Warum hat Österreich so viele Sozialversicherungen? derStandard.at hat nachgefragt
Die Versicherungsleistungen der heimischen Sozialversicherungen sind in die Sparten Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Unfallversicherung geteilt. Insgesamt gibt es 19 Krankenversicherungsträger, fünf Pensionsversicherungsträger und vier Unfallversicherungsträger.
User OttotheBusdriver möchte gerne wissen, warum Österreich so
viele Sozialversicherungen hat. derStandard.at hat nachgefragt.
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Jedes Bundesland hat seine eigene Gebietskrankenkassa, dazu gibt es noch überregionale Versicherungsvertretungen, wie etwa die Sozialversicherungsanstalt der Bauern, die Versicherungsanstalt des Österreichischen Notariats oder die Versicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter. Hinzu kommen noch die Betriebskrankenkassen. So verfügen etwa die Wiener Verkehrsbetriebe oder die Austria Tabak über eigene Kassen. Alle Versicherungen verwalten sich selbst und werden vom Staat beaufsichtigt.
22 Sozialversicherungsträger und 17 Krankenfürsorgeanstalten
Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ist die Dachorganisation dieser Sozialversicherungen. Er hat eine rechtssetzende und kontrollierende Funktion. Vertreter der Dienstnehmer- und Dienstgeber, SeniorInnen und Vertreter der Sozialversicherungsträger sitzen in den Gremien des Hauptverbandes, etwa der Trägerkonferenz.
Nicht dem Hauptverband angehörend sind die Krankenfürsorgeanstalten (KFA) für Landes- und Gemeindebeamte. Davon gibt es insgesamt 17 - zum Beispiel die KFA der Stadtgemeinde Baden. Oder die KFA der Bediensteten der Stadt Wien.
"Historisch gewachsen"
OttotheBusdriver hat also absolut recht - hierzulande gibt es viele Versicherungen. Warum? "Historisch gewachsen", sagt Dieter Holzweber, Pressesprecher des Hauptverbandes. Die ersten solidarischen Zusammenschlüsse im Sinne der Sozialversicherung reichen bis ins Mittelalter zurück. Der "Bruderladen" war etwa eine solche solidarische Gemeinschaft der Bergleute. Jäger hätten andere Anforderungen in der Unfallprävention als Angestellte. Bauern wären bei Krankheit auf Betriebshilfe angewiesen, erklärt Holzweber die eigenen Versicherungen vieler Berufsstände.
Auch die kleinen KFA - etwa jene für die Gemeinde Baden - hätten ihre Berechtigung: "Der Verwaltungsaufwand pro Kopf ist für eine kleine KFA geringer, als etwa bei der Wiener Gebietskrankenkassa", so Holzweber. Die Pluralität im Wettbewerb sorge auch für eine gesunde Konkurrenz.
Warum etwa ein U-Bahnfahrer bei der Betriebskassa der Wiener Verkehrsbetriebe versichert ist und ein Gemeindebediensteter bei der KFA Wien? "Das ist auch historisch gewachsen," so Holzweber. Was eine Versicherung zu leisten hat, ist zum überwiegenden Teil im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) geregelt. Je nach finanzieller Lage der Versicherung gibt es noch Spielraum für Sonderleistungen. "Pflichtversicherte können bei ihrer Interessensvertretung auf die Durchsetzung ihrer Forderungen in der Trägerkonferenz pochen", sagt Holzweber. Nachsatz: Vorausgesetzt, sie wissen, wo sie versichert sind. Viele wüssten nämlich gar nicht, welcher Sozialversicherung sie angehören, so der Pressesprecher des Hauptverbandes. (burg/derStandard.at, 27. Oktober 2010)
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