G‘hupft wie g‘sprungen - Mit Video

24. Oktober 2010, 16:46
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Beim Trialsport geht es darum, Hindernisse zu überwinden, ohne mit den Füßen den Boden zu berühren. Thomas Öhler ist Trial-Profi und gibt Tipps

Die Gruppe der Trial-Radler in Österreich ist überschaubar. Vermutlich der Beste unter ihnen ist der Oberösterreicher Thomas Öhler, und er meint: "Es gibt zwei bedeutende Gruppen in Österreich – eine in Linz, die größere in Graz – zusammen sind wir eine eingeschworene Gemeinde."

Thomas Öhler ist 27 Jahre alt, studiert in Salzburg Sportwissenschaften und ist Trial-Profi. "Zwei Kurse muss ich noch abschließen, dann mach ich heuer noch den Bachelor. Die nächsten zwei, drei Jahre habe ich vor, Rad zu fahren – den Master hole ich dann irgendwann nach."

Zum Trialsport ist Thomas Öhler über Motorräder und Mountainbikes gekommen: "Mein Vater hatte eine Trialmaschine – mit der bin ich ein wenig gefahren. Mit den Kindern aus der Nachbarschaft war ich oft mit dem Mountainbike unterwegs, und wir haben verschiedene Tricks, wie Bunniehops, probiert. Für richtige Tricks waren die Räder aber zu schwer. Irgendwann bekam ich dann zu Weihnachten ein Trialrad geschenkt." Inzwischen hat sich Öhler den Weltmeistertitel gekrallt, wurde 2006 Europameister und hat jede Österreichische Meisterschaft gewonnen, bei der er mitgefahren ist. "2008 habe ich mit den Wettkämpfen aufgehört. Die Bewerbe, die Trial-Shows und die Uni gleichzeitig, das war einfach zu viel auf einmal." Jetzt konzentriert sich Öhler auf die Shows und baut einen Vertrieb für Trialräder auf.

Tipps für Einsteiger

Anfänger im Fahrrad-Trialsport haben es nicht ganz leicht, wenn sie alleine für sich trainieren. "Am besten fängt man mit jemandem zu fahren an, der schon gut ist. Wir freuen uns über jeden Neuen, und wenn wir einen Trialfahrer sehen, tauschen wir gleich die Nummern aus, verraten unsere Tricks und helfen, wo es geht. Denn lernen kann man den Sport nur durch viel üben. Und wenn einem jemand aus der Szene sagt, wie was funktioniert – oder vielleicht wenn man sich etwas von Videos abschaut. Außerdem helfen wir bei der Materialbeschaffung."

Trialräder kauft man nämlich selten von der Stange, erzählt Thomas Öhler. "Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten von Trialrädern: Die klassischen Trialräder ohne Sattel sind aktuell schon sehr leicht und wiegen um die neun Kilo. Diese Räder unterscheidet man noch einmal zwischen jenen mit 20- und denen mit 26-Zoll-Rädern. Kinder sollten eher die 20-Zöller nehmen, weil sie handlicher sind. Erwachsene können auch mit 20-Zöllern beginnen. Kommt man aber aus dem Mountainbike-Bereich, wird man sich mit den 26-Zoll-Rädern leichter tun, weil man sie schon gewohnt ist."

Thomas Öhler fährt selbst zwar ein 26-Zoll-Bike, aber eine andere Art von Rad: ein Street-Trial. "Diese Räder sind eine Mischung aus Mountainbike und Mountainbike Dirt. Die haben einen Sattel, sind kürzer und stärker gebaut. Es ist der neue Weg der Trials."

Baukasten-System Trialrad

Für ein gescheites Trialrad muss man schon 1.800 bis 2.000 Euro investieren. "Die meisten kaufen kein Komplettrad, sondern nur die Teile und bauen sich alles selber zusammen. Wichtig sind gescheite Bremsen, die aber keine Scheibenbremsen sein müssen – eine hydraulische Anlage ist aber schon gut. Bei Gabel und Lenker sollte man nicht sparen, weil wenn da was bricht, tut das gleich ordentlich weh. Und gute Reifen braucht man natürlich auch. Für die 20-Zoll-Trialräder gibt es eh nur spezielle Reifen, weil die hinten ein 19-Zoll-Rad haben."

Trialer fahren mit sehr wenig Luftdruck: "Es kommt drauf an, wo man fährt, aber 1,2 bis 1,3 bar haben wir drinnen. Dadurch hat der Reifen mehr Aufstandsfläche. Obwohl, inzwischen fahren wir ja schon mit mehr Druck als noch vor einigen Jahren, weil die Entwicklung in Richtung leichterer Reifen geht. Wenn die Reifen leichtwandiger werden, braucht man mehr Luft, um nicht dauernd auf die Felge durchzuschlagen."

Ab ins Fernsehen

Durchschlagend wird auch Öhlers Auftritt demnächst im Fernsehen sein: "Am Montag drehe ich mit Galileo einen fake-check." Dabei geht es darum, ein Internet-Video auf seinen Wahrheitsgehalt zu prüfen. "Es geht um ein Video von Ryan Leech, in dem er über ein siebeneinhalb Meter langes Stahlseil fährt." Gefaket ist das Video jedenfalls nicht, weiß Öhler: "Ich habe selbst schon öfter mit Ryan gedreht und weiß, dass er es kann. Für die Sendung spannen wir das Seil zwischen zwei Autos, und ich werde von einem Fahrzeug zum nächsten fahren." Ob er es schaffen wird, werden wir sehen, er selbst ist zuversichtlich: "Ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde, bis wir es im Kasten haben, aber ich bin mir sicher, dass ich das kann."

  • Artikelbild
    foto: mauricio ramos/red bull photofiles
  • Informationen: Thomas Öhler
    foto: georg oberlechner/red bull photofiles

    Informationen: Thomas Öhler

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