Korruptionsindex 2010: Österreich und Deutschland gemeinsam auf Platz 15 - Sieger Dänemark, Neuseeland und Singapur
Berlin/Wien - Kriegszustände und Korruption scheinen Hand in
Hand zu gehen - zumindest legen das die neuesten Daten nahe, die die
Organisation Transparency International (TI) am Dienstag in Berlin
veröffentlicht hat. Der Irak schnitt gemeinsam mit Afghanistan, Burma
(Myanmar) und Somalia im Korruptionsindex 2010 am schlechtesten ab.
Sie gelten laut TI als "sehr korrupt". Österreich verbesserte sich
und Deutschland verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr um eine
Position. Beide Länder belegen nun gemeinsam weltweit Platz 15 mit
7,9 von 10 möglichen Punkten. Die "saubersten" Länder sind ex aequo
Dänemark, Neuseeland und Singapur mit 9,3 Punkten.
Drei Viertel der Länder liegen unter dem Mittelwert
Transparency International zeigte sich massiv besorgt darüber,
dass fast drei Viertel der 178 untersuchten Länder unter dem
Mittelwert von fünf Punkten rangieren. Die TI-Vorsitzende Huguette
Labelle forderte die internationale Gemeinschaft daher auf, ihre
Bemühungen um eine "good governance" (saubere Regierungsführung) in
aller Welt zu verstärken und die UN-Konvention gegen Korruption
konsequent umzusetzen. Korruption weiter zuzulassen sei inakzeptabel.
"Zu viele arme und verletzliche Menschen in aller Welt leiden weiter
unter ihren Folgen", so Labelle. Es dürfe "null Toleranz" geben.
Angesichts der hohen Summen, die die meisten Staaten zur Lösung der
drängendsten Probleme - Instabilität der Finanzmärkte, Klimawandel
und Bekämpfung der Armut - ausgeben, bleibe Bestechung ein Hindernis
auf dem Weg zu Fortschritten.
Kaum besser als bei den Schlusslichtern Somalia (178./1,1 Punkte),
Burma (176./1,4), Afghanistan (176./1,4) und Irak (175./1,5) sieht
die Lage in vielen afrikanischen Staaten aus. Aber auch die
zentralasiatischen Länder Usbekistan, Turkmenistan, Kirgistan und
Tadschikistan fallen negativ auf.
Österreich und Deutschland mit guter Mittelposition
Österreich und Deutschland nehmen im Vergleich der westlichen
Demokratien eine gute Mittelposition ein, wobei neben dem Sieger-Trio
v.a. die skandinavischen Länder, die Schweiz (trotz Bankenaffäre),
Luxemburg und Hongkong glänzen können.
Relativ knapp hinter Österreich liegen die USA (22./7,1), und
bereits mit Respektabstand folgen Italien (67./3,9), Rumänien
(69./3,7) und Griechenland (78./3,5), das spätestens während der
Wirtschaftskrise immer wieder mit massiven Korruptionsvorwürfen
konfrontiert wurde. In derselben Liga spielt die aufstrebende
Wirtschaftsmacht China (78./3,5), während Russland zur Gruppe der
Schlusslichter zählt: Platz 154 von 178 mit 2,1 von 10 möglichen
Punkten.
Deutlich verschlechtert gegenüber dem Vorjahr hat sich die
Situation nach Angaben von TI in Tschechien, Griechenland, Ungarn,
Italien, Madagaskar, dem Niger und den USA. Verbesserungen ermittelte
die Organisation hingegen in Bhutan, Chile, Ecuador, Mazedonien,
Gambia, Haiti, Jamaika, Kuwait und Katar.
13 Prüfungsverfahren in eineinhalb Jahren
Für den Index wurden laut TI insgesamt 13 Prüfungsverfahren aus
dem Zeitraum Jänner 2009 bis September 2010 angewendet, wobei je nach
Land mindestens drei, maximal aber zehn Untersuchungen zum Einsatz
kamen. Verwendete Studien kamen u.a. von der Weltbank, der
Bertelsmann Stiftung, dem Freedom House und dem World Economic Forum
(WEF).
Transparency International wies darauf hin, dass bei vielen
Ländern ein Vergleich zu früheren Jahren schwierig sei, weil sich die
Bewertungsmethoden zum Teil verändert haben. Der "Corruption
Perceptions Index" will die "wahrgenommene Korruption" erfassen und
stützt sich dabei auf die Einschätzung von Geschäftsleuten und
Länderanalysten. Er wird seit 1995 jährlich erstellt. (APA)