorgeben, in der Abwehr kam so Denis Rakovič zu seinem Saisondebüt. Er ist bereits der achte U20-Spieler, den Jesenice heuer einsetzte.

Olimpija jagt neuen Defender
Ähnlich formschwach wie Jesenice präsentierte sich zuletzt der slowenische Hauptstadtklub aus Ljubljana. In den letzten sechs Spielen gelang lediglich ein Sieg, der aktuelle achte und letzte Play-Off-Platz ist nur noch schwach abgesichert. Am Wochenende wurde auch bekannt, dass der routinierte finnische Verteidiger Kari Haakana verletzungsbedingt seine Karriere beenden muss. Olimpija sucht nun fieberhaft nach einem Ersatz, die wahrscheinlichsten Optionen sind dabei eine Rückkehr von Burke Henry oder die Verpflichtung des letztjährigen KAC-Topscorers Jeff Tory.

Neuzugänge hatte Tabellenschlusslicht Székesfehérvár bereits vor dem vergangenen Wochenende zu vermelden, Center Eric Johansson ist jedoch erst am Montag in Ungarn eingetroffen und wird am Freitag in Jesenice debütieren. Aller Voraussicht nach überhaupt erst am Sonntag - und damit mehr als eine Woche nach seiner Vertragsunterzeichnung - wird der neue Cheftrainer Kevin Primeau erstmals an Fehérvárs Bande stehen.

Medveščak schon auf Rang vier
Die bestplatzierte nicht-österreichische Mannschaft der EBEL kommt derzeit wenig überraschend aus Zagreb: Obwohl man in Linz 0,8 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit noch den Ausgleich hinnehmen musste, feierte Medveščak letztlich im Shootout den dritten Sieg in Folge und schob sich an den Capitals vorbei auf Platz vier der Tabelle. Neben Goalie Robert Kristan (Anmerkung für Mitarbeiter von Servus TV und laola1.tv: nicht Križan, Krištan oder Krisan) überzeugte in den letzten Wochen vor allem Drittliniencenter Joel Prpic, der nun schon in neun Partien in Folge scorte. Zu seinem Spiel gehören jedoch auch Schattenseiten: Gleich vier Mal fingen sich die Kroaten in den letzten sechs Begegnungen einen Gegentreffer ein, während der 36jährige auf der Strafbank saß.

Westlunds Penalty-Trauma
Als einziges österreichisches Team, das gegen einen ausländischen Gegner den Kürzeren zog, ging der EHC Linz aus dem Nationalfeiertag hervor. Seit drei Spielen steht beim Vizemeister wieder Alex Westlund im Tor, seine statistischen Kennzahlen aus dieser Phase (SVS% 88,29 und GAA 4,25) sind jedoch recht bescheiden, Linz verlor auch alle drei Spiele. Ebenso beunruhigend: Der US-Amerikaner, eigentlich einer der stabilsten Goalies der Liga, hat eine verheerende Shootout-Bilanz, er verlor neun seiner jüngsten elf Penaltyschießen. Allerdings hat Linz ähnlich wie Jesenice mit großen Personalproblemen in der Abwehr zu kämpfen, gegen Medveščak fehlten gleich drei Verteidiger verletzt oder gesperrt.

Capitals beantworten Torhüterfrage
Im einzigen Österreicher-Duell der 15.Runde setzte sich Salzburg in einer erneut sehr attraktiven Partie gegen die Vienna Capitals mit 4:2 durch. Junggoalie Artiom Konovalov, der ab der 13.Minute für den am Sprunggelenk verletzten Reinhard Divis zum Einsatz kam, lieferte - wie bei seinem EBEL-Debüt im Vorjahr - eine sehr starke Leistung ab. Prächtig in Form präsentiert sich aktuell auch Manuel Latusa, der gegen seinen langjährigen Klub wie schon am Sonntag in Villach zum Siegtreffer assistierte.
Bei Wien kassierte Kapitän Benoît Gratton nach einem ambitionierten Faustkampf mit Matthias Trattnig die sechste Spieldauer-Disziplinarstrafe seiner EBEL-Karriere, Christian Dolezal durfte sich nach mehr als eineinhalb von Verletzungen geprägten Jahren wieder über einen Scorerpunkt freuen. Gelöst haben die Capitals unterdessen die Torhüterfrage: Nach seinem sechswöchigen Try-out und der Wiedergenesung von Jürgen Penker bleibt Adam Hauser den Wienern erhalten, wechselt jedoch vorerst in den Standby-Modus. Er wird sich in den USA fit halten und kehrt Ende Dezember (bzw. im Falle einer Verletzung von Penker oder Hummel auch früher) zum Team zurück.

Erfolge gab es am Nationalfeiertag auch für Tabellenführer KAC (5:2 gegen Fehérvár) und den VSV (5:2 in Ljubljana). Die beiden Lokalrivalen treffen am Freitag im 256. Kärntner Derby seit Bundesligagründung aufeinander - ein Spiel, auf das hier in der „Crunch Time" noch zeitgerecht detaillierter eingegangen wird.  (derStandard.at, 27. Oktober 2010)

  • Joel Prpic ist in toller Form und nicht nur vor dem Tor, sondern auch auf der Strafbank zu Hause.
    foto: johann pittner

    Joel Prpic ist in toller Form und nicht nur vor dem Tor, sondern auch auf der Strafbank zu Hause.

  • Nach gutem Saisonstart hat Jesenice aktuell ein Zuschauerplus von 52,7% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, die im Sommer neu errichtete Tribüne ist jedoch noch nicht zugänglich.
    foto: derstandard.at/hannes biedermann

    Nach gutem Saisonstart hat Jesenice aktuell ein Zuschauerplus von 52,7% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, die im Sommer neu errichtete Tribüne ist jedoch noch nicht zugänglich.

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