Österreich-Verdichtung

26. Oktober 2010, 19:35
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Wenn Österreich zur Selbstfeier in den medialen Spiegel schaut, schauen durchwegs übliche Verdächtige zurück

Wenn Österreich zur Selbstfeier in den medialen Spiegel schaut, schauen durchwegs übliche Verdächtige zurück. Immerhin streute der ORF aber noch eine Doku über "Vergessene Pioniere" in der Erhaltung österreichbezogener Ton- und Bilddokumente und frühe Heimatklänge (Brahms' "Ungarische Tänze", orchestriert vom Tschechen Antonín Dvoøák) um den Hauptschauplatz alpenländischer Nachkriegsvergnügung, den "Frühschoppen". Das Erste blickte aus stereotyper Perspektive mit "Amadeus" über die Grenze, 3sat gab uns mit einem Thementag voll Hans Moser, Peter Rosegger, Sisi und Opus volle Breitseite, schob dazwischen aber auch weniger Vordergründiges ein. ATV hat sich nicht viel überlegt, eventuell könnte man "Ali Baba und die 40 Räuber" als politischen Kommentar verstehen.

Eine der witzigsten und direktesten Betrachtungen des Österreicherseins bot der ORF aber schon Montagabend mit der Versammlung heimischer Dia- und Soziolekte unter der hochdeutschen Wortführerschaft Dirk Stermanns in "Österreich sucht den Super-Dialekt". (nachzusehen auf tvthek.orf.at) Da kamen ein frecher Geschichtestudent und Krowodn-Rocker, der "nach österreichischer Tradition seine Freizeit schon seit einigen Jahren im Keller verbringt" mit allerlei ehrwürdigen Mundartreferenten vom Stubaital bis nach Mühlbach in Niederösterreich zusammen, da wurde ein Ehegelübte auf Türkendeutsch dargebracht ("wenn dich einer fetzt, ich fetz für dich ... nimmst du diese Ring, Oida ...") und Artikel 7 der Bundesverfassung auf Kärntnerisch vorgetragen, besonders rührend. Bei der einheitsstiftenden Satire zur sprachlichen Vielfalt des Landes kam richtiges Österreich-Gefühl auf. Ois don. Pfiat enk. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 27.10.2010

  • Am Heldenplatz wurde der Nationalfeiertag begangen.
    foto: dpad/punz

    Am Heldenplatz wurde der Nationalfeiertag begangen.

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