"Wir wollen Jugendliche früh abholen"

26. Oktober 2010, 18:16
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Das Festival Wien Modern startet am Freitag unter einem neuen künstlerischen Leiter: Matthias Losek über Johann Strauß, Geldnöte, künstlerische Kooperationen und Ironie

Mit Losek sprachen Daniel Ender und Ljubisa Tosic.

Standard: Das Sujet von Wien Modern zeigt heuer das Strauß-Denkmal im Stadtpark. Wollen Sie jetzt wie der Walzerkönig mit Open-Air-Konzerten die Massen begeistern?

Losek: Das wäre wahrscheinlich zu kalt. Aber wenn ein Projekt Open Air verlangt, dann müsste man es prüfen. Dass wir Strauß abbilden, ist einfach ein ironisches Spiel, mit einer gewissen künstlerischen Haltung in dieser Stadt umzugehen. Was das genau heißt, überlasse ich der Interpretation.

Standard: Sie wurden erst vor einem Jahr als neuer künstlerischer Leiter von Wien Modern nominiert. Gab es von den Verantwortlichen den Wunsch nach Veränderung?

Losek: Nein, ein Relaunch war keine Vorgabe. Faktum war, dass ein künstlerischer Leiter beschlossen hatte, das Festival zu verlassen.

Standard: Warum hat man sich für Sie entschieden?

Losek: Das weiß ich nicht. Diese Frage muss man an das Präsidium von Wien Modern richten. Ich habe ein Konzept vorgelegt, um Neue Musik für möglichst viele neugierige Menschen interessant zu machen. Das heißt nicht, den ursprünglichen Stamm von plus/ minus 500 Generalpass-Käufern nicht auch zu halten. Wir wollen Jugendliche früh abholen und mit der Materie in Kontakt bringen. Das probieren wir heuer mit einem Morton-Feldman-Workshop.

Standard: Wie viel vom Programm wurde noch von Ihrem Vorgänger, Berno Odo Polzer, geplant?

Losek: Das habe ich mir nicht ausgerechnet. 100 Prozent Losek sind nächstes Jahr vorzufinden. Aber es gab eine amikale Übergabe. Polzer hatte Haubenstock-Ramati und Feldman als Schwerpunktkomponisten angedacht, Feldman wurde von mir gerne aufgegriffen.

Standard: Patrick Pulsinger ist der Kurator des Projekts "Feld(man)-Forschung". Er sagt, er habe von Ihnen dafür praktisch eine Carte blanche bekommen. Sind Sie der Typ eines Veranstalters, der nicht den Anspruch hat, das Programm vollständig zu gestalten, sondern lieber Inseln schafft und Künstler darin selbstständig arbeiten lässt?

Losek: Selbstständig arbeitet, hoffe ich, jeder hier eingeladene Künstler. Ich finde das Miteinander in einer kreativen Gedankenwelt ein durchaus stimmiges Instrument für die Planung eines Festivals.

Standard: Das Festivalbudget ist seit langem eingefroren. Sie waren vorher im Büro des Wiener Kulturstadtrats und haben jetzt praktisch die Seiten gewechselt. Macht das die Sache ein wenig leichter?

Losek: Ich habe da ja kein Geld verteilt. Aber: Um gewisse Projekte umsetzen zu können, bedarf es gewisser Mittel. Es nützt nichts, jetzt hier zu raunzen. Wir haben diese Woche Festivalbeginn und ein absolut herzeigbares Programm geschafft. Ich bin aber mit den zuständigen Stellen im Gespräch.

Standard: Gibt es die Möglichkeit, Uraufführungen des Konzerthauses für Wien Modern auszulagern?

Losek: Das weiß ich nicht. Ich bin ja nicht Teil des Konzerthauses. Ich weiß jetzt nicht einmal, was die Zuständigen jetzt für die Konzertsaisonen planen. Aber wir werden natürlich auch Uraufführungen machen, trotzdem finde ich es schön, Werke ein zweites oder drittes Mal hören zu können.

Standard: Im Musikverein findet heuer auffällig wenig statt.

Losek: Heuer ist es bescheiden, das war mit ein Grund der kurzen Vorbereitungszeit. Ich kann aber sagen, nächstes Jahr ist es fast doppelt so viel. Drei Termine sicher.

Standard: Roland Geyer vom Theater an der Wien sitzt im Präsidium von Wien Modern. Ließe sich nicht auch bei ihm etwas machen?

Losek: Das kommt auf die Produktion an. Und dann liegt es nicht nur an mir, dass wir eine Kooperation starten können. Aber wenn ein Roland Geyer will ... ich habe nichts gegen das Theater an der Wien. Und ich glaube, auch Geyer hat nichts gegen Wien Modern.
(DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2010)

  • "Es hat keinen Sinn, hier jetzt zu raunzen": Matthias Losek verströmt trotz eingefrorenem Budget Optimismus und Zuversicht.
Zur Person:Matthias Mosek studierte Geschichte und Germanistik. 2000 bis 2007 war er bei den Bregenzer Festspielen für "Kunst aus der Zeit" zuständig, anschließend Theaterreferent von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Seit März 2010 ist er künstlerischer Leiter von Wien Modern.
    foto: standard / h. corn

    "Es hat keinen Sinn, hier jetzt zu raunzen": Matthias Losek verströmt trotz eingefrorenem Budget Optimismus und Zuversicht.

    Zur Person:
    Matthias Mosek studierte Geschichte und Germanistik. 2000 bis 2007 war er bei den Bregenzer Festspielen für "Kunst aus der Zeit" zuständig, anschließend Theaterreferent von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Seit März 2010 ist er künstlerischer Leiter von Wien Modern.

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