Touren durchs Gelände

27. Oktober 2010, 16:52
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Einige Hüttenwirte können jeden Tag testen, was sie selbst können und was ihr Geländewagen wegsteckt. Während einer Offroad-Tour können das aber auch jene, die nicht exponiert leben

Alle vier Räder graben sich durch den Schlamm. Jetzt nur keinen Fehler machen, weil wenn du da aus dem Auto musst, stehst du im Idealfall so tief im Schlamm, dass es dir den Dreck nur bei den Schuhen oben reindrückt. Wenn du dann auch noch unachtsam bist, liegst du ausgebreitet in der Letten und gönnst dir eine Schlammpackung, die dich auch noch beim Trinken mit den Zähnen knirschen lässt. Adrenalin rinnt durch die Adern, das Gesicht ist zu einer seltsamen Fratze verzogen, als ob man so den blubbernden Jeep dazu überreden könnte, sich durch den Schlamm zu fräsen.

Kaum lässt die Spannung nach, explodiert eine Schlammfontäne und schmiert die komplette Windschutzscheibe zu. Für einen Moment sieht man gerade einmal die ruhenden Scheibenwischer, und es scheint eine halbe Ewigkeit zu dauern, bis man den Schalter findet, der langsam wieder für Licht im Cockpit sorgt. Genauso langsam verstummt das enervierende Geschrei im Jeep, das nicht von einer der Sperren, sondern direkt aus dem aufgerissenen Maul des Piloten kommt.

Schlechte Aussichten

Der Schrei ist eine Mischung aus dem Kampfgebrüll, mit dem sich ein bodenständiger Genießer auf ein T-Bone-Steak einstimmt, und dem Gewinsel, das uns vor wenigen Minuten über die Steilabfahrt begleitet hat. Du sitzt im Auto, siehst vor dir nur die Schnauze des Geländewagens und dann, weit weg, den Horizont. Der eine Fuß presst sich auf die Bremse, der andere auf die Kupplung, und es fällt richtig schwer, den Druck zu lösen – obwohl es hier genügt, die Füße von den Pedalen zu nehmen und den Jeep mit eingelegtem Gang den Hang runterfahren zu lassen.

Als die Front über die Kuppe kommt, wird das Heck leicht, die Räder knirschen den Hang hinunter. Der Wagen entwickelt ein Eigenleben, jetzt nur nicht gegen das Gefälle lenken. Die Hände am Lenker zeigen bei den Knöcheln schon blendendes Weiß. Das heldenhafte Gehabe musste schon kurz nach dem Einsteigen einer gewissen Demut weichen und wird auch erst am Abend beim Essen wiederkommen.

Hüttenwirte, Förster und Geländeprofis zucken mit keiner Wimper, wenn Offroad-Neulinge bereits um ihr Leben bangen. Nur Wasserdurchfahrten sind für alle ein Nervenkitzel. Obwohl es nicht viel bringt, sich auf einen Boden zu konzentrieren, den man eh nicht sieht.

Die Tourenabieter

In Klein Pöchlarn startet rent-a-jeep seine Offroad-Touren ins ungarische Outback. Sanddünen, Schlammpassagen und Wasserdurchfahrten sind die Herausforderungen – weniger für den 180 PS starken Jeep Wrangler als für den Fahrer. Instruktoren führen durch das Gelände und steigern je nach Können der Teilnehmer den Schwierigkeitsgrad – bis zur Sonderprüfung, bei welcher der Instruktor eine Flasche auf die Haube des Wagens stellt, mit der man dann einen Parcours fahren muss, ohne dass sie runterfällt.

Rent a Jeep-Veranstalter Harald Schmid hat für 2011 keine Fix-Termine für seine Jeep-Tour – er bietet sie nächstes Jahr auf Anfrage an. Auch Alpen-Adria Abenteuer-Reisen und einige Offroad-Clubs haben Touren in diesem Offroad-Park im Programm – oder man bucht direkt im Off-Road-Center-Acs, die ebenfalls Leihfahrzeuge und geführte Touren anbieten.

Ein- bis Sieben-Tages-Touren bietet roadbooktour.at an, ein Projekt vom Offroadclub Austria. Die Touren finden in Österreich, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und im Gebiet Frankreich/Italien statt.

Auf Sardinien fährt motorevents.at. Uralte Passstraßen, die schon die Römer nutzten, bilden dort den Abenteuer-Spielplatz der Offroader – sieht man von der schönen Landschaft und dem Meer als Glückshormon-Spender einmal ab.

Der 4x4 Club Salzburg nimmt den Offroadpark in Ampfelwang unter die Räder, der 4x4 Club Amstetten Ardagger fährt direkt in Amstetten und 4x4 Winter fährt rund um den Wolfgangsee.

  • Abfahrten sind Nervenkitzel pur. Meist reicht es aber aus, einfach den ersten Gang einzulegen und die Motorbremse alle Arbeit machen zu lassen. Lenken ist anstrengend genug.
    foto: jeep

    Abfahrten sind Nervenkitzel pur. Meist reicht es aber aus, einfach den ersten Gang einzulegen und die Motorbremse alle Arbeit machen zu lassen. Lenken ist anstrengend genug.

  • Gerade Auffahrten gehen ja gerade noch. Aber ist dann auch noch eine Kurve drinnen und der Jeep kommt nur mehr mit drei Rädern bis zum Boden, dann werden die Hände schon einmal schwitzig.
    foto: jeep

    Gerade Auffahrten gehen ja gerade noch. Aber ist dann auch noch eine Kurve drinnen und der Jeep kommt nur mehr mit drei Rädern bis zum Boden, dann werden die Hände schon einmal schwitzig.

  • Förster, Jäger und Hüttenwirte schaffen es schnell einmal ins Gelände. Für Stadtkinder gibt es aber eine Reihe von Anbietern diverser Offroad-Touren.
    foto: jeep

    Förster, Jäger und Hüttenwirte schaffen es schnell einmal ins Gelände. Für Stadtkinder gibt es aber eine Reihe von Anbietern diverser Offroad-Touren.

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