Seniorenpudding und Omas Fruchtzubereitung floppen

22. Oktober 2010, 17:49
4 Postings

Versuche der Supermärkte, sich auf ältere Semester zu spezialisieren, scheiterten. Allein Rabatte ziehen immer

Claus Hipp füllt jedes vierte Gläschen Babynahrung für Erwachsene und Senioren ab. Allein in Deutschland löffeln die älteren Semester Kinderkost im Wert von jährlich 75 Millionen Euro. Das ist immerhin gut ein Zehntel des Gesamtmarkts des Babygeschäfts. Er habe mit dem Gedanken gespielt, mit spezieller Nahrung für Ältere dem Ganzen auch einen Namen zu geben, deutete Hipp mehrfach an. Er habe die Idee dann aber stets wieder verworfen. Brei für alte Menschen lasse sich nicht bewerben, diskriminierend sei er zudem. Denn wer sei schon gerne alt?

Der Seniorenpudding und die Fruchtzubereitung für die Oma - das spiele es in der Lebensmittelindustrie nicht, sagt Michael Blass, Chef des Fachverbands in Österreich. Die Produzenten reagierten auf spezielle Bedürfnisse, von kleinen Verpackungseinheiten bis zu Anreicherungen mit Vitaminen und Mineralstoffen. Stehe aber darauf zu lesen, dass es eigens für Senioren sei und gar auch noch leicht zu kauen, bleibe es so gut wie sicher in den Regalen der Supermärkte stehen, ergänzt Marketingexpertin Martina Tuma.

Auch internationale Lebensmittelkonzerne wie Unilever und Danone winken ab. Natürlich sei da der Trend zur Anti-Aging-Ernährung und zu Produkten, die Knochen stärken und Cholesterin senken sollen. Aber konkrete Lebensmittel für Alte seien kein Thema.

Milliardenumsätze möglich

Geld ist freilich zu viel zu holen, um auf die Gunst der Senioren zu verzichten. Es geht jährlich um Milliardenumsätze - was neben den Produzenten auch die Händler daran tüfteln lässt, wie man sie lange an sich binden könnte.

Die Kaufleute der Adeg probierten es so etwa einst mit einem Supermarkt für die über 50-Jährigen. In Bergheim in Salzburg startete 2003 unter großem Tamtam eine entsprechende Filiale: Extrabreite Gänge und rutschfeste Böden gab es, die Preisetiketten waren größer, die Regale niedriger und mit Lupen versehen. Die Mitarbeiter waren allesamt selber älter als 50. Doch das Experiment scheiterte, aus der geplanten Expansion nach Wien mit dem Konzept wurde nichts, mittlerweile sperrte der ganze Standort zu.

Jeder Supermarkt achte darauf, dass Läden hell, barriere- und stolperfrei seien und Preisschilder so groß wie möglich, sagt Spar-Konzernsprecherin Nicole Berkman. Doch bei vielem, was sich speziell an betagtere Kunden richte, sei es bei Versuchen geblieben. Zu einer Sitzgelegenheit umfunktionierbare Einkaufswagerln seien ebensowenig angenommen worden, wie die Lupe an den Regalen. Letztere wurde oft Opfer der Zerstörung.

Achtel Butter und Singletoast

Zielpunkt lässt Lupen draußen, werde sich aber um neue Dienstleistungen für Ältere bemühen, erzählt Geschäftsführer Jan Satek. Sie könnten Einkäufe bald vorbestellen, auch ein Einpackservice sei geplant. Zudem teste man kleinere Verpackungen - vom Achtel Butter bis zum Singletoast.

Rabatte ziehen freilich fast immer. Zielpunkt gewährt sie Senioren am Mittwoch, dem an sich umsatzschwächsten Tag der Woche. Seither liege der Pensionistenanteil hier bei einem Drittel. (Verena Kainrath, DER STANDARD-Printausgabe, 23./24. 10. 2010)

  • Bei den Pensionisten ist für den Handel viel Geld zu holen. Sitzgelegenheiten und Lupen in den Filialen wollen sie nicht.
    foto: standard/jungwirth

    Bei den Pensionisten ist für den Handel viel Geld zu holen. Sitzgelegenheiten und Lupen in den Filialen wollen sie nicht.

Share if you care.