Sparpaket unter Beschuss

Wertpapier-Steuer trifft auch Fonds

26. Oktober 2010, 18:34

Anleger sind empört - Raiffeisen-Analyst sieht schweren Schlag für Wiener Börse - Banken rechnen noch an Belastungen durch Bankenabgabe

Wien - Die von der Regierung paktierte Besteuerung realisierter Kursgewinne hat es in sich. Entgegen ersten Interpretationen sind nicht nur Privatanleger direkt von der nun Wertpapier-Kapitalertragsteuer getauften Belastung betroffen, sondern auch Fonds. Wie der Sprecher des Finanzministeriums, Harald Waiglein, klarstellt, falle die 25-prozentige Abgabe überall an, wo Gewinne lukriert werden. Ausgenommen seien nur Vorsorgeprodukte, die bereits jetzt von der KESt ausgenommen sind.

Das treffe beispielsweise auf die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge oder die Pensionskassen zu. Aufpassen müssen Anleger, die bei ihrer Bank ein Vorsorgeprodukt gekauft haben, das rein rechtlich aber nicht in die genannten Kategorien fällt.

Gültig bei Investments ab 2011

Erfasst werden alle Arten von Wertpapieren, neben Aktien also auch Anleihen oder Derivate. Bei Fonds, die derzeit einer fünfprozentigen Substanzbesteuerung unterliegen, wird das Prozedere wie folgt aussehen: Die Kapitalanlagegesellschaft ermittelt stichtagsbezogen den Saldo aus Gewinnen und Verlusten aus Transaktionen und führt bei positivem Überhang 25 Prozent ab. Der Anleger muss dann die zwischen dem Stichtag des Fondsanbieters und dem Verkauf angefallenen Kurssteigerungen selbst versteuern. Insgesamt erhofft sich die Regierung im Jahr 250 Mio. Euro zusätzliche Einnahmen aus der Wertpapier-KESt. Weil erst ab 2011 getätigte Investments erfasst sind, werden im kommenden Jahr nur 30 Mio. Euro budgetiert.

Die Reaktionen auf die Steuer, vor allem die isolierte Einführung für Wertpapiere, folgten auf den Fuß: "Eine Umschichtung in Immobilienveranlagungen und Kunstgegenstände würde Steuerfreiheit bei Realisierung der Gewinne und damit Steuerungerechtigkeit erzeugen", kritisiert Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek. Er spricht zudem von einem schweren Schlag für die Wiener Börse, weil die Aktienquote hierzulande ohnehin gering ist und die Maßnahme die Eigenkapitalaufbringung für die quotierten Konzerne erschwere.

Zudem stellt Brezinschek das veranschlagte Einnahmenvolumen in Frage, müsse doch den Banken für die Abführung der Steuer ein dreistelliger Millionenbetrag refundiert werden. Zudem verweist er darauf, dass das Wifo das Steueraufkommen trotz inkludierter Immobilien auf 200 Mio. Euro geschätzt habe. Ebenfalls Einwände hat Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes der Anleger. Er beschwert sich vor allem darüber, dass realisierte Gewinne auch nach einer Behaltefrist von fünf Jahren besteuert werden sollen. "Wer seine Aktien so lange hält, ist kein Spekulant. Es kann sich ja keine Bank die Unterlagen jahrzehntelang aufheben", sagte Rasinger zur APA. Peter Schiefer vom Aktienforum wiederum bemängelt, dass langfristige Pensionsvorsorge über Aktieninvestments durch die Besteuerung erschwert werde.

Banken rechnen noch

Die Vertreter der Stiftungen sind wiederum wegen der Verdoppelung der Zwischen-Kapitalertragsteuer auf Zinsen enttäuscht und kritisieren mangelnde Rechtssicherheit: Seit Einführung des Stiftungsrechts 1994 handle es sich um die 14. Änderung, betont Christoph Kraus, Generalsekretär des Stiftungsverbands. Steuerberater Karl Bruckner meint, durch die Änderung werde es nicht mehr attraktiver sein, die Erträge in der Stiftung zu belassen, weshalb künftig wohl mehr ausgeschüttet werde. Der steuerliche Mehraufwand von 50 Mio. Euro komme bei 3000 Betroffenen auf 16.700 Euro je Stiftung und sei somit verkraftbar.

Bei der Bankenabgabe halten sich die Institute bedeckt - sie rechnen ihre Belastung gerade aus. Dem Vernehmen nach ist die Bank Austria besonders stark betroffen, weil kleinere Institute begünstigt werden. Zwar fallen auch Raiffeisen Bank International und Erste Group unter den vollen Steuersatz von 0,08 Prozent, allerdings werden kleine Sektorkassen geschont. Positiv wird die Streichung der Kreditvertragsgebühr beurteilt.  (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.10.2010)

Kommentar

Kniefall vor Grundbesitzern - Von Andreas Schnauder

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Aguirre74
 
00
2.11.2010, 21:17

Was passiert, wenn ich eine Aktie am 31.12.2010 kaufe und am 05.07.2011 verkaufe? 50%, 25% oder 0% Steuer? Irgendwie verstehe ich die Übergangsvorschriften nicht.

Robert Fien
00
28.10.2010, 20:32
Was passiert wenn ich bei einer deutschen Bank einen internationalen Fonds kaufe? Mit welchen Steuern muss ich rechnen? Wie wird dies automatisch abgeführt oder muss ich es melden?

Böotier
11
28.10.2010, 15:05

Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Man muß lediglich vor dem 1.1.2011 sein Wertpapierdepot auf eine ausländische Bank transferieren. Die sind diesen Bestimmungen nicht unterworfen, können daher nichts abziehen und die Gewinne werden dann mittel ESt-Erklärung deklariert. So spart man sich auch die Einbehaltung der 25% bei österr. Banken und man kann mit dem Geld arbeiten. Am Ende des Jahres wird dann nur der Nettogewinn beim Finanzamt deklariert und man muss sich nichts zurückholen, weil die Bank 25% des Gewinns ohnehin schon einbehalten hat. Bei der ESt-Deklaration ist man dann natürlich auf die Steuerehrlichkeit des Depotinhabers angewiesen. Die ausländischen Banken wirds freuen.

freddy001
00
28.10.2010, 08:52

Den Daytrader, der bis dato seine Gewinne über Aktiengeschäfte voll über die Einkommenssteuer versteuern musste, wird es freuen. Der braucht jetzt nur 25% abgeben...
Augenauswischerei.

aRoma
00
28.10.2010, 09:35
musste!

bin überzeugt, dass darauf von den meisten Daytradern vergessen wurde.

Wenn man dauern traden muss, hat man keine Zeit für ESt-Erklärungen.

Robert Fien
00
27.10.2010, 22:52
Fragen zu Fonds

1. Wenn ein Fond teilweise aus österreichischen und ausländischen Aktien besteht, betrifft die neue Steuer dann nur die österreichischen oder alle?

2. Wenn ich den Fonds verkaufe wird dann der Gesamtgewinn mit 25% besteuert? Das wäre ja absurd wenn innerhalb des Fonds bereits Verkäufe (des Fondsmanagers) besteuert wurden, oder? Ist daher meine Annahme richtig dass man den gesamten im Fond abgebildeten Gewinn bekommt dieser aber in Zukunft gedämpfter (um 25%) ausfallen wird?

Irgendwie checke ich das alles nicht...

x x5
00
27.10.2010, 23:10

so wie ich es bisher verstehe:

- Es sind alle in und ausländischen Wertpapiere betroffen

- Jemand der Fondsanteile hat muß sie erst dann versteuern wenn er sie verkauft.

Siehe:
http://relevant.at/wirtschaf... ihen.story

...Bei den Fonds soll die Steuer auf beiden Ebenen greifen, zunächst laufend intern und später beim Inhaber, sobald er seinen Fondsanteil verkauft...

Karl Grizzl
01
27.10.2010, 23:22

Den 2. Punkt sehe ich nicht so. es gibt schon bisher eine tlw. Besteuerung von Fonds (80% steuerfrei, der Rest mit Kest = 5% im Schnitt). Dabei wird aber nicht bis zu Verkauf gewartet bis besteuert wird (ausschüttungsgleiche beträge, siehe https://www.bmf.gv.at/steuern/b... _start.htm (=die alte Regelung)).

aRoma
00
28.10.2010, 09:44
nur realisierte Kursgewinne!

nur realisierte Kursgewinne (nach Abzug von Verlusten) muss der Fonds mit 5 % versteuern!

Karl Grizzl
00
27.10.2010, 22:57

nachdem was man bisher weiß:
1. Alle, entscheidend ist, dass man Österreicher ist und/oder die Veranlagung über eine österreichische Bank durchführt. Hier liegt uU EU-rechtliche Inländerdiskrimination vor, man muss den Gesetzestext abwarten.
2. Besteuert wird jährlich unabhängig davon ob die Gewinne entnommen werden oder nicht. War ein bestimmtes Jahr in der Fonds-Entwicklung positiv, werden 25% eingehoben. War es negativ, muss man die Verluste zur Gänze tragen. Gegenrechnung über Jahre hinweg ist nicht möglich (bei Einzelanlegern, bei Unternehmen schon).

aRoma
00
28.10.2010, 09:53
keine Inländerdiskrimination

nachdem die Ausländer auch keine KESt zahlen (evtl. nur EU-Quest) und dies nicht diskriminierend ist, wird auch die neue Steuer nicht diskriminierend sein. Schließlich zahlt der Ausland ja in seinem Wohnsitzland eine Steuer.

Auch eine Veranlagung von Österreichern bei einer nicht Ö-Bank wird nicht von der Steuer entbinden. Sie wird nur nicht "automatisch" von der fremden Bank übernommen werden können, sondern im Wege der Veranlagung erhoben werden.

Karl Grizzl
01
27.10.2010, 22:51

So ein Scherz. Da stellen sich die Herren hin und behaupten die Spekulanten zahlen jetzt. Die Spekulanten haben bisher Einkommenssteuer gezahlt (= max. 50%, für Geschäfte mit Haltedauer unter einem Jahr), jetzt zahlen sie 25% wie jeder Kleinanleger der Titel jahrelang gehalten hat. Da nur die Österreicher betroffen sind, sind ausländische Investoren/Spekulanten/Anleger dazu aufgefordert ihren 25%-Vorteil auszunutzen!
Soviel Blödsinn ist schon eine Frechheit.

aRoma
00
28.10.2010, 09:54
s.o. zu meiner Vermutung

dass die meisten Kleinanleger auf die Versteuerung der Spekulationsgewinne vergessen.

freddy001
00
28.10.2010, 08:54

Ja, ist eine volle Benachteiligung österreichischer Anleger. Ausländische Investoren wird es dagegen freuen.

guggi102
00
28.10.2010, 07:55

Ich hatte gedacht, die Spekulationssteuer innerhalb des ersten Jahres bleibt gleich.

harsimaH
00
27.10.2010, 20:00

Als Kleinanleger, der brav seine Gewinne versteuert, kann man sich dann in einem Jahr mit Verlust vom Finanzamt anhören, dass es ja nur Liebhaberei sei, und der Verlust wird vom FA beinhart aus der Einkommenssteuererklärung rausgestrichen... :-(
Ist kein Einzelfall.

guggi102
00
27.10.2010, 13:41

Hm, für alle ab 2011 getätigten Investments...das heißt, alles vorher gekauft bleibt davon unberührt? Oder wird dann der Kursgewinn ab 1.1.11 berechnet?

harsimaH
00
27.10.2010, 20:03

Korrekt. Nur Aktien, die ab dem 1.1.2011 gekauft wurden. Wie in Deutschland.

Chaton bleu
 
01
27.10.2010, 21:07

=> depot vor dem 30.12. umschichten und einmal davon ausgehen, dass die getroffene wahl gut war ...

amber103
01
27.10.2010, 14:27

Bei Aktien ja, bei Fonds nein. Da Fonds auch nach dem 1. Jänner kaufen und verkaufen, wird dort sofort die Steuer fällig.

RAGE
01
27.10.2010, 13:00

bei den anleihen dürfte der schuss wohl nach hinten losgehen. mfg

amber103
01
27.10.2010, 14:32

Richtig. Bisher waren gering verzinste, sicher Anleihen defakto steuerlich begünstigt. Danach beteiligt sich der Staat an den Verlusten des Totalausfalls, falls mal eine riskante Anleihe platzt.
Auf diese Weise wird der österreichische Steuerzahler dann an den Staatspleiten anderer Länder beteiligt.

aRoma
00
28.10.2010, 09:58
was bei Aktien nicht anders ist

L.B.
02
27.10.2010, 12:34
Zertifikate

Bei Zertifikaten war diese Art der Besteuerung (25% von einer positiven Differenz zw. Verkaufs- und Einkaufskurs) jetzt schon üblich. Das finde ich durchaus OK. Problematisch wäre es nur, nicht-realisierte Gewinne an Stichtagen zu besteuern.

RogerRabbit
13
27.10.2010, 11:36

wieso beschwert sich der Rasinger, dass die Wertpapier-KESt auch nach 5 Jahren des Behaltens zu entrichten ist. Wer 5 Jahre Aktien hält ist kein Spekulant. Richtig, aber er realisiert Gewinne und diese sind zu versteuern. Ein Sparbuchbesitzer muss egal wie lange er sein Sparbuch hält 25% KESt entrichten.

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