Navis, die Umsteigen auf Öffis vorschlagen

27. Oktober 2010, 09:20
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Intelligente Verkehrssysteme geben nicht nur Stauwarnungen, sondern schlagen auch alternative Wege und Verkehrsmittel vor

Intelligente Verkehrssysteme (ITS) sollen Menschen und Güter sicherer, schneller, effizienter und umweltfreundlicher ans Ziel bringen. Autofahrerer sollen so früh als möglich vor Gefahrensituationen gewarnt, Staus vermieden, Güter auf dem effektivsten Weg an ihr Ziel geleitet werden - dies sind nur einige der Szenarien, die die auch unter Telematik bekannten Verkehrssysteme realisieren sollen.

Konzentrierten sich in vergangenen Jahren die Akteure vom Autohersteller bis zu den Straßenbetreibern weitgehend auf isolierte Lösungen für den jeweils eigenen Bereich, zeigt der Weltkongress für ITS-Systeme im koreanischen Busan einen neuen Trend: Autos sollen künftig nicht nur untereinander kommunizieren (Car-to-Car-Communication), sondern auch mit der Straße (Car-to-Infrastructure).

Szenario

Etwa in diesen Szenarien: Nähert sich ein Autofahrer einer Baustelle, übermittelt ihm ein Kommunikationsgerät am Straßenrand in Echtzeit Infos über Speedlimits, Reduzierung der Fahrspuren und andere Daten über eine angepasste Fahrweise ans Navi. Bei Stau erhalten Fahrerin und Fahrer rechtzeitig alternative Routenvorschläge - die auch andere Verkehrsmittel inkludieren können, etwa der Vorschlag, am nächstgelegenen Bahnhof einen passenden Zug zu nehmen, um einen Termin einhalten zu können.

Bei einer Panne sendet das Fahrzeug exakte Positionsdaten, Autos nehmen diese im Vorbeifahren auf und senden diese an andere Verkehrsteilnehmer und die Verkehrszentrale weiter.

Individuell angepasst

"Zielgerichtete, individuell angepasste und automatisierte Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Straße werden den Verkehr in naher Zukunft sicherer machen", sagt Martin Böhm von AustriaTech. In dem EU-weiten Projekt Coopers (Cooperative Systems for Intelligent Road Saftety), das die Tochter des BMVIT (Verkehrs- und Infrastrukturministerium) koordinierte, wurde die Technologie für die Straße-Auto-Kommunikation bereits erfolgreich getestet. Eine der noch ungelösten Fragen ist, wer letztlich für die Korrektheit der übermittelten Daten Verantwortung trägt.

Ein anderes Thema in Busan ist E-Mobility. Prognosen zufolge sollen 2020 zehn Prozent aller Autos weltweit Elektrofahrzeuge sein. Als großer Treiber gilt hier China. Da Elektroautos über eine relativ geringe Reichweite verfügen, arbeiten Unternehmen wie Siemens Österreich an intelligenten Navigationssystemen, die über Ladestand und auf der Strecke liegende Ladestationen informieren. Das System schlägt auch Routen vor, die besonders energieraubende steile Strecken umgehen. Eine der Voraussetzungen dafür ist dreidimensionales Kartenmaterial. E-Mobility ist auch einer der Schwerpunkte auf der ITS 2012, die erstmals in Wien auf Einladung des Verkehrsministeriums stattfindet.

Umsteigen

Das Thema intelligente Verkehrssysteme umfasst aber auch Anreize, wie man Autofahrern den Umstieg auf Öffis schmackhaft machen kann. In den Ballungsräumen von Seoul und Busan etwa gibt es schon etliche Jahre eine sogenannte Electronic Fare Collection Card, die zum Bezahlen für Bus-, U-Bahn- und Taxifahrten sowie zum Parken verwendet werden kann.

Verkehrstelematik findet sich zunehmend in Smartphone-Apps: Spät, aber doch, bietet der heimische Straßenbetreiber Asfinag bis Ende des Jahres seine Infos auch mobil an. Neben Tankstellen- und Verkehrsinformationen wird es auch die Möglichkeit geben, sich vom Handy aus via Webcams über die Verkehrslage zu informieren. (Karin Tzschentke aus Busan, DER STANDARD/Printausgabe, 27.10.2010)

  • Es staut,was tun?Nichts wie raus aus dem Auto und rein in die Bahn. Intelligente Verkehrssysteme sollen künftig integriert denken.
    foto: austriatech

    Es staut,
    was tun?
    Nichts wie raus aus dem Auto und rein in die Bahn. Intelligente Verkehrssysteme sollen künftig integriert denken.

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