24 Prozent Wechselwähler bei der letzten Nationalratswahl

2. Mai 2003, 12:50
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Höchster Wert der Zweiten Republik - Vor allem Schüssel profitierte - mit Infografik

Wien - Die Nationalratswahl 2002 war für die Politikwissenschaft Fritz Plasser und Peter Ulram der "bisherige Höhepunkt wahlpolitischer Mobilität". Knapp ein halbes Jahr nach der Wahl präsentierten sie am Freitag ihre ausführlichen Analysen zum Wahlverhalten der Österreicher. 24 Prozent haben sich demnach für eine andere Partei entschieden als noch bei der Wahl 1999. Das sei der höchste Wert an Wechselwählern in der Zweiten Republik. Profitiert hatte davon erwartungsgemäß vor allem die ÖVP.

Immer mehr Spätentscheider

Bei der Wahl 1975 änderten im Vergleich dazu nur drei Prozent ihr Wahlverhalten. Weiter angestiegen ist auch die Zahl der "Spätentscheider". Legten sich 1975 nur fünf Prozent der Wahlberechtigten in der Schlussphase des Wahlkampfes auf eine Partei fest, waren es 2002 bereits 23 Prozent.

FPÖ stürzt ab

Verloren hat durch die hohe Zahl an Wechselwählern vor allem die FPÖ. Im Vergleich zu 1999 haben 633.000 FPÖ-Wähler zum Regierungspartner ÖVP gewechselt. 148.000 ehemalige FP-Sympathisanten sind zur SPÖ gewechselt. Bemerkenswert sei auch, dass rund 140.000 Wähler, die diesmal von der FPÖ zur ÖVP gewechselt sind, Anfang der 90er Jahre noch SPÖ-Wähler waren, meinte Plasser.

Festzustellen sei auch eine weitere Polarisierung im Wahlverhalten der Arbeiter, stellte Plasser fest. 2002 musste die FPÖ, die bei den Wahlen zuvor immer mehr Arbeiter mobilisieren konnte, ihre schwersten Stimmenverluste bei dieser Gruppe hinnehmen. Statt 47 Prozent wie noch 1999 wählen nur mehr 16 Prozent der Arbeiter die FPÖ. Bei den Arbeiterinnen zeigt sich dieser Trend noch stärker. Jede zweite Arbeiterin entschied sich 2002 für die SPÖ, jede dritte wählte die ÖVP und nur neun Prozent wählten die Freiheitlichen.

TV-Duelle immer wichtiger

Einen durchaus signifikanten Einfluss attestieren die Politwissenschaftler den TV-Konfrontationen. Sie hätten die Wahl zwar nicht entschieden, aber sehr wohl Einfluss auf der "funktionalen Ebene". Fünf Prozent der Wähler haben nach den Fernsehdiskussionen eine andere Partei gewählt, als sie ursprünglich wollten. 40 Prozent gaben an, in ihrer persönlichen Entscheidungsfindung bestärkt worden zu sein, 12 Prozent der Seher gaben aber auch an, zumindest temporär in ihrer Meinung verunsichert worden zu sein.

Vergrößert habe sich bei der letzten Wahl auch die "Geschlechterkluft". Frauen wählen demnach tendenziell häufiger grün, Männer eher die FPÖ. Bei den Männern kommt eine ÖVP-FPÖ-Regierung aus 56 Prozent Unterstützung, bei den Frauen liegt hingegen eine rot-grüne Koalition mit 50 Prozent vor einer schwarz-blauen (48 Prozent). (APA)

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    Frauen wählen tendenziell häufiger grün, Männer eher die FPÖ

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