Gehirnerschütterungen wirken lange nach

25. Oktober 2010, 11:04
  • Empfindlicher Inhalt: Der Schädel schützt das Gehirn vor Erschütterungen, die nachhaltige Wirkungen haben können
    foto: philipps-universität marburg / ag konrad

    Empfindlicher Inhalt: Der Schädel schützt das Gehirn vor Erschütterungen, die nachhaltige Wirkungen haben können

Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma untersucht - Beeinträchtigungen in verschiedenen neuropsychologischen Bereichen

Leichte Gehirnerschütterungen haben gravierende Langzeitwirkungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Mediziner und Psychologen aus Marburg und Münster jetzt vorgelegt haben. Der Untersuchung zufolge leiden die Betroffenen noch nach sechs Jahren unter erheblichen Beeinträchtigungen ihrer kognitiven Fähigkeiten. "Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kann nach relativ geringen Erschütterungen beim Sport, im Haushalt, nach Auffahrunfällen oder Stürzen auftreten", erklärt Projektleiter Carsten Konrad. Für Patienten, die eine Gehirnerschütterung erlitten haben und danach emotionale oder kognitive Beeinträchtigungen bemerken, ist es häufig schwierig, ihre Ansprüche gegenüber Versicherungen oder Unfallgegnern durchzusetzen, da nach der gängigen Lehrmeinung eine Gehirnerschütterung ohne Langzeitfolgen bleibt.

Beeinträchtigungen nach sechs Jahren

Das interdisziplinäre Autorenteam um Carsten Konrad liefert nun Hinweise darauf, dass diese Auffassung falsch sein könnte. Die Wissenschafter nahmen Patienten unter die Lupe, die ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erlitten haben, und untersuchten sie psychiatrisch, neuropsychologisch sowie mittels Magnetresonanztomographie. Die Patienten nach leichtem Schädel-Hirn-Trauma zeigten im Durchschnitt nach sechs Jahren mittelstarke bis starke Beeinträchtigungen in verschiedenen neuropsychologischen Bereichen wie Lernen und Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen. Auch depressive Symptome waren nach Gehirnerschütterung häufiger. Bei Probanden, die kein Schädel-Hirn-Trauma erlitten hatten, zeigte sich kein derartiger Befund. Die Resultate sind in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift "Psychological Medicine" nachzulesen. "Wir können ausschließen, dass die beobachteten Beeinträchtigungen sich durch depressive Symptome oder suboptimales Leistungsverhalten erklären lassen", führt Konrad aus. Die Ursachen der Langzeitwirkung sind unbekannt. (red)

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