"Leute tun es, um einen Nutzen zu haben"

27. Oktober 2010, 10:00
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Vernetzung war Thema beim HR-Circle: Idealerweise eine "Win-Win-Situation, von der alle Beteiligten profitierten"

"Man kann nicht nicht netzwerken", sagt Elisabeth Alder-Wuerrer in Anlehnung an den Kommunikationswissenschafter Paul Watzlawick, von dem der Ausspruch "man kann nicht nicht kommunizieren stammt. "Beruflicher Erfolg, Wissensaustausch oder einfach nur Tratsch." Netzwerke haben eine vielfältige Funktion, betont Alder-Wuerrer, Sektionsleiterin Supervision und Coaching im Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik (ÖAGG ), beim aktuellen HR-Circle: "Es gibt keine Menschen, die keine Netzwerke haben."

Nutzen steht im Vordergrund

Das primäre Ziel des Netzwerkens liegt für sie auf der Hand: "Leute tun es, um einen Nutzen zu haben." Dieser müsse nicht zwingend rein ökonomischer Natur sein. "Wichtig ist, sich bewusst zu machen, was man damit erreichen will." Es passiert nicht einfach zufällig, man muss das aktiv in Gang bringen, sagt sie und verweist dabei auf transnationale Unternehmen, die ihre Mitarbeiter firmenintern über Grenzen hinweg vernetzen müssten. Weil dazu finanzielle und personelle Ressourcen notwendig seien, rät sie Betrieben, sich an einer Art "Kosten-Nutzen-Rechung" zu orientieren: "Was kostet es, was bringt es?"

Netzwerken sei als reziproker Prozess zu verstehen: "Man sollte sich zuvor überlegen, was man den anderen anbieten kann." Idealerweise entstehe dann eine "Win-Win-Situation, von der alle Beteiligten profitierten". Es gebe aber auch Leute, die nur Wissen hergeben, so Alder-Wuerrer, "diese sollten dann wenigstens mit Status entlohnt werden".

Zeit knapp bemessen

In Bezug aufs interkulturelle Netzwerken lautet ihre Empfehlung, nach dem "Tante Jolesch-Prinzip" zu agieren: "Strukturen und eine knapp bemessene Zeit vorgeben." Erfahrungsgemäß kämen dann Gespräche schneller zustande; und zwar unter der Federführung eines Moderators, der hier als Brückenbauer fungieren sollte, so die Vortragende. Die Palette an Werkzeugen sei sehr umfangreich und reiche von informellen Treffen über organisierte Konferenzen bis zu geschlossen Zirkeln auf Plattformen wie etwa Xing. "Firmen können hier in Gruppen kommunizieren."

Alder-Wuerrer plädiert allerdings für eine Vernetzung, die sich auf der persönlichen Ebene abspielt: "Ein wirklicher Austausch ist übers Internet kaum möglich", sagt sie und differenziert: "Zusammenarbeit ja, Wissensaustausch nein." In Unternehmen mit untereinander konkurrierenden Mitarbeitern und einer hierarchischen Struktur müsse man nämlich zuerst Vertrauen aufbauen: "Und das geht im persönlichen Kontakt leichter als etwa über ein technisches Medium." Natürlich, räumt sie ein, regiere in vielen Firmen der Sparstift, was sich beispielsweise in weniger Auslandsreisen widerspiegle. Dennoch mache sich diese Rechnung des persönlichen Treffens fast immer bezahlt, ist Alder-Wuerrer überzeugt.

"Antithese zu Hierarchien"

Netzwerke seien die "Antithese zu Hierarchien". Hierarchien werden in Firmen entworfen und gemanagt, so die Referentin, "Netzwerke aber wachsen und man kann sie über die Rahmenbedingungen steuern".

"Personalisten sollten in ihrem Unternehmen die Hubs kennen", meint Alder-Wuerrer. Unter dem Begriff "Hubs" seien Leute zu verstehen, die sich im Zentrum befinden: "Knoten mit direkter Verbindung zu mehreren anderen Knoten." Es sei wichtig zu wissen, wer die "informelle Macht" habe. Weiters müssten "Pförtner" identifiziert werden, die die Brücke zwischen den Netzwerken bilden. Und: "Je größer ein Netzwerk ist, desto schneller kommt man klarerweise von A nach B." Laut einer Untersuchung des Psychologen Stanley Milgram erreicht man mit maximal sechs Mal Hände schütteln jede x-beliebige Person in den USA.

Verzichten auf Bonus

In puncto Sprache solle in internationalen Netzwerken unbedingt auf Englisch zurückgegriffen werden. Heimischen Firmen rät sie, auf einen "Österreicherbonus" bei den Konversationen zu verzichten: "Englisch macht die Leute gleicher, da es eine höhere Fehlertoleranz gibt."

Dass der Begriff "Netzwerk" oft negativ konnotiert ist, bestätigt sie: "Bei vielen wird das mit Freunderlwirtschaft assoziiert." Es gehe aber um Beziehungspflege und es ist schließlich - in den meisten Fällen - nicht illegal, dass diese in beruflichem Profit mündet. (om, derStandard.at, 27.10.2010)

Link

www.hrcircle.at

Nächster HR Circle Termin am 4. November, Beginn 18.00 Uhr:

Gaby Sonnbichler (Geschäftsführerin der österreichischen Krebshilfe Wien) und Stefan Haslinger (Klinischer und Gesundheitspsychologe/Arbeitspsychologe der Österreichischen Krebshilfe Wien) zum Thema: Mein(e) MitarbeiterIn hat Krebs

  • Elisabeth Alder-Wuerrer war Vortragende beim HR-Circle.
    foto: derstandard.at/mark

    Elisabeth Alder-Wuerrer war Vortragende beim HR-Circle.

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    Wer ein Netzwerk spinnt, erwartet sich einen Vorteil.

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