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Der Star eines Flohzirkus bei einem Festival in Edinburgh
Sie können das Dreifache ihres Eigengewichts ziehen, auf Drähten balancieren und Ball spielen - das macht sie fast schon liebenswert. Auch süß, aber weniger sympathisch ist hingegen die Art ihrer Nahrungsaufnahme: Flöhe saugen Blut um zu überleben und sich fortzupflanzen - und auch um die erwähnten Kunststücke durchführen zu können. Abseits vom Flohzirkus ist der Floh ein Insekt, das Tiere und in weiterer Folge Menschen sehr zu Leibe rücken kann. Der Menschenfloh, der früher die Pest übertragen hat, ist heute in unseren Breiten kaum noch in Menschennähe anzutreffen.
"Pulex irritans hat sich aufgrund der veränderten Hygiene- und Lebensbedingungen einen anderen Hauptwirt gesucht - den Fuchs und kommt in Europa selten vor", weiß Michael Löwenstein vom Institut für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Zu ihm kommen Menschen, wenn sie wissen wollen mit welchen Flöhen sie es zu tun haben. In Wien und Umgebung sind das immerhin rund zehn verzweifelte Anfragen pro Saison - meist Fälle wo der Tierarzt nicht weiter weiß.
YouTube-Video eines der letzten Exemplare eines Flohzirkus
Vom Tier auf den Menschen
Wenn heute in Wohnungen Probleme mit Flöhen auftreten, handelt es sich um Hunde- oder Katzenflöhe, die auch Menschen befallen. Was viele nicht wissen: "Auch Vogelflöhe sind häusliche Plagegeister und sind oft Tatbestand so manchen Nachbarschaftsstreits", so der Parasitenexperte. Der Grund: Werden die Jungvögel flügge, attackieren die Insekten auf der Suche nach neuen Wirten auch Menschen - mit der Hygiene des nachbarschaftlichen Haushalts hat das gar nichts zu tun. Dasselbe Problem kann auch in Häusern auftreten, wo Vögel im Dachboden nisten.
Hunde- oder Katzenflöhe gehen ebenfalls dann auf Nahrungssuche beim Menschen, wenn entweder der ursprüngliche Wirt nicht mehr da oder die Population schon derart groß ist, dass mehr Wirte benötigt werden. Löwenstein kennt das Problem: "Haustierhalter bemerken den Befall ihrer Tiere oft erst dann, wenn das Tier auf einer Pflegestation oder im Urlaub bei Verwandten ist. In der Wohnung verbleiben dann Eier, Larven und Puppen ohne Wirt und warten bis endlich ein Opfer auftaucht. Sie fallen dann über den Menschen her."
Lästige Bisse
"Flöhe können Bandwürmer auf Tiere übertragen, auf den Menschen übertragen sie normalerweise keine Krankheiten", weiß Löwenstein. Früher haben Menschenflöhe die Pest und Fleckfieber übertragen, aber das ist Vergangenheit. Die Reaktion auf Flohbisse sei ähnlich jener auf Gelsenstiche. Wie bei jedem Insektenstich sei eine mehr oder weniger harmlose Infektion mit Streptokokken möglich, wenn die juckende Stelle aufgekratzt wird. Auch wenn sich die Gesundheitsgefahr für den Menschen in Grenzen hält: Lästig sind die Attacken schon: die Flöhe beißen gleich bis zu drei Mal hintereinander zu. Sie überleben rund 100 Tage und die Weibchen legen bis zu 20 Eier täglich. Die Taktik des Ignorierens geht da nicht auf.
Wie ein lebendiger Salzstreuer
Die Eier sind auch bald und recht effektiv verteilt: "Die Haustiere, an denen die Eier kleben, fegen wie Salzstreuer durch die Wohnung und kontaminieren sie. Die Nachkommen der Insekten rieseln einfach vom Wirt. Dort wo der Hund liegt, im Körbchen oder auch im Bett, befinden sich besonders viele Eier, die sich später verpuppen", erklärt der Tiermediziner. Tiere im Bett schlafen zu lassen ist daher nicht zu empfehlen.
Therapie und Prophylaxe
Ist die eigene Wohnung erst einmal befallen, hilft teilweise der Staubsauger, aber um den Einsatz chemischer Mittel kommt man bei der Floh-Bekämpfung nicht herum: " Bei Hunde- und Katzenflöhen reicht es meist aus die Wohnung auszusprayen. So genannte 'Fogger' stellt man in die Mitte eines Raumes, zieht an der Dose und verlässt den Raum", erklärt Löwenstein eine der Vorgehensweisen. Bei Vogelflöhen ist die Sache aufwändiger: die Einschlupflöcher für die Vögel müssen weg und sämtliche Ritzen ausfindig gemacht werden.
Mit Pulver gefüllte Flohhalsbänder und Flohshampoos zur Prophylaxe seien heute veraltet, meint der Experte. Besser sind kleine Tuben, die im Nacken der Tiere aufgetragen werden und sich über den ganzen Körper verteilen. Tabletten - so genannte 'insect grow regulators' - verhindern, dass sich Eier weiterentwickeln können, weil sie die Chitinsynthese stören. Die ganze Prozedur ist meist in einer Woche erledigt, dann sind sämtliche Populationen abgestorben. Wichtig ist, dass Wohnung und Haustier gleichzeitig behandelt werden. Dann heißt es hoffen, dass lange Zeit Ruhe herrscht und die Plagegeister höchstens im Flohzirkus akrobatisch anzutreffen sind. (Marietta Türk, derStandard.at, 03.11.2010)
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