Mit sieben Quadrigen zum Triumph

27. Oktober 2010, 11:57
  • Artikelbild
    foto: reuters/mal langsdon

    Athleten von Kroton dominierten die Laufwettbewerbe auch deshalb, weil sie eigentlich teuer eingekaufte Legionäre waren.

  • Artikelbild

Patriotismus war im Sport immer schon eine Begleiterscheinung - davon profitierte unter anderem auch Alexander der Große

Ist Dabeisein wirklich alles? Oder kommt es vielmehr nicht doch auf das Gewinnen an? Im alten Griechenland war es jedenfalls politisch wichtig, sich bei sportlichen Großveranstaltungen zumindest zu zeigen. Die herrschenden Klassen der griechischen Städte tauchten bei den Spielen nicht nur deshalb auf, um bei den wichtigsten Wettbewerben dabei zu sein, sondern um dort auf einer persönlichen oder staatlichen Ebene Politik zu betreiben.

Ein typisches Beispiel war der Athener Staatsmann Alkibiades, der nach seiner Wahl zum General in Athen bei den Olympischen Spielen des Jahres 416 vor unserer Zeitrechnung mit der bis dahin größten Delegation aufmarschierte, die man bei den Spielen je gesehen hatte. Er mietete zudem sieben Streitwagenlenker an und trat mit seinen sieben Quadrigen im Streitwagenwettbewerb an.

Sieger machen Politik

Die Gespanne von Alkibiades gewannen die ersten drei Plätze und brachen die Dominanz Spartas bei diesem Wettbewerb. Einige Monate später wandelte er seinen Triumph in politische Münze um: Er warb in der Athener Volksversammlung erfolgreich um Unterstützung für einen Feldzug gegen die mächtige Stadt Syrakus in Sizilien.

Es gab aber auch umgekehrte Fälle: dass beeindruckende Delegationen bei den Olympischen Spielen genau das Gegenteil von dem erreichten, was eigentlich beabsichtigt war. So sandte Dionysos, der Tyrann von Syrakus, seinerseits ein hervorragendes Team nach Olympia, dem auch einige der besten Vortragskünstler angehörten. Sie sollten öffentliche Lesungen seiner Gedichte abhalten, um Dionysos' Ruhm als Dichter zu vermehren.

Zunächst sorgte die glamouröse Delegation tatsächlich für Neugierde beim Publikum. Doch sobald die Rhapsoden begannen, Dionysos' ziemlich schlechte Gedichte vorzutragen, lachten die Zuschauer und machten sich über ihn lustig. Der Athener Redner Lysias rief die Menge auf, die Abgesandten eines Tyrannen nicht zu tolerieren, worauf die Zuschauer dafür sorgten, dass die Delegation aus Syrakus Olympia verlassen musste.

Ein anderes probates Mittel, um über die Olympischen Spiele politischen Einfluss auszuüben, war die Produktion von Siegern. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden immer wieder Mittel eingesetzt, die nicht ganz legitim waren. So trugen die Athleten von Kroton, einer griechischen Kolonie in Süditalien, im Wettlauf in 27 Spielen insgesamt zwölf Siege davon. Einige Forscher haben versucht, diese Erfolge beim wichtigsten Bewerb Olympias als Folge von besonderen Trainingsmethoden und spezieller Ernährung zu interpretieren - ähnlich den Erfolgen der DDR-Sportler bei den Spielen der Neuzeit.

Andere Wissenschafter glauben, Hinweise darauf gefunden zu haben, dass die Westgriechen Athleten aus anderen Städten rekrutiert haben und sie dafür gut bezahlten. Ein allzu ausgeprägter Siegeswille trieb aber auch einige Athleten dazu, ungesetzliche Praktiken anzuwenden.

So wurde der Fünfkämpfer Callippus aus Athen bei den Spielen im Jahr 332 vor unserer Zeitrechnung dabei erwischt, wie er seine Konkurrenten bestochen hat. Die Athener weigerten sich, eine exorbitante Strafe zu bezahlen, und reagierten mit einer Maßnahme, die man auch aus der Jetztzeit kennt: Ähnlich wie die US-Amerikaner bei den modernen Olympischen Spielen in Moskau und die Sowjets in Los Angeles drohten auch die Athener mit einem Boykott der Spiele.

Griechischer Stammbaum

Die Spiele waren aber auch wichtig bei der politischen Formierung und Anerkennung des "Griechentums", da ursprünglich nur Griechen das Recht hatten, daran teilzunehmen. So beschloss im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Alexander I. von Makedonien, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Einige seiner Rivalen wollten ihn ausschließen - und zwar mit dem Argument, dass nur griechische Athleten und keine Barbaren zugelassen waren.

Alexander konnte aber durch seinen Stammbaum, der bis zu Herakles zurückreichte, sein Griechentum beweisen und durfte teilnehmen. Das war von erheblicher politischer Bedeutung, weil dadurch Makedonien erstmals als Teil Griechenlands anerkennt wurde. Und nachdem das gelungen war, verbreitete Alexander der Große die griechische Kultur in all den von ihm eroberten Ländern dadurch, dass er überall sportliche Wettkämpfe einführte. (Panos Valavanis, Übersetzung: Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10. 2010)


Der Autor
Panos Valavanis ist Professor für Klassische Archäologie an der Universität Athen.

Link
Atomium Culture

Kommentar posten
16 Postings
Nick Tameer
00
28.10.2010, 09:12

Aus einem Schüleraufsatz:

"Und nachdem das gelungen war, verbreitete Alexander der Große die griechische Kultur in all den von ihm eroberten Ländern dadurch, dass er überall sportliche Wettkämpfe einführte."

Voilà, die griechische Fun-Kultur.

Nick Tameer
00
28.10.2010, 08:59

Aber dass man Re-inakteure antiken Athletentums in antikisierende Fummel nebst Sandalen (adidas, aditatis oder eher puma, pumae?) steckt, sind doch schon ein verdammt schmähliche Anachronismen.

Nutze den Tag
60
27.10.2010, 15:44
Alexander der Große wurde persifiziert

Die Kultur die er verbreitete war stark von den Persern beeinflußt.

froilein froilein
01
31.10.2010, 15:01
Themenverfehlung

Es geht hier nicht um Alexander III, den Großen, sondern um einen Urahn, Alexander I. Dazwischen liegen 150 Jahre.

werwolfi
00
28.10.2010, 02:26

jaaa, genau - deswegen hat er auch Dareios III. in den a*sch getreten...

in der schule nicht aufgepasst? "dreidreidrei, bei Issos keilerei" ;o)
also wenn, dann eher noch umgekehrt.

die paar persischen kleinigkeiten die Alexander eingeführt hat (wie etwa die proskynese) dienten nur dazu, den besiegten persern zu zeigen wer jetzt der chef ist...

und dass das von ihm begründete zeitalter nicht zufällig "hellenismus" heißt, hat ja Jürgen Rembremerding unten schon so richtig bemerkt.

Nick Tameer
00
28.10.2010, 08:26

Aber es stimmt schon, dass Alexander in seinen wenigen Lebensjahren nach dem Sieg über Darios III. versucht hat, persische und griechische Kultur zu vermischen und u.a. persische Hofsitten wie - zum Befremden vieler seiner alten Kumpels - das Niederwerfen vor dem Herrscher eingeführt hat. Spätere hellenistische Herrscher haben sich dann noch stärker den östlichen Sitten und Gebräuchen angepasst und Kleopatra gilt bei vielen als Inbegriff einer Ägypterin. Schon im alten Rom wurde - zunächst gegen Cäsar, später gegen Marc Anton gerichtet - aus der tatsächlichen oder angeblichen exotischen Fremdartigkeit Kleopatras poltisches Kapital geschlagen.

Jürgen Rembremerding
01
27.10.2010, 17:14
Deshalb nennt man es auch Hellenismus!

Helios 2 7
01
27.10.2010, 13:00
Hattu Faltenrock -

muttu bügeln!

Sorry!

mfG

Captain Future
00
27.10.2010, 09:53

Alexander I. und Alexander der Grosse waren nicht ein und dieselbe Person wie man diesen Artikel eventuell deuten koennte. Alexander der Grosse war der Dritte.

Wurzelloser Kosmopolit
00
27.10.2010, 16:07

Naja, im Artikel steht ja: "So beschloss im fünften Jahrhundert..."
Aber hast schon recht..Alexander...Makedonien... die Verwechslungsgefahr ist immer recht gross. Noch dazu, wo im Absatz darüber die Geschichte des Callippos von 332 erzählt wird.

Freakus T. He
01
26.10.2010, 19:41
Hmmm

waren die damals nicht alle nackt?^^

der böse Heinzi
013
26.10.2010, 21:23
Das Foto

ist nicht aus der Antike!

werwolfi
00
28.10.2010, 02:29

nein, von damals gibt's nur Praxitelotypien... ;o)

Jürgen Rembremerding
03
27.10.2010, 17:15
Nick Tameer
00
28.10.2010, 09:05

Zum Pflichtprogram,m des Paarlaufens gehörten damals Figuren, die man heute im Rahjmen dieser Diszplin als etwas befremdlich ansehen würde.

Dr Don Tango
04
27.10.2010, 09:50

eigentlich eh leicht zu erkennen.

ist ja nicht schwarz-weiss!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.