"Big-Brother-Awards" küren "Internetabsperrer" zum "lebenslangen Ärgernis"

25. Oktober 2010, 20:01
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Weitere Preisträger sind T-Mobile, Vizekanzler Josef Pröll und die Staatsanwaltschaft Wien

Die Staatsanwaltschaft Wien, der Mobilfunker T-Mobile, Vizekanzler Josef Pröll, Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und Gudrun Höfner, Geschäftsführerin von IT-Works, sie alle haben am Montagabend im Wiener Rabenhof Theater den "Big-Brother-Award" bekommen. Mit diesem Preis werden Personen, Behörden, Institutionen und Unternehmen bedacht, die sich in "Big-Brother"-Manier wenig rühmlich mit persönlichen Daten beschäftigen. 

Die "Internetabsperrer"

Als "lebenslanges Ärgernis" haben sich die "Internetabsperrer" den Preis verdient, so die Veranstalter. Damit sind „Medien- und Unterhaltungsindustrie, sowie jene Politiker, die sich von dieser Lobby Vorteile für die Öffentlichkeitsarbeit versprechen" gemeint, die gegen eine freies Internet auftreten und bestimmte Websites sperren wollen.

Wenig Schmeichelhaftes gebe es laut den "Big-Brother-Awards"-Verleiher auch über T-Mobile zu berichten. „Monate nach den ersten Beschwerden über massenhaft versandte, betrügerische Mehrwert-SMS, die pro Stück mit fünf Euro vergebührt wurden, kassierte der Mobilnetzbetreiber immer noch dabei mit, anstatt die Betrüger aus dem Netz zu werfen, oder die Mehrwertdienste sofort zu deaktivieren", so die Jury.

„Datenabzapfung bei Langzeitarbeitslosen"

Die Firma IT-Works verdiente sich mit der „Datenabzapfung bei Langzeitarbeitslosen" einen Award.Das Unternehmen ist laut den Proponenten vom Arbeitsmarktservice (AMS) zur Vermittlung von Stellen beauftragt worden sei. Hier stößt man sich an der Datenerhebung: "Die 'gemeinnützige Arbeitskräfteüberlassung' bedeutet nämlich 'Leiharbeiterfirma', die Arbeitssuchenden werden - auf freiwilliger Basis - dazu 'motiviert', einen umfassenden Fragebogen auszufüllen, zum Zwecke schnellerer Arbeitsvermittlung. Gender- und diversitysensibel wird da abgefragt, ob die bisherigen Beschäftigungen einvernehmlich aufgelöst wurden oder nicht. Dazu kommt eine ganze Latte von Fragen nach persönlichen Problemen, wie es die Arbeitssuchenden mit Drogen, Alkohol, Spielsucht, oder Medikamentenkonsum halten - und nach schon getilgten Vorstrafen wird auch gefragt."

"Transparenzdatenbank"

Vizekanzler Josel Pröll kassierte eine Auszeichung für die sogenannte "Transparenzdatenbank" ."Transparente Bürger, intransparente Politik", stellten die Begutachter zu Pröll fest. Es werde "eine riesige, zentrale Datenbank errichtet, die bald über jeden Einwohner der Republik ein eigenes Finanzdossier enthalten wird. (...) Es ist die Sozialversicherungsnummer, die personenbezogene Vorgänge aus dem Familienleben, Alltag, Gesundheit und Beruf verknüpft. Derartige hoch integre, gut gepflegte und stets aktuelle Datensätze, die sämtliche Zahlungen Bürger-Staat und umgekehrt abbilden, aber werden unwiderstehliche Objekte der Begierde korrupter Bürokraten, Erpresser und anderem Gelichter sein." Die österreichischen Parteien würden über ihre Geldmittel von jährlich rund 300 Mio. Euro hingegen keine Auskunft geben, so die Begründung.

Die Staatsanwaltschaft Wien wurde ebenfalls ausgezeichnet, da sie „Amtshilfe für die Staatsanwaltschaft München leistete".  Auf ihre Anordnung „wurden zwei österreichische Journalisten, die für ein österreichisches Medium arbeiten als 'Beschuldigte' zur Einvernahme in das Landeskriminalamt Wien bestellt. Bloßes Zitieren aus den Gerichtsakten eines laufenden Verfahrens ist in Österreich legal und stellt keinen Straftatbestand wie in Deutschland da." 

Dieselbe Staatsanwaltschaft Wien ist zeitgleich durch einen eigenwilligen Umgang mit dem Terrorismusparagrafen aufgefallen, wegen zweier Mistkübelbrände wurde über vier Studierende eine mehrwöchige Untersuchungshaft verhängt. „Die solchem Ungeist eng verwandte Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wendet den genannten Paragrafen 278a ('Kriminelle Organisation') hingegen vorzüglich auf Tierschutzaktivisten an. Was die Verfolgung von Journalisten angeht, so hat es den Niederösterreichern weniger der Printbereich, als vielmehr Video angetan. Gegen einen TV-Dokumentaristen (ORF) und zwei Skinheads wird gleichermaßen wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung ermittelt, Anlass dafür: Ein Zuruf von Hans Christian Strache. Die Staatsanwaltschaft reagierte prompt und ordnete die Beschlagnahme des gesamten Drehmaterials," so die "Big-Brother-Awards"-Veranstalter.

Volkswahl

Die Volkswahl entschied Justizministerin Claudia Bandion-Ortner klar für sich. Hier die Begründung: "Wie der Verlauf dieser Gala zeigt, haben sich die Ministerinnen und Minister der ÖVP im Jahr 2010 nachgerade um diese Preise angestellt. Trotz eines veritablen Kraftakts in letzter Minute - kleine Mädchen der Mutter wegnehmen und in Schubhaft stecken - hat es für Innenministerin Maria Fekter (V) heuer trotzdem nicht gereicht. Claudia Bandion-Ortner war in der Ungunst des Publikums heuer einfach nicht zu schlagen. Während die Gangster mit den weißen Kragen weiterhin frei herumlaufen, weil partout keine Anklage gelingen will, verhängte man unter ihrer Ägide als Justizministerin wegen eines brennenden Mistkübels zum Beispiel mehrwöchige Untersuchungshaft über vier jungen Menschen. Das sogenannte Terrorismuspräventionsgesetz hat nämlich zivilen Ungehorsam in prekäre Nähe zur schweren Kriminalität gerückt."

„Defensor Libertatis"

Den Positivpreis „Defensor Libertatis" bekam John Young. Der New Yorker Architekt hat seit 1996 auf seiner Website Cryptome.org 56.000 Dokumente angesammelt, „deren Verfügbarkeit Regierungen rund um die Welt ein steter Dorn im Auge ist." Wenn Meldungen über im Internet veröffentlichte Namenslisten von MI6 oder CIA-Agenten durch die Breitenmedien gingen, dann fanden sich diese Listen in Zeiten vor Wikileaks stets auf Cryptome, so die Veranstalter. (sum)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
1 2
the setting sun
01
27.10.2010, 10:01
ui ... leider kein preis an apple ...

nominiert waren sie ja:
http://www.bigbrotherawards.at/2010/Komm... ungssensor

wäre wohl mehr als verdient gewesen. aber "gewisse produkte" haben halt in "gewissen kreisen" ein besonderes "standing". schade drum.

*esofan*
01
26.10.2010, 21:53

t-mobile reiht sich nahtlos ein in die riege der abzocker-mobilfunker die nur durch werbe-dauert*rror auffallen.

Mango5
00
27.10.2010, 00:54

Das kann ich nur bestätigen. Die T-Mobile-Mitarbeiter putzen sich unsäglich ab, wenn man ihre strafbare Abzocke mit diesen "Mehrwert"-SMS kritisiert und das Geld zurück verlangt. Diese teuren SEX-SMS gehen auch an Kinder!

Alle perversen Abzocker und T-Mobile KÜNDIGEN!

gehdesgibtsjaned
01
26.10.2010, 15:27
A*rschloch-Parade

...

Die korruptesten Schweine dieser Welt fordern mehr "Ehrlichkeit".

psychodaddy
11
26.10.2010, 12:18
Lieber Horst Jens

Sein eigenes Blog als echten Bericht darzustellen, ist schon etwas heftig.
Vielleicht hätte man schreiben sollen "als Alternative können Sie auch gerne mein Blog lesen". Aber den eigenen "Bericht" als einzig echt hinzustellen ist nur dreist.
Da stellt sich doch auch die Frage, woher die Fotos der T-Shirts sind (Urheberrecht).

Horst JENS
 
00
28.10.2010, 08:23
unechter blog

Für mich ging aus dem Standard-Artikel nicht hervor ob der Autor überhaupt vor Ort war oder nur die Presseerklärung abgeschrieben hat. Ich würde mich freuen wenn es mehr Berichte direkt von der Veranstaltung geben würde. Ich nehme an für Sie bezieht sich "echt" nicht auf "vor Ort sein" sondern auf "echter Journalist sein" ? Die T-Shirt-Fotos sind verlinkt auf die Webshop-Seite.

Der Misanthrop
 
13
26.10.2010, 11:37
Ein würdiger Preisträger

wäre dann auch die STANDARD-Zensur. Ist nämlich auch ein Ärgernis.

Horst JENS
 
03
26.10.2010, 09:13
Der Standard veröffentlicht Juryentscheidung zu früh

Der Online-Standard veröffentlichte die Juryentscheidung schon um 20:01, während die Veranstaltung gerade anfing. Der Artikel ist im wesentlichen eine Zusammenfassung Presseerklärung auf der BigBrotherhomepage. Einen echten Bericht gibt es hier:
http://horstjens.blogspot.com/2010/10/b... -2010.html

Bimpf
02
26.10.2010, 19:28

du bist auch a echter artikel

byron sully
156
26.10.2010, 00:11
sehr schade,

daß man die big brother awards im web-ressort und nicht im politik-ressort platziert. das ist nämlich eine hochpolitische veranstaltung und kein bloßer IT-zeitvertreib.

haarspalter
06
26.10.2010, 08:58

Zustimmung!!!!

Wach auf, Redaktion!

Kid Sun
012
25.10.2010, 23:16

wie schon bert brecht sagte: das böse hat namen und adresse.

Erwin Wolfram
02
25.10.2010, 22:55

es ist kaum zu glauben, dass es noch eine organisation gibt, die halbwegs dicht ist...

schau, schau
233
25.10.2010, 20:59
was bei it-works dazukommt:

möchte man diesen fragebogen nicht oder nicht zur gänze ausfüllen, ist das ganz schnell beim ams, und dann wirds schon haarig mim bezug des gelds. das ist nämlich noch eine köstliche facette dieses vereins...

Morpheus DerStandard
15
26.10.2010, 06:15

Krankenstand, hat schon aus vielen brenzligen Situationen geholfen.

-Hi!-
126
26.10.2010, 00:57
Stimmt, das ist aber brutal!

Der AMS-Bezug wird wegen Nichts oder jeder kleinsten Kritik an solchen illegalen und beleidigenden Machenschaften in (privaten) Instituten gestrichen.
Kritik an Datensammelwut (Missbrauchsgefahr, keiner weiß was mit den Daten geschieht) => Quärulant => Meldung beim AMS => Kursvereitelung => Bezugssperre.
AMS freut sich, spart Millionen, neoliberale Institute zwangsgefördert, Arbeitslosenstatistik aufgemöbelt

Besonders erbaulich für Alleinerzieherinnen, weil damit auch automatisch die e-Cards und die der mitversicherten Kinder deaktiviert werden - das erfährt man aber alles erst zufällig mit dem Kindern beim Arzt- kein Bescheid.

Herzlichen Dank den Verantstaltern, dass sie das mit einem obersten Fiesheits-Preis "gewürdigt" haben!

the_suck
01
26.10.2010, 12:31

neoliberale Institute? nennt man Freundalwirtschaft jetzt so ;) gab do so ein Institut das trotz des "AMS-Geldsegens" Pleite ging, dann kam man druaf das die Millionen bekommen haben für nicht erbrachte Leistungen und das der Firmeneigner rein zufällig Beziehungen hatte, da hat mans dann nicht so mit Ausschreibung ;)

-Hi!-
11
26.10.2010, 17:35
Neoliberal: Von aufoktroyierten Maßnahmen durch Bezugssperren profitieren die großen Billigstanbieter-Institute, die diesen Raubtierkapitalismus sehr gewinnbringend am Rücken von Arbeitslosen betreiben

Jobsuchende dienen quasi als „Nutztiere“ und sichern die Jobs ihrer meist unterqualifizierten, unterbezahlten Beleidigungs-Coaches, die vollkommen unkritisch neoliberalen Schwachsinn nachplappern. Diese praktizierten Massenentwertungskonzepte sind sehr schädigend. Wer denkt sich das aus? Das kostet Unsummen und bringt die Arbeitslosen bei Erfolg nur um ihr Selbstwertgefühl. Kalkül- dermaßen unter Druck gesetzt ergreifen sie jeden Strohhalm und die Flucht in unterbezahlte Jobs. Coaches allein können weder Jobs herbeizaubern die es nicht gibt, noch Bildungsdefizite beseitigen. Für frei wählbare Qualifizierungsangebote gibt es nie Geld. Besonders fatal für Jugendliche die durch diese Fehlregulierung zu keiner ordentliche Ausbildung kommen.

-Hi!-
11
26.10.2010, 15:29
PROFIL berichtet hier über die Ermittlungen im AMS-Skandal und 16,5 Mio Schaden! http://tinyurl.com/33fyf8o

Zitat: "Der Fall liest sich wie das Drehbuch für einen Krimi typisch österreichischen Zuschnitts, in dem so gut wie jedes Klischee strapaziert wird: Mauscheleien, Schlampigkeit, Verhaberung, Größenwahn, Kleinkriminalität, Systemversagen.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Untreue, Betrug, Amtsmissbrauch und Anstiftung dazu.
Der Gebrauch zweier TAN-Codes genügte für Transaktionen in Millionenhöhe; fehlende Kommunikation zwischen AMS und BHAG. Es erfolgte keine Verständigung über verfügte Zahlsperren betreffend VENETIA; fehlende Dienst- und Fachaufsicht; unterlassene Prüfungen durch die Interne Revision der BHAG…"

Dass mit 2 TANs Mio Euro Steuergeld abgezwackt werden kann, kontolliert keiner, die Kontrollen Arbeitsloser haben doch Priorität!

LCD
72
25.10.2010, 22:03

Wer zwingt Sie dazu alles Wahrheitsgemäß auszufüllen?

-Hi!-
116
26.10.2010, 01:05

Die meisten machen das aus begründeter Angst vor Streichung des AMS-Bezugs.
Natürlich kann man auch irgendwas hinschreiben, aber das ist keine Lösung.
Dieser Missbrauch gehört endlich gesetzlich und bei hohen Strafen verboten!
Anscheinend lässt sich mit solchen Datensätzen eine Menge verdienen und Schindluder treiben.

schau, schau
012
25.10.2010, 22:32
mich zwingt niemand

aber ich wünsche ihnen viel spaß mit ihrer naivität...

derbrain
17
25.10.2010, 20:40
Hans Christian Strache

Köstlich, dieser untergriffige Hinweis auf einen dänischen Märchenerzähler :-)

Lorf
 
00
26.10.2010, 10:00

Er is ja auch a Hansl. ^^

FloW ERlebnis
06
25.10.2010, 20:59
*g* Stimmt. Dabei weiß doch noch der dümmste seiner JungN@zi-Fans dass er Heinrich heißt...

.
'Wos stehtn do überhaupt? H E Strache... aaahh, Heinrich Strache! H E, Abkürzung...'

http://www.youtube.com/watch?v=udtXwrnpclc
Min 2:50

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