Insektenfossilien werfen neues Licht auf Geschichte Indiens

25. Oktober 2010, 21:55
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Subkontinent offenbar längst nicht so lange isoliert, wie bisher angenommen

Bonn - Forscher der Universität Bonn untersuchen seit etwa zwei Jahren zusammen mit Kollegen aus Indien und den USA Bernsteinfunde aus dem Nordwesten Indiens. Mittlerweile schließen die Wissenschafter nicht mehr aus, dass es sich dabei um eines der größten bisher entdeckten Bernsteinvorkommen weltweit handelt. In den rund 50 Millionen Jahre alten braunen Brocken haben die Wissenschafter mehr als 700 Gliederfüßler aus 55 verschiedenen Tierfamilien gefunden.

Die Einschlüsse werfen ein neues Licht auf die Geschichte des indischen Subkontinents. Denn die Insektenfossilien deuten nach Ansicht der Wissenschafter daraufhin, dass der Kontinent längst nicht so lange isoliert war, wie bisher angenommen. Bisher gingen die Forscher davon aus, dass der indische Subkontinent vor 160 Millionen Jahren von der ostafrikanischen Landmasse "abbrach" und dann nach Norden driftete, bis er vor 50 Millionen Jahren mit Asien zusammenstieß.

Eine solche lange Zeit der Isolation müsste ausgereicht haben, um eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entstehen zu lassen. Die Bernsteineinschlüsse geben Auskunft darüber, wie das Leben in Indien kurz vor dem Zusammenstoß aussah. So wären viele Tierarten zu erwarten gewesen, die es anderswo nicht gibt.

Rege Artenaustausch

Die Forschungen ergaben jetzt aber, dass ähnliche Insektenfossilien auch in Europa oder gar in Mittelamerika gefunden wurden. "Das spricht dafür, dass es schon lange vor der Entstehung des Bernsteins einen regen Artenaustausch gegeben hat", sagt der Bonner Paläontologe Jes Rust. Es habe möglicherweise an der Grenze zwischen den Kontinentalplatten lange Ketten vulkanischer Inseln gegeben. Durch Insel-Hopping könnten sich so die Insektenarten in Indien und dem damaligen Asien vermischt haben - schon viele Millionen Jahre vor dem großen Crash. (red/APA/dpa)

  • Unter den Bernstein-Fossilien finden sich auch extreme Raritäten. Hier eine vollständig erhaltene Ameise, die vor mehr als 50 Millionen Jahren eingeschlossen wurde.
    foto: steinmann-institut, universität bonn

    Unter den Bernstein-Fossilien finden sich auch extreme Raritäten. Hier eine vollständig erhaltene Ameise, die vor mehr als 50 Millionen Jahren eingeschlossen wurde.

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