Arbeiter

Aus für Steuerbefreiung bei Auslands-Montage

26. Oktober 2010, 11:48

Verfassungsgerichtshof kippt seit 1979 bestehende Steuerbefreiung für Auslandsmonteure per Jahresende 2010

Wien - Arbeiter auf Auslands-Montage müssen ab 2011 Steuern und Sozialversicherung bezahlen. Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat die seit Ende 1979 bestehende Steuerbefreiung aufgehoben. Grund: Die seinerzeit zur Unterstützung der heimischen Industrie beschlossene Regelung müsste in Zeiten der EU-Mitgliedschaft auch auf österreichische Mitarbeiter ausländischer Unternehmen ausgeweitet werden. Dies würde nach Ansicht der Verfassungsrichter aber erstens den Absichten des historischen Gesetzgebers zuwiderlaufen und zweitens eine zu weitreichende Steuerbefreiung ergeben. Die Reparaturfrist läuft bis Jahresende.

Geregelt ist die Steuerbefreiung im Einkommensteuergesetz (§ 3 Abs. 1 Z 10). Dort ist festgehalten, dass Mitarbeiter österreichischer Konzerne, die im Ausland an der Planung und Montage von Industrieanlagen bzw. am Abbau von Rohstoffen arbeiten, von der Lohnsteuer befreit sind, sofern der Einsatz länger als einen Monat dauert. Eingeführt wurde der Passus im Jahr 1979 - und zwar, wie in den Erläuterungen des Gesetzes nachzulesen ist, um angesichts verschärfter internationaler Konkurrenz Wettbewerbsnachteile österreichischer Konzerne auszugleichen.

Unzulässige Bevorzugung

In Zeiten der EU-Mitgliedschaft wäre eine derartige Bevorzugung österreichischer Unternehmen (bzw. ihrer Arbeitskräfte) allerdings unzulässig, weshalb die Steuerbefreiung aus Sicht der Verfassungsrichter ausgedehnt werden müsste. Konkret müsste sie nämlich neben im Ausland tätigen Mitarbeitern österreichischer Konzerne auch Mitarbeiter ausländischer Firmen gelten, die zwar in Österreich leben und Steuern zahlen, aber im Ausland arbeiten (also etwa auch für Grenzgänger, die außerhalb ihres normalen Einsatzortes arbeiten).

Eine solche Steuerbefreiung auch für die Mitarbeiter ausländischer Konzerne könne aber "nicht mit dem Argument der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit inländischer Arbeitgeber gerechtfertigt werden", urteilen die Verfassungsrichter. Außerdem wäre eine derart weitgehende Steuerbefreiung unsachlich, weil die bloße Tatsache einer Auslandstätigkeit keine "typische Art von Beschwer" bedeute. Daher hat der Verfassungsgerichtshof die Steuerbefreiung aufgehoben. Nimmt die Regierung bis Jahresende keine Reparatur des Gesetzes vor, müssen Arbeiter auf Auslandsmontage daher ab 1. Jänner Lohnsteuer bezahlen.

Beantragt hat die Aufhebung übrigens der Verwaltungsgerichtshof (VwGH). Dieses für Steuerbescheide zuständige Höchstgericht war mit einer Reihe von Beschwerden von Österreichern konfrontiert, die für deutsche und schweizerische Unternehmen im Ausland tätig sind und - anders als ihre bei österreichischen Konzernen arbeitenden Kollegen - nicht in den Genuss der Steuerbefreiung gekommen sind.(APA)

 

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Knochenmann
00
22.11.2011, 09:41

Habe gestern wegen der Steueränderung eine Lohnehöhung bekommen: flockige 20 Euro brutto pro Monat.

Drauf geschissen, ab 1.1.2012 hänge ich den Job an den Nagel, soll den Dreck wer anders machen.

auf decker
00
11.11.2010, 09:20
3/3 - fassungslos und verwundert ....

Bestimmt finden sich auch Einzelschicksale, Familien welche von dem Mann auf Montage gelebt haben wird es bestimmt schwer! Viele sprechen vom Abwanden, andere wiederrum von der Aufgabe des Jobs...
Ich bin nach wie vor schwer der Hoffnung das sich unsere Regierung besinnt und sich mit den Vertretern der Arbeitnehmer und Gewerkschaft zusammensetzt um eine intelligente Lösung zu finden welche nicht wieder mit „einem Schuß ins Knie“ endet....

RS69
 
00
12.11.2010, 01:15

Vielleicht werden auch einfach eine Gruppe merh auf Steuerprivilegien verzichten und dafür die Unternehmen angemessene Gehälter bezahlen.ö

Wenn das Argument "Wenn ich weniger steuern zahle, investier ich ja mehr im Inland, das ist gut für die Volkswirtschaft" legitim wäre, würde das für alle Anderen genau so gelten.

auf decker
00
11.11.2010, 09:19
2/3 - fassungslos und verwundert ....

etliche Kollegen, Fachpersonal, viele auch in Schlüsselpositionen werden versuchen in Österreich ein qualifizierte Stelle anzunehmen. Wobei ich große Bedenken habe was die "Aufnahmefähigkeit" des österreichischen Arbeitsmarktes betrifft! Unzählige adäquate Arbeitnehmer (z.B.: aus dem Bereich Personalbereitstellung) welche Jahrelang für Unternehmen im Ausland tätig waren/sind werden sich vorerst arbeitssuchend melden. Und da für die Berechnung des Tagessatzes der Gehalt der letzten Jahre herangezogen wird kann man sich vorstellen welche Kosten auf den Steuerzahler zukommen bis das „Steuerpaket“ zu greifen beginnt!

auf decker
00
11.11.2010, 09:18
1/3 - fassungslos und verwundert ....

Viele Betroffene, wie es auch ich bin, werden es sich nicht mehr antun z.B. 1.400km entfernt von Familie und Freunden zu arbeiten und auf Grund dessen ein 2. Leben zu führen (Wohnung, Lebensmittel, ...)! Die Steuerfreiheit für die ersten 6 Monate war, bei längerem Aufenthalt, Kostendeckend wenn man in "ungünstig-teuren" Gegenden Arbeitsplatz und Unterkunft hatte (z.B.: Städte). Bisher wurde der, im Ausland erworbene Gehalt, abzüglich der Fixkosten in Österreich und im Ausland als auch der Heim- und Abreisen, wiederrum in Österreich ausgegeben und Investiert... Was sich mit der neuen Situation per 01 Jänner bestimmt ändert: (weiter im nächsten Kommentar)

Maxwe115mart
00
30.10.2010, 11:10
Fakt ist

das kein Monteur, oder sehr wenige, um das Geld was man dann ab 1.1.2011 verdient, rund um die Welt fährt. Natürlich müssen das die Firmen ausgleichen um seine Produkte im Ausland verkaufen zu können. In meiner Firma kauft kein Brasilianer wenn wir keine Inbetriebnahme machen. Und ich fahr nicht für 2000€ pro Monat 3 Monate nach Brasilien. Also muss die Firma fast das doppelte für mich bezahlen als jetzt und das wirft die Wirtschaft zurück. Und wenn ich dann Artikel lese wie diesen: http://www.zeit.de/2010/35/A... chwarzbuch kommts mir einfach hoch. Wie soll diese Regelung der Wirtschaft nutzen??? Hat das jetzt jeder verstanden hier?? Alle anderen sind einfach neidig...

RS69
 
00
30.10.2010, 12:24

Irgendwer muss die Steuern zahlen (sofern wir unterstellen, dass die Steuerfinanzierten Dinge sein sollen.). Jeder hat eine Ausrede, warum's wichtig ist, dass gerade er nicht mitzahlt.

Entweder Ihr Unternehmen zahlt so viel, dass sie's machen, oder es passiert nicht. Geschäfte, die sich ohne Quersubventionierung nicht tragen, sind nicht so die tollen Geschäfte.

Varujan Cocyan
10
26.11.2010, 20:57

Lieber RS69,
Ich sehe, dass Sie von nichts eine Ahnung haben. Kein Mensch auf der Welt fährt um 2.000 € im Monat ins Ausland. Ich bin seit 22 jahren im Anlagengeschäft und weiss aus eigener Erfahrung, dass die Leute nur wegen des Geldes ins Ausland fahren. In der BRD gibt es zwar keine Steuerfreiheit in dieser Form, aber dort sind die Tagesauslösen und auch die Jahreseinkommen (=Gehälter) wesentlich höher.

RS69
 
00
26.11.2010, 21:14

Für 2000 im Monat würde ich auch nicht ins Ausland fahren. Darum geht's auch nicht.

Genau was Sie schreiben " dort sind die .. Gehälter .. wesentlich höher" - das ist auch der Ansatz: Das Unternehmen soll so bezahlen, dass die Monteure hinfahren - nicht die Allgemeinheit über Steuerzuckerln.

p.s.: Bei mir zahlen die Kunden soviel, dass ich gerne komme. Ganz ohne Steuerzuckerln.

Maxwe115mart
00
30.10.2010, 13:21
Das man Steuern und SV

bezahlen muss ist auch logisch. In den meisten Fällen zahle ich auch die volle Lohnsteuer da ich die 31 Tage nicht erreiche. Wenn du eine 72 Stundenwoche hinter dir hast, kannst du dir ja vorstellen was ich da Abzüge habe! Nur so habe ich gar keine Chance mehr auf einen Bonus. Mich ärgert einfach das die Grosskonzerne nicht herangezogen werden, wie z.B. die Raiffeisenbank die wie folgt vorgeht:"Unangefochtener österreichischer Meister in dieser Disziplin ist die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die es zusammengerechnet in den Jahren 2006 bis 2008 schaffte, bei einem Gewinn von 739 Millionen Euro nicht nur keinen einzigen Euro Steuern zu zahlen, sondern vom Staat auch noch eine Gutschrift in der Höhe von 21,6 Millionen Euro ein...

RS69
 
00
30.10.2010, 13:34

aus der 72h Woche ergeben sich noch nicht die Abzüge - da spielt auch der Stundensatz mit.
Bonus oder nicht ist eine Frage des Arbeitgebers, nicht der Steuer.

Die politischen Schweinereien sind eine Sache - da geb ich Ihnen Recht.
Trotzdem macht es wenig Sinn, dass einzelne Bevölkerungsgruppen Steuererleichterungen haben, damit sich Ihre Arbeitgeber die angemessene Bezahlung ersparen.

Maxwe115mart
00
30.10.2010, 15:19
Geb ich ihnen auch Recht, nur

was soll die Firma mit Service Monteuren machen die vielleich 4 Monate im Jahr zu Service-Leistungen auf Montage fahren? Soll der dann die restlichen 8 Monate daheim auch 3-4000 € netto bekommen? Das denk ich nicht und somit wird keiner mehr wegen vielleicht 1000€ Bonus (das ist dann das Taggeld das man sowieso für Verpflegung verbraucht) nach China fahren. Der Arbeitgeber kann höchsten Premien für gewisse Arbeiten ausbezahlen, nur das wird dann eher schwarz oder in einem anderen Land ausbezahlt. Was wird aus den Leih Firmen die davon leben? Die werden ihren Firmensitz wohl wo anders ansiedeln... dann ist Allen leichter... Österreichs grösste export Güter sind eben Maschinen und das wird jetzt allen erschwert... Bravo!!!

RS69
 
00
30.10.2010, 16:06

Wie wär's mit einer Zulage, während man im Ausland ist?

Abgesehen davon: Der Arbeitgeber kann IMMER mehr zahlen, wenn er will. Auch zeitlich beschränkt nur für's Projekt.

Warum soll's die Allgemeinheit zahlen?

Maxwe115mart
00
30.10.2010, 17:22

Warum solls die Allgemeinheit zahlen? Was soll die Aussage? Ich arbeite seit 3 Jahren fix im Aussland wo ich auch Steuern zahle, muss ich dann nächstes Jahr doppelt zahlen? Es will ja jetzt schon fast keiner mehr ins Ausland fahren, mit der Steuerfreiheit! Sind sie schon mal 48 Wochen im Jahr im Ausland gewesen? Für mich ist dann schluss und ich arbeite zuhause und zahl brav meine Steuern so wie es sich gehört... soll ein andere das machen der so denkt wie sie.

RS69
 
00
30.10.2010, 17:38

Ja, ich war schon mal länger am Stück im Ausland. Und sehr oft mehrere Wochen oder Tage. ;-)

Klar - ist ok, wenn Sie das machen - dann findet sich entweder wer, der es um's Geld macht, oder die Unternehmen zahlen mehr, oder es passiert nicht.

Jedenfalls hört die Subventioniererei auf Kosten der Allgemeinheit auf. JEder hat einen Grund, warum gerade er arm ist und Steuererleichterungen braucht.

Maxwe115mart
00
30.10.2010, 18:04

Hör doch auf mit den Kosten der Allgemeinheit... die die oben sitzen richten sichs wie sies brauchen und der der hackeln muss ist der erste der herhalten muss. Wenns nur da auch so schnell gehen würde mit den Gestzesänderungen.... als nächstes werden die Trinkgelder bei den Saisonarbeiter versteuert... damit sich die obern 10000 noch weiter aufblähen können. Wenn alle ihr Steuern zahlen dann zahl ich auch, nur bei uns fangens halt an...

RS69
 
00
30.10.2010, 20:17

Nicht: bei Ihnen fangen's halt an.

Sondern: alle anderen in ähnlicher Situation zahlen Ihre Steuern. Sie sind die ersten, deren ungerechtfertigten (ausser natürlich aus Ihrer SIcht) Privilegien wegfallen.

Taps1
02
30.10.2010, 09:42
eigenartig

Natürlich ist das ein gewaltiger Einschnitt für jene die von der bisherigen Regelung profitiert haben aber Ich finde es etwas eigenartig, dass jetzt der Staat als böse hingestellt wird.
Immerhin liegt es doch bei den Firmen ihren (ach so) wertvollen Mitarbeitern den gerechten Lohn für diese Arbeit unter doch sehr widrigen Umständen zukommen zu lassen.
Es kann doch nicht sein, dass ein Monteur der in Österreich arbeitet den gleichen Stundenlohn bekommt wie ein Monteur der bereit ist mitten im Nirgendwo 12 Stunden am Tag sieben Tage die Woche fern der Heimat und des sozialen Umfeldes zu arbeiten.
Da sollte man sich als Mitarbeiter fragen wem man hier zu wenig wert ist. Der Staat hat 31 Jahre für Ausgleich gesorgt ..... und die Firmen ?

Gerhard1967
00
4.11.2010, 12:03
Das ist der richtige Ansatz ...

... die Allgemeinheit hat den Firmen "geholfen", aber so wird's doch (fast) immer gemacht. Zahlen soll die Allgemeinheit und Kassieren will die Firma alleine.

Es liegt jetzt an den Firmen, wie sie einen Ausgleich schaffen kann.

Liebe Grüße

Ralph Dorner
 
01
28.10.2010, 22:45
So einfach ist das nicht

Ich bin ein Monteur der in manchen Monaten in den Genuss der Steuerbefreiung gekommen ist.
Ich habe Frau und Kinder die ich manchmal nur alle 6 - 8 Wochen für einige Tage zu Hause besuchen kann. Wenn Jemand glaubt dies sein einfach dann soll er es einmal versuchen. Dies benötigt viel gegnseitiges Verständnis beider Ehepartner. Auch bringt das höhere Ausgaben mit sich. NOch dazu gebe ich sicherlich 95 % meines Gehaltes in Österreich wieder aus, wobei der Staat an den ganzen Bagatellsteuern wieder mitverdient. Sollte die Streichung Aufrecht bleiben, werde ich mit hoher wahrscheinlichkeit meine Arbeit aufgeben oder mir eher einen Wohnsitz im Ausland suchen. Ich habe genug von dieser kurzsichtigen Politik.

Taps1
00
30.10.2010, 09:54
fragen sie doch ihre firma...

warum ihre Arbeit unter diesen schwierigen Umständen nicht mehr Wert ist!
Haben sie sich schon mal gefragt warum sie nicht von Grund auf den doppelten Stundenlohn haben.
Wahrscheinlich weil ihre Arbeit dann ein anderer machen würde der nicht so teuer ist.
Sie machen genau das was wir Ausländern in unserem Land vorwerfen.Sie nehmen Arbeit in einem fremden Land geben aber wie sie selbst sagen 95% des Lohnes in ihrem eigenen Land aus. Das soll man steuerlich auch noch bevorteilen?
Der Staat trägt nicht die Verantwortung für alles was schief läuft.
Sie bezahlen tw. keine Steuern beziehen aber sicher Kinderbeihilfe auch in den Monaten in denen sie keine Steuern bezahlen. Das lässt sich sicherlich auch auf andere Begünstigungen ausweiten.

RS69
 
00
29.10.2010, 01:18

Warum sollte die Allgemeinheit dafür zahlen, dass sie einen Job gewählt haben, der nur aufgrund von steuerlichen Sonderregelungen interessant ist?

outofaustria
11
5.11.2010, 13:12

um gottes willen!! so viel bloedsinn auf einmal hier zu lesen!! kommen sie und machen sie meinen job (wenn sie das koennen und aushalten!!)....und dann schau ich mir an, ob sie den job fuer dasselbe gehalt,das sie in oesterreich bekaemen auch anderswo machten...land der neider....jaemmerlich!!!

RS69
 
00
5.11.2010, 13:16

Was denken's denn - offensichtlich ist die Leistung Ihrem Arbeitgeber nicht mehr Wert? Warum sollte die Allgemeinheit das ausgleichen?

Bei meinem Job ist es relativ gleich, ob ich hier oder unterwegs bin - ich hab Projekte da und dort.

Jedenfalls schrei ich nicht nach Subvention durch die Allgemeinheit, wenn ich nicht zufrieden wäre. Reden's doch mit Ihrem Arbeitgeber - wenn er denkt, dass Ihre Leistung so viel Wert ist, wird er das - was Sie bisher am Tropf der Allgemeinheit gehangen haben - teilweise oder ganz ausgleichen.

Worldtraveler
00
5.11.2010, 14:23

wohl keine ahnung was ! das würde in méinen fall bedeuten das der arbeitgeber mir 15.000 € bezahlen sollte damit ich das gleiche verdiene wie jetzt !! bin ein monteur und kein vorstandsdirektor !

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