Wer hörte "Rosebud"?

3. Mai 2003, 19:00
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Pannen, Logikfehler, falsche Schnitte - "Das große Filmfehler-Buch" listet sie auf

Wien - Leichen können durchaus ein Eigenleben entwickeln: Zumindest in Richard Donners "Assassins" wechselt ein eigentlich lebloser Körper von einer Szene zur nächsten die Position. "Das große Filmfehler-Buch" (Ueberreuter) listet derartige Pannen auf. Harry Bittkowski hat erstaunlich viele Ungereimtheiten in Hits wie "Basic Instinct", "Der Exorzist" oder "Die Firma" gefunden. Selbst Orson Wells konnte peinliche Pannen nicht vermeiden.

"Fehler ist nicht gleich Fehler"

"Fehler ist nicht gleich Fehler" - nach diesem Motto unterscheidet der Autor des ungewöhnlichen Lexikons zwischen faktischen Hoppalas, Anachronismen, falschen Übersetzungen, verpassten Pointen etc. Außerdem liefert er in den Rubriken "Zusatzinformation" und "Hinter den Kulissen" Wissenswertes und Anekdoten zu den Produktion.

Bei den Fehlern wurden nur solche berücksichtigt, die auch für den Laien logisch sind. Ein Beispiel aus "Alien": Während die Mannschaft eines Raumschiffs noch im Hyperschlaf liegt, fährt die Kamera durch den Computerraum. Dann kommt sie kurz zum Halt und zeigt einen kleinen Holzspecht. Der hämmert - was er gar nicht dürfte. Das Wasser, in das er seinen Schnabel tauchen muss, um funktionsfähig zu sein, wäre bei einer so langen Reise durch das All nämlich längst verdunstet.

"Erwähnen Sie das bloß nie anderen gegenüber"

Leichter zu entdecken ist folgende Ungereimtheit: In "Basic Instinct" hält Sharon Stone beim Verhör die Zigarette abwechselnd in der linken und in der rechten Hand - allerdings ohne sich bewegt zu haben. Ein Anschlussfehler aus "Casino" von Martin Scorsese: Als einer der Protagonisten in einen Krankenwagen geschoben wird, meint der Fahrer zu Verletzten, er habe großes Glück gehabt. Was tatsächlich stimmt, denn der Wagen des Opfers war am helllichten Tag explodiert, die beschriebene Szene fand jedoch nachts statt...

"Citizen Kane" gilt als einer der besten Filme aller Zeiten. Dass Koffer wie von Geisterhand in ein und der selben Einstellung einmal geöffnet und dann wieder geschlossen herumstehen, ändert nichts an der Qualität des Werkes. Die Frage, wie Kanes letztes Wort ("Rosebud") bekannt werden konnte, obwohl er allein starb, wurde Orson Wells von einem Freund gestellt. "Erwähnen Sie das bloß nie anderen gegenüber", soll das Genie geantwortet haben.

Lesevergnügen

Harry Bittkowski ist nicht pingelig und spielt sich auch nicht als Oberlehrer auf. Seine Auflistungen sind amüsant und unterhaltsam. Und der Kinofan weiß, dass nicht alle Fehler unbeabsichtigt sind: "Wenn in einem oder anderen Film das Licht ausgeht, fänden Sie es bestimmt nicht lustig, wenn im Dunkeln weitergedreht werden würde", schreibt er zum Beispiel in der Einführung. (APA)

Harry Bittkowski, "Das große Filmfehler-Buch", Verlag Ueberreuter, Wien 2003, 272 Seiten, 19,95 Euro
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    Ausschnitt aus einem Plakat zu "Citizen Kane"

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