Von Bruderladen zum Krankenkassendschungel

27. Oktober 2010, 16:47
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    foto: ap photo/matt sayles

    Sozialversicherungen sind solidarische Zusammenschlüsse. Dieses Prinzip verfolgten bereits Bergarbeiter im Mittelalter, als sie die "Bruderladen" gründeten.

Warum hat Österreich so viele Sozialversicherungen? derStandard.at hat nachgefragt

Die Versicherungsleistungen der heimischen Sozialversicherungen sind in die Sparten Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Unfallversicherung geteilt. Insgesamt gibt es 19 Krankenversicherungsträger, fünf Pensionsversicherungsträger und vier Unfallversicherungsträger.

User OttotheBusdriver möchte gerne wissen, warum Österreich so viele Sozialversicherungen hat. derStandard.at hat nachgefragt.

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Jedes Bundesland hat seine eigene Gebietskrankenkassa, dazu gibt es noch überregionale Versicherungsvertretungen, wie etwa die Sozialversicherungsanstalt der Bauern, die Versicherungsanstalt des Österreichischen Notariats oder die Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter. Hinzu kommen noch die Betriebskrankenkassen. So verfügen etwa die Wiener Verkehrsbetriebe oder die Austria Tabak über eigene Kassen. Alle Versicherungen verwalten sich selbst und werden vom Staat beaufsichtigt. 

22 Sozialversicherungsträger und 17 Krankenfürsorgeanstalten

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist die Dachorganisation dieser Sozialversicherungen. Er hat eine rechtssetzende und kontrollierende Funktion. Vertreter der Dienstnehmer- und Dienstgeber, SeniorInnen und Vertreter der Sozialversicherungsträger sitzen in den Gremien des Hauptverbandes, etwa der Trägerkonferenz.

Nicht dem Hauptverband angehörend sind die Krankenfürsorgeanstalten (KFA) für Landes- und Gemeindebeamte. Davon gibt es insgesamt 17 - zum Beispiel die KFA der Stadtgemeinde Baden. Oder die KFA der Bediensteten der Stadt Wien.

"Historisch gewachsen"

OttotheBusdriver hat also absolut recht - hierzulande gibt es viele Versicherungen. Warum? "Historisch gewachsen", sagt Dieter Holzweber, Pressesprecher des Hauptverbandes. Die ersten solidarischen Zusammenschlüsse im Sinne der Sozialversicherung reichen bis ins Mittelalter zurück. Der "Bruderladen" war etwa eine solche solidarische Gemeinschaft der Bergleute. Jäger hätten  andere Anforderungen in der Unfallprävention als Angestellte. Bauern wären bei Krankheit auf Betriebshilfe angewiesen, erklärt Holzweber die eigenen Versicherungen vieler Berufsstände.

Auch die kleinen KFA - etwa jene für die Gemeinde Baden - hätten ihre Berechtigung: "Der Verwaltungsaufwand pro Kopf ist für eine kleine KFA geringer, als etwa bei der Wiener Gebietskrankenkassa", so Holzweber. Die Pluralität im Wettbewerb sorge auch für eine gesunde Konkurrenz.

Warum etwa ein U-Bahnfahrer bei der Betriebskassa der Wiener Verkehrsbetriebe versichert ist und ein Gemeindebediensteter bei der KFA Wien? "Das ist auch historisch gewachsen," so Holzweber. Was eine Versicherung zu leisten hat, ist zum überwiegenden Teil im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) geregelt. Je nach finanzieller Lage der Versicherung gibt es noch Spielraum für Sonderleistungen. "Pflichtversicherte können bei ihrer Interessensvertretung auf die Durchsetzung ihrer Forderungen in der Trägerkonferenz pochen", sagt Holzweber. Nachsatz: Vorausgesetzt, sie wissen, wo sie versichert sind. Viele wüssten nämlich gar nicht, welcher Sozialversicherung sie angehören, so der Pressesprecher des Hauptverbandes. (burg/derStandard.at, 27. Oktober 2010)

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Posting 1 bis 25 von 50
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system1
00
3.11.2010, 12:43
warum bitte sehr

bekommt man von der wgk automatisch nach 2 krankenstandstagen (schnupfen) eine vorladung? termin in 14 tagen? wieviele solcher sinnloser briefe werden jährlich als schikanen für die versicherungszahler versendet? wieso wird jedem pauschal somit unterstellt, zu lügen? trotz offizieller krankmeldung durch den arzt? haben die KK kein vertrauen in die diagnosefähigkeiten der österr. ärzte? oder werden alle pauschal als verbrecher verdächtigt? bitte um aufklärung liebe staatsanwaltschaft.

Ulrich Nagel
00
6.11.2010, 09:14

Sind sie da jemals hingegangen. Ich war da immer schon laengst gesundgeschrieben, als der brief kam bzw zum untersuchungstermin. Allerdings hatte ich mir bei meiner heftigen darmgrippe ueberlegt, vielleich ein wenig beweismaterial in einem gurkenglas praeventiv hinzuschicken - ich war ziemlich fiebrig.

Freigeistin1
00
3.11.2010, 12:02

Abschaffen! Freie Versicherungswahl für freie Bürger!

The Tiger-Wuzz
00
30.10.2010, 19:50

Sind die österreichischen Angestellten der Unicredit immer noch bei der KFA versichert?
Früher hätte ich das ja eingesehen. Aber jetzt?

A. Raunzer
00
28.10.2010, 16:48
Das ist ja nur das halbe Problem

Alle Geldgeber des Gesundheitswesens sind am absoluten Limit der Leistungsfähigkeit. Ein Ausbau von Leistungen ist daher praktisch nicht möglich, auch dann nicht, wenn er volkswirtschaftlich sinnvoll wäre.

Beispiel: Verlagerung einer Leistung, die heute traditionell von einer Klinik erbracht wird, zu einem deutlich billigeren niedergelassenen Anbieter. Geht nicht. Warum? Weil diese Leistung für die Klinik eine cash cow ist und die Versicherungen keine neuen Tarife für den Niedergelassenen einführen.

Der Hauptverband weiß, dass man dieselben Leistungen um 15 - 20% billiger anbieten könnte. Das wären ca. 5 Mrd pro Jahr. Aber das System ist durch die zersplitterte Finanzierung KV-Länder-Gemeinden unreformierbar.

The Tiger-Wuzz
00
30.10.2010, 20:05
?

"Verlagerung einer Leistung, ..., zu einem deutlich billigeren niedergelassenen Anbieter"?

Schulunfall, äußerlich eine Prellung mit Bluterguß, also schmerzhaft, aber nicht weiter schlimm. Sohnemann, weil ohnehin ins Krankenhaus unterwegs, einfach mitgenommen. Keine Prellung (ja, das auch) sondern Knochenabsplitterung.
Wären wir zuerst zum niedergelassenen Arzt gegangen, es hätte um dessen Honorar mehr gekostet.....

Ich bin schon länger der Meinung, daß Spitalsambulanzen die bessere Variante sind. Denn wenns nichts ernstes ist, dann kosten sie auch nicht mehr als der Hausarzt. Wenns was ernstes ist, hat man sich den Hausarzt erspart...
Spitalsbesuch erfolgte übrigens bei jemandem, wo wir den Facharzt ausgelassen haben.

It'tksirkrk
00
1.11.2010, 19:30
...daß Spitalsambulanzen die bessere Variante sind. Denn wenns nichts ernstes ist, dann kosten sie auch nicht mehr als der Hausarzt.

Stimmt leider so nicht. Die Bereitstellung und Erhaltung der Infrastruktur für eine Spitalsambulanz ist wesentlich teurer als die Grundkosten für eine Facharztpraxis. Diese Kosten skalieren aber nicht linear sonder in Sprüngen.

The Tiger-Wuzz
00
2.11.2010, 12:21

Und wenn ich nicht hingehe, verschwindet die Spitalsambulanz im Nichts? Nein, die Fixkosten bleiben auch dann, sie verteilen sich dann eben auf mehr oder eben weniger Patienten. Und bei einer genügend großen Anzahl von Patienten ist die Chance auf Wirtschaftlichkeit jedenfalls größer, vor allem ist eine Spitalsambulanz ständig geöffnet und quasi eine Gemeinschaftspraxis mit kurzen Wegen....

Jo eh...
00
28.10.2010, 18:28

Man muss sich halt mal fragen ob es sinnvoll ist jedes Jahr mehr und mehr vom BIP für Gesundheit auszugeben. Sicher, die Ärzte freuen sich darüber, aber der Effekt auf unsere Gesundheit ist wohl minimal. Insofern muss man endlich mal den andauernden Leistungsausbau stoppen und sich auf jene Dinge konzentrieren sich auch wirklich große Effekte auf unsere Gesundheit haben. Wer trotz medizinischer Nichtnotwendigkeit einen Kaiserschnitt will soll bitte selbst dafür zahlen. Auch wenn das den Ärzten nicht gefallen wird denn die kassieren daran ordentlich dass man heute etliche Dinge macht die teuer sind aber medizinisch nicht notwendig.

Jo eh...
00
28.10.2010, 16:36

"Die Pluralität im Wettbewerb sorge auch für eine gesunde Konkurrenz."

Konkurrenz wenn man nicht wählen kann?! Komplett absurd!

hot doc
00
29.10.2010, 11:44

nein, aber der hauptverband kann vergleiche anstellen, und der einen kasse zeigen, was die andere seiner meinung nach besser macht. insofern ist es schon ein wettbewerb.

http://www.zpa.at
00
28.10.2010, 15:25
EINE FÜR ALLE !!!

Neutron2
01
28.10.2010, 14:43

Das ist ja wohl der unnötigste Artikel überhaupt.
Wie kann man sowas

"Die Pluralität im Wettbewerb sorge auch für eine gesunde Konkurrenz."

nur "drucken", ohne dann gleich nachgefragt zu haben wie das so mit der Wahlfreiheit, die ja Grundvoraussetzung für Wettbewerb, ist.

Gerhard Ziegler
00
28.10.2010, 15:25

werden Sie U-Bahn-Fahrer und schon haben Sie eine neue KK. Toll, was?

leitfaden
00
28.10.2010, 13:18

dieses durchaus interessante thema hätte man auch weniger oberflächlich abhandlen können.

boris2
00
28.10.2010, 16:59
Sie hätten einfach informativer posten können.

Schimpfen über mangelndes Service ist leicht. Haben Sie die Printausgabe gekauft? Wenn nicht, dann haben Sie keinen Anspruch auf ordentliche Recherche. In der Printausgabe steht mehr drin als im online Standard. Bei anderen Meinungsrubriken, haben Poster mehr Information geliefert, als im Bericht enthalten ist.

gottisttot
01
28.10.2010, 13:13

Auf den ganzen "historisch gewachsen" Blabla der eigentlich nichts zur Verbesserung der Lage beiträgt nun die Folgefrage:
Warum wird das nicht geändert? Nur weil einzelne Berufsgruppen kleine Besonderheiten bei den Leistungen haben brauchen wir nicht multiple Verwaltungsapparate.

Außerdem: Pluralität im Wettbewerb??? Seit wann kann ich mir aussuchen bei welcher Sozialversicherung ich pflichtversichert bin?

pep.
01
28.10.2010, 11:41
Die Bruderlade

... ist ein Femininum. Der Titel des Artikels müßte also entweder "Von den Bruderladen zum Krankenkassendschungel" oder "Von der Bruderlade zum ..." heißen.

Soph Isticus
10
28.10.2010, 17:04
das scheint ja gerade der (unbeabsichtigte?) Witz der Überschrift:

die Bruderlade ist ein Saftladen, = der Saftladen, ugs für lächerliche Geschäftsstelle.

jose luis schuster
00
28.10.2010, 10:54

auf durchsetzung seiner forderung kann man natürlich pochen.

bringen wirds halt nix.

franz der freie
 
01
28.10.2010, 10:26
wie sollte man sonst die privilegierten der allianz der unfähigen unterbringen ?

die haben ja nichts anderes gelernt, als es sich auf kosten anderer gut gehen zu lassen. ab und zu eine ansprache, danach ein leines buffet> eben aufreiben und stressen für die allgemeinheit.

Seria
03
28.10.2010, 09:16

Ö ist klein genug, daß man alles auf 3 bis 4 Gesellschaften reduzieren könnte, aber: wo bleiben die Funktionäre, die sich jetzt alle teuer selbst verwalten (auf Kosten der Versicherten)

Franz Schwingenschrot
07
28.10.2010, 08:49
Vielfalt

Viele Krankenkassen heißt viele Vorstände und Aufsichtsräte, die sich aus abgehalfterten Politzombies rekrutieren.
http://gedaunknsplitta.blog.de

ChristianderGuru
00
28.10.2010, 16:45
Polit- , Gewerkschafts- und Kammerzombies der Vollständigkeit halber!

Wolfgang M. BUCHTA
 
02
28.10.2010, 08:47
Die Pluralität im Wettbewerb sorge auch für eine gesunde Konkurrenz.

Und wo genau bitte, gibt es Konkurrenz? Wer genau knn sich aussuchen, zu welcher Pflichtversicherung er geht?

So ein schönfärberischer Blödsinn!

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