"Marshallplan" für den Irak

2. Mai 2003, 16:44
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Wirtschaftsforscher für rasche Hilfe - Belastung des US-Haushalts mit jener des Vietnamkriegs vergleichbar - Aufbau: Bis zu 100 Milliarden Dollar

Berlin - Trotz der relativ schnellen militärischen Entscheidung im Irak sind die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Krieges bedeutend. Das erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Freitag in Berlin in seinem Wochenbericht. So sei die jährliche Belastung des US-Haushalts durch die Militärausgaben für den Irak-Krieg - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - vergleichbar mit der damaligen Belastung durch den Vietnamkrieg.

Es gebe aber auch indirekte Belastungen im Gefolge des Irak-Konflikts, die mit der Unsicherheit von Investoren und Verbrauchern zu tun hätten und die negativen Effekte des internationalen Terrorismus verstärkten. Die Wirtschaftsforscher sprachen sich deshalb für einen "Marshallplan" mit den vier Elementen Friedenssicherung, Entschuldung, Wiederaufbau und Selbstbestimmung aus, der den Irak zu Stabilität und Wachstum führen und zugleich dem weltweiten Vertrauensschwund entgegenwirken könnte.

"Dramatische Wirtschaftskrise schon vor dem Krieg"

Die irakischen Auslandsschulden belaufen sich den Angaben zufolge auf 65 Mrd. bis 83 Mrd. Dollar (58,4 Mrd. Euro bis 74,6 Mrd. Euro), was jährliche Zinsforderungen von über 5 Mrd. Dollar mit sich bringe. "Der Irak steckte also schon lange vor Kriegsbeginn in einer dramatischen Wirtschaftskrise, die ein Regimewechsel allein nicht lösen kann", betonte das DIW. Das Land könne seine Erdölproduktion bis zum Jahr 2005 allmählich auf etwa 3,4 Millionen Barrel pro Tag aufstocken. Dies erfordere auf der Grundlage sicherer Investitionsbedingungen langfristige Investitionen privater Firmen und des irakischen Staates. "Die Erlöse daraus stehen aber nicht ausschließlich zum Wiederaufbau der sozialen, institutionellen und wirtschaftlichen Infrastruktur oder zum Schuldenabbau zur Verfügung, weil sie auch zur Amortisierung des Kapitals dienen", erklärt das Institut weiter.

Die Kosten für die Wiederherstellung der öffentlichen Infrastruktur sowie für die humanitäre Hilfe zu Gunsten der Zivilbevölkerung werden den Angaben zufolge auf 25 Mrd. bis 100 Mrd. Dollar beziehungsweise auf bis zu 10 Mrd. Dollar geschätzt. "In Anbetracht der hohen Wiederaufbaukosten im Verhältnis zur irakischen Wertschöpfung und der bereits beträchtlichen Auslandsverschuldung des Irak muss der Wiederaufbau zu einem großen Teil über Entwicklungshilfe finanziert werden", erklären die Berliner Wirtschaftsexperten.(APA/AP)

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DIW
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    foto: derstandard.at/montage
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