Android: Rasanter Aufstieg mit unübersehbaren Problemen

25. Oktober 2010, 11:20
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Rasch wachsendes Interesse bei EntwicklerInnen von deutlicher Kritik begleitet

Es ist noch nicht all zu lange her, da sorgte das Bekenntnis Anwendungen für Android zu entwickeln noch für so manch verblüffte Reaktion, immerhin war das mobile Betriebssystem von Google bis vor rund einem Jahr noch ein relativ kleiner Mitbewerber im Vergleich zu Apples iPhone. Das hat sich zwischenzeitlich nachhaltig geändert, weltweit haben die Verkäufe von Android-Smartphones in den letzten Monaten rasant zugenommen - rund 250.000 neue Geräte werden laut Google aktuell täglich aktiviert.

Verschiebungen

Von diesem Erfolg angezogen, wenden sich immer mehr EntwicklerInnen der Android-Welt zu, wie nun auch die New York Times in einem aktuellen Artikel attestiert. "Wenn ich früher jemandem erzählt habe, dass ich für Android entwickle, haben sich mich angesehen, als ob ich drei Köpfe hätte. Jetzt weiß jeder, was Android ist" bringt Michael Novak, Entwickler bei Medialets, die Verschiebung in der öffentlichen Wahrnehmung auf den Punkt.

Analysen

Trotzdem ist auch Kritik am aktuellen Android-Ökosystem kaum zu überhören, so ist es für viele noch immer recht schwer Geld mit ihren Anwendungen zu machen. Woran es liegt, dass der Kauf-Impuls bei Android-NutzerInnen schwächer ausgeprägt ist als im iPhone-Umfeld, dazu gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Ein relevanter Faktor ist sicherlich, dass der Erwerb von Android-Anwendungen derzeit erst in 32 Ländern möglich ist, beim iPhone sind es 90 an der Zahl. Auch erlaubt der Market das Bezahlen ausschließlich über Googles eigenes Service "Checkout", zudem befürchten manche EntwicklerInnen dass die Gratis-Kultur rund um Google eine entsprechende Erwartungshaltung bei den NutzerInnen erzeugt.

Eingeständnis

Dass es noch einigen Verbesserungsbedarf gibt, gesteht denn auch Andy Rubin indirekt ein: "Wir sehen noch immer die Version 1.0 des Ökosystems", so Googles Android-Chef. Entsprechend experimentiert dann auch manch Hersteller mit Alternativem zum App-Verkauf, ein aktuelles Beispiel dafür ist Rovio. Das finnische Unternehmen hat vor kurzem sein zuvor schon am iPhone äußerst erfolgreiches Spiel "Angry Birds" für Android kostenlos - aber werbefinanziert - veröffentlicht.

Werbung

Ausschlaggebender Faktor war hier die Befürchtung, dass die begrenzte Verfügbarkeit der Kaufoptionen im Android Market dazu führt, dass sich vor allem illegitime Kopien des Spiels verbreiten würden - da versucht man dann lieber gleich über Werbeeinnahmen zu Geld zu kommen. Und auch wenn bislang nicht klar ist, welche Summen hier tatsächlich über Ads zu den EntwicklerInnen wandern, der Umstand, dass "Angry Birds" mittlerweile bereits mehr als drei Millionen mal heruntergeladen wurde, zeigt dann wieder das Potential des Android-Umfelds.

Herausforderungen

Aus technischer Sicht identifiziert man rund um Android vor allem eine große Herausforderung: Die Verfügbarkeit von Android auf einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte mache die Entwicklung wesentlich schwieriger, betont man bei Rovio, dies allen Kompatibilitätstests von Google zum Trotz. Allerdings sehen die EntwicklerInnen auch so manchen Vorteil von Android gegenüber der iOS-Welt. Vor allem die wesentlich weniger strikten Regeln für den Android Market im Vergleich zu Apples App Store werden immer wieder positiv erwähnt. Immerhin wären dadurch Anwendungen und Spiele bei Android innerhalb kürzester Zeit verfügbar, während die Tests von Apple schon mal einige Tage bis Wochen dauern können. (red, derStandard.at, 25.10.10)

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