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Hans Rauscher, 28. Oktober 2010, 12:00
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    foto: derstandard.at

    "Grenzgenial" oder "braucht kein Mensch":
    Postings polarisieren

Erfahrungen und Überlegungen von Hans Rauscher zu den Online-Foren

Früher (im Paläozoikum) gab es Leserbriefe. Heute gibt es Postings. Der Unterschied besteht darin, dass ein Posting viel schneller und unkontrollierter erscheint als ein Brief. Einmal vom Leser/User her ist es viel leichter, ein Posting abzufeuern, als einen Leserbrief zu verfassen und auf die Post zu tragen. Vom Medium her: Für Briefe brauchte man eine bewusste Entscheidung - erscheinen lassen oder nicht erscheinen lassen. Obwohl es auch bei Postings Filter gibt - Redakteure und eine auf Schlüsselbegriffe geeichte Software - gehen Postings einfach leichter online. Teils aus technischen Gründen (die schiere Anzahl), teils, weil Postings spontaner verfasst werden, teils, weil man heute mehr Wert auf eine offene, freie Debatte legt. Der allergrößte Teil schreibt anonym.

Das schafft manchmal Probleme. Der Ton vieler Postings stört manche Leser/User (und Journalisten). Da ist was dran. Es gibt so etwas wie eine Debatte über das Posting-Wesen. Deshalb hier einige Erfahrungen und Überlegungen zu Postern und Postings.

Wertvolle Orientierungshilfe

Zugriffszahlen und Postings sind eine wertvolle Orientierungshilfe für Journalisten (Online wie Print), wenn man sich einige Grundlagen vor Augen hält.

In jeder Population sind ein paar Prozent verhaltensoriginell bis verhaltensgestört. Das drückte sich früher auch in den Leserbriefen aus; in jeder europäischen Wahlbevölkerung sind überdies 10-15 Prozent in unterschiedlichem Grad rechtsextrem eingestellt. Diese - einander überschneidenden - Gruppen sind vermutlich in den Internet-Foren überrepräsentiert. Ähnliches gilt von "anti-imperialistischen" Verschwörungstheoretikern etc.
Nicht wenige "Nicks" kehren - wie früher bei Leserbriefschreibern auch - immer wieder. Es gibt liebe und weniger liebe Stammkunden. "Kampfposter", vor allem aus Parteien, sind auch nicht selten.

Was die Leute interessiert

Dennoch besteht die überwiegende Anzahl der Poster aus überdurchschnittlich interessierten, aufgeklärten Bürgern, analog der Leserstruktur bei STANDARD und derStandard.at. Mit etwas Übung und Zeitaufwand stößt man bei "durchscannen" der Postings auf journalistisch interessante und relevante Erkenntnisse. Zum Beispiel darüber, was die Leute interessiert. Die Zugriffs- und Posting-Statistik von derStandard.at bringt teilweise überraschende Ergebnisse: die Raucher-, aber auch die Hundethematik hatte und hat Spitzenwerte. Warum auch nicht, es handelt sich um relevante Themen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. (Wirtschafts-) Politik hat einen sehr hohen Stellenwert, beim STANDARD vor allem die Themen "gegen rechts", "Integration und Asyl", "Verteilungsgerechtigkeit", "Arbeitsmarkt", "Finanzwelt" usw.

Durchargumentierte Statements und Recherche-Zund

Viele Poster geben durchargumentierte, mit Zahlen und Fakten unterlegte Statements ab. Viele verlinken zu interessanten Websites. Eine Minderheit liefert sogar Recherche-Zunds, denen man besser nachgeht. Diese Hinweise würden wegfallen, sollte man - was manchmal diskutiert wird - die Anonymität aufheben.

Wachsende Rüpelhaftigkeit

Andererseits: nicht wenige Poster werden gegenüber Autoren und/oder dritten Personen ganz schön aggressiv, manchmal auf üble Weise persönlich. Die wachsende Rüpelhaftigkeit, die man auch sonst im Alltagsleben feststellt, wird oft mit dem "Argument" der freien Meinungsäußerung verkleidet. Das wird von manchen schwer ausgehalten. Umgekehrt beschweren sich etliche Poster über "Zensur", wenn sie rassistische, beleidigende oder vom Verbotsgesetz bedrohte Stellungnahmen abgeben und die nicht freigeschaltet werden. Andere, vielleicht die meisten, sind sich nicht im Klaren darüber, dass das Medium, aber auch sie selbst für Leseräußerungen mit klagbarem Inhalt zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Anonymität ist ein starker, aber nicht absoluter Schutz.

Neue Interaktivität zwischen Journalist und Leser/User

Eine Möglichkeit, als Journalist damit umzugehen, ist, selbst auf im Ton überzogene, gerade noch tolerierbare Postings zu antworten, notfalls mit angemessener Härte. Viele Poster sind dann angenehm überrascht ("hätte nie gedacht, dass Sie antworten werden"). Das ist eine neue Interaktivität zwischen Journalist und Leser/User.

Man muss also als Medium den - für manche ungewohnten - scharfen Debattenton in den Foren gegen eine drohende Verödung abwägen. Nicht nur die Rüpel, sondern auch die intelligenten Poster werden es sich zweimal überlegen, wenn sie sich relativ umständlich registrieren müssten. Die Spontaneität ginge weitgehend verloren, die "Posting-Profis" würden dominieren.

Die "STANDARD-Community", Print und Online, ist tatsächlich etwas Besonderes. Dumpfes Vorsichhinschimpfen wie in den Foren der Massenzeitungen und zum Teil des ORF ist viel seltener als intelligente, oft witzige Einwürfe.

Optimierung der Kontrolle

Was man tun könnte, ist eine Optimierung der Kontrolle. Das bedeutet für die Journalisten mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die Foren, um durchgerutsche Regelverstöße rasch zu entdecken. Die Software muss immer neu justiert werden.

Abschließend eine persönliche Anmerkung: als Journalist mit langer Erfahrung bin ich problematische Leserreaktion gewohnt. Frage nicht, was da zur Waldheim- und Haider-Zeit auch an Leserbriefen daherkam (meist nicht anonym). Man konnte aber aussieben. Das geht mit Postings nicht so leicht, aber unterm Strich ist die Diskussion per Posting viel unmittelbarer, umfangreicher und lebendiger. Die unleugbaren unangenehmen Nebenerscheinungen kann/muss man besser eindämmen. (Hans Rauscher/derStandard.at/Oktober 2010)

Kommentar posten
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MunaMaus
 
00
23.9.2011, 06:12
heads of states

ich hab dem clinton die hand gegeben, obama gesehen und warte nun auf gorbachev...

Werkzeug
 
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Ich denke das die Forenregeln großzügig ausgelegt werden wenn man sich so manche Postings durchliest

Mir gefällt rein emotional was der Herr Rauscher da schreibt und er kriegt von mir ein grünes Stricherl.

Das Recht des Einen darf das Recht des anderen nicht
verletzen.
Die Zeitung erfährt durch die Spontanität und Emotionalität dieser Postings Leben

Harald Ecke1
 
00
23.7.2011, 11:30
Ich bitte die community um Verzeihung!

Oft nehme ich mir nicht die Zeit, Fehler durch zu schwach gedrückte Shift-Taste auszubessern. Ich habe gerade bei fast allen Postings eine ganze Menge Fehler bei der Großschreibung entdeckt (bei der täglichen Datenflut, die zu bewältigen ist, wenn mensch sich an Foren in bester Absicht beteiligt, lässt kaum die Zeit, vor dem Senden, auf Tippfehler hin Korrektur zu lesen).
Keinesfalls, will ich die werte Leserschaft damit geringschätzen!

gb12
10
15.7.2011, 23:03
Was früher Autoritäre Regime taten macht heute eine Zeitung die in Liberaler Tradition steht - Zensur

2 Jahrhunderte lang bekämpft heute wieder da - verinnerlicht sozusagen - Zensur - wohlbegründet wie eh und je. Eine verkehrte Welt in der wir leben -
Die Unterdrückung wird verinnerlicht.

perdolfo
00
postingtest

ok-ok-ok-ok-ok-ok

ramshackle
00
31.3.2011, 19:56

Kann man die "post-its" (Bild) irgendwo bekommen? Die sind "Sehr lässig!".

derStandard.at/Community
 
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Wir werden auf die Suche gehen. Vielleicht könnten Sie uns eine Mail mit Ihrer Adresse an foren@derStandard.at schicken - für den Fall, dass wir fündig werden. MfG

manfred maier
11
"gemeinsame" entwicklung......?

...ich erinnere mich zb an die anfänge des US terrorschlages gegen den irak (ich weiss: für sie noch immer "befreiung" unter negierung des völkerrechtes), als ich buchstäblich um jeden zweiten begriff ringen musste. (zb: "faschistoid geht, faschistisch nicht"....)....es dauerte vielleicht 2 jahre und zuschreibungen wie faschistisch, terrorstaat, etc. erwiesen sich als überhaupt kein problem mehr.
was die frage aufwirft, ob die red. dazugelernt hat, einfach offener gegenüberstandpunkten (auch extremen) wurde...?
als gesamtpaket stellen derstandard.at und sein forum ein (info)pakt dar, welche im deutschsprachigen raum unschlagbar ist.
dafür ein grosses kompliment und dies gilt es - trotz aller angesprochenen probleme - zu bewahren.

Porqué no te callas?
00

wenn du nur propaganda-kampfbegriffe verwenden kannst ist eine diskussion mit dir wahscheinlich eh nicht besonders interessant.

Dhimmi
21
24.2.2011, 16:48
"n jeder europäischen Wahlbevölkerung sind überdies 10-15 Prozent in unterschiedlichem Grad rechtsextrem eingestellt."

Das steht, wie meist, isoliert und an den Haaren herbeigeprügelt, in der Landschaft.
Sind sind ein Neurotiker, wissen Sie das?

Porqué no te callas?
00

denke mal dass die 9% für die fpö 2002 in etwa den rechtsradikalen grundstock repräsentiert.

Tschikist
00
21.3.2011, 17:27

Mir erschien das jetzt auch etwas hoch angesetzt, Und ich bin ein grüner Antifaschist mit jüdischer Abstammung

Wolfgang Pimminger
 
01
25.1.2011, 10:15
Sehr geehrter Herr Rauscher

Auf der Suche nach einer Kontaktmöglichkeit im Zusammenhang mit der Funktionalität des Forums bin ich heute auf Ihren Artikel gestossen. Auch wenn er schon älteren Datums ist, ist es mir ein Bedürfnis, darauf zu antworten.

Ich poste selbst seit vielen Jahren in verschiedenen Foren, häufig lese ich auch nur mit. Und manches läuft nicht so, wie sie es darstellen, anderes nicht so, wie ich es mir wünschen würde.

Daher werde ich mir erlauben, hier auf Ihren Artikel einzugehen und zu verschiedenen Punkten Stellung beziehen, in der Hoffnung, dass Sie zumindest mitlesen.

jo so is hoit amoi die postlermoderne
01
18.3.2011, 16:24
Sie haben das alles sehr gekonnt und höflich formuliert!

Toll!

Wolfgang Pimminger
 
00
25.1.2011, 19:26
Leserbriefe vs. Foren

Leserbriefe sollten die Meinung der Bevölkerung zum jeweiligen Artikel widerspiegeln und Kritik offenlegen, Foren dienen zwar auch diesem Zweck, sind darüberhinaus aber Diskussionsplattformen zum weiterführenden Meinungsaustausch. Zwei grundlegend verschiedene Ansätze, daher auch nicht vergleichbar, und der Umgang damit muss zwangsläufig ein völlig anderer sein. Die Entscheidung etwas erscheinen zu lassen, verhinderte früher zwar die Veröffentlichung von Extremmeinungen, Grund dafür war aber vorrangig Platzmangel. Unangenehmer Nebeneffekt: Zensur aufgrund der Ausrichtung des jeweiligen Blattes.

Wolfgang Pimminger
 
02
25.1.2011, 21:29
Zensur durch Software / Redakteure:

Zensur darf in einem Forum nur das allerletzte Mittel sein. Eine spitze Bemerkung gegen einen Mitposter wegen Gedankenlosigkeit ist etwas Anderes als die Verbreitung von Hassparolen. Ersteres kann einen zensierten Kraftausdruck enthalten, Letzeres wohlformuliert sein und damit der Zensur entgehen. Da zeigt sich dann schnell die Schwäche von Softwarelösungen. Mitlesen von Seiten des Herausgebers ist also durchaus gefragt, Moderation und Sperren sind mögliche Werkzeuge, Ordnungsrufe können sich durchaus direkt per Mail an den jeweiligen Poster richten.

Wolfgang Pimminger
 
03
25.1.2011, 22:47
Der Gesprächston:

Diskussionen - gerade über brisante Themen - verlaufen nunmal hitzig. Am Stammtisch genauso, wie in Foren. Auch der Ärger bleibt der gleiche. Wer damit nicht umgehen kann, sollte einer Diskussion fernbleiben, hier wie da. Geduld lohnt sich jedoch und so manche hitzige Phase kühlt sich schnell wieder ab. Und wer die Hitze ganz und gar nicht verträgt, hat immer noch die Möglichkeit, sich dem Feuer fernzuhalten. Ich jedenfalls begrüße leidenschaftlichen Einsatz für den eigenen Standpunkt, auch wenn's mal übers Ziel hinausschießt.

Wolfgang Pimminger
 
01
25.1.2011, 23:28
Orientierungshilfe:

Verhaltensoriginell bis verhaltensgestört - rechstextrem - überschneidend.

Da passt ihr Zusammenhang nicht, ganz und gar nicht. Eigentlich sollten Sie das selbst erkennen und der Eigenzensur unterwerfen, bevor's online geht.

Zwischen Extremismus und Verhaltensstörung eine Zusammenhang herzustellen mag noch angehen, aber wenn schon, dann bitte an beiden Enden der Meinungsvielfalt. Soviel Objektivität erwarte ich mir von einem gestandenen Redakteur. Originalität kommt jedoch von Querdenkern und die sind mitnichten extrem - weder rechts noch links.

Wolfgang Pimminger
 
01
25.1.2011, 23:34
Verschwörungstheoretiker:

So manche als solche hingestellte Poster sind einfach nur kritisch. Zu recht. Mauscheleien im Umfeld von Politik und Wirtschaft sind häufig selbst für den Dümmsten fühlbar, bloß eben für den Einzelnen nicht zu beweisen. Siehe beispielsweise Karl-Heinz (esguv) Grasser.

Sollte man jetzt wegen Beweismangel nicht darüber reden? Im Gegenteil! Einzig der Meinungsdruck der Bevölkerung kann hier vielleicht Abhilfe schaffen. Möglicherweise fühlt sich dadurch sogar jemand mit Faktenkenntnis ermutigt, an die Öffentlichkeit zu treten und einer Redaktion Unterlagen zuzuspielen.

Wolfgang Pimminger
 
12
26.1.2011, 00:09
Anonymität/Klagbarkeit:

Darüber muss sich jeder Einzelne klar werden, es hat Vor- und Nachteile. Im Laufe der Zeit verändert sich die Einstellung dazu. Heute poste ich immer häufiger unter meinem eigenen Namen, in Foren in denen ich unter einem Nick wohlbekannt bin nicht. Ich finde einfach, man sollte sich zu seiner Meinung bekennen, andererseits ensteht daraus auch eine gewisse Verpflichtung sich selbst gegenüber, insbesondere auch in der Wortwahl. Wünschenswert wäre allerdings, wenn ein mitpostender Redakteur sich als solcher zu erkennen gibt.

Wolfgang Pimminger
 
00
26.1.2011, 01:16
Interaktivität zwischen Journalist und Leser:

Kurz gesagt: Diese vermisse ich häufig. Im Bereich der herkömmlichen Tagesberichterstattung ist sie vielleicht auch nicht notwendig, wo aber ein Artikel die Meinung des Redakteur widerspiegelt, sehe ich die Beteiligung an der Diskussion als Muss an. Als Redakteur versteht sich und nicht als Moderator.

Wolfgang Pimminger
 
01
26.1.2011, 14:55
Kontrolle:

Ich bin immer wieder überrascht, wir rasch hierzulande der Ruf nach Kontrolle erschallt. Oder eigentlich doch nicht, als gelernter Österreicher habe ich damit ja erhebliche Erfahrung.

Ja, eine gewisse Kontrollfunktion ist zweifelsfrei notwendig, betrifft aber vorrangig nicht den Redakteur, sondern den Anbieter des Forums. Möglichkeiten: Siehe Zensur.

Selbstkontrolle ist wirkungsvoller und schafft einen Rahmen des respektvollen Gedankenaustauschs. Jedermann sollte jederzeit daran denken: Der andere ist auch ein Mensch und hat sowohl als solcher, als auch in seiner Meinung Respekt verdient. Und wer sich trotz aller guten Vorsätze mal ganz und gar daneben benommen hat: Ein Entschuldigung ist immer angebracht und tut auch nicht weh.

ElNino
11
23.1.2011, 20:25

danke lieber Standard, dass jeder 2 Post nicht aufscheint.

Eigentlich hab ich so wie Ihr, Meinungsfreiheit

motzmotz
01
14.1.2011, 19:48
wo kriegt man solche post-its? ich könnt das im büro brauchen

Wechselländer
00

Ich überlege, mich im "Krone"-forum anzumelden. Hat irgendwer Erfahrung damit? Dort muss doch ein tolles Revier für Kampfposter sein! ;)

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