Geldspritze der Banken nur gegen Kovats-Beitrag

22. Oktober 2010, 19:11
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Eine Übergreifen der Insolvenz der A-Tec Holding auf die operativen Töchter kann nur mit neuen Krediten verhindert werden

Eine Übergreifen der Insolvenz der A-Tec Holding auf die operativen Töchter kann nur mit neuen Krediten verhindert werden. Die Gläubiger wollen dafür einen Beitrag von Mirko Kovats, der einzulenken scheint.

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Wien - "Mirko Kovats ist klar, dass von ihm ein Beitrag verlangt wird." Der Sanierungsanwalt der insolventen Konzern-Holding A-Tec Industries AG, Norbert Abel, macht im Gespräch mit dem Standard keinen Hehl daraus, dass der Hauptaktionär des Mischkonzerns Geld zuschießen muss, soll die A-Tec fortbestehen. Immerhin sollen nicht nur die Anleihegläubiger auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten, sondern zusätzlich die Banken frische Mittel zur Verfügung stellen.

Vor allem die Problemtochter Austrian Energy & Environment (AE&E) braucht Geld. Neben der Verlängerung des Garantierahmens im Volumen von 800 Mio. Euro geht es um an die 100 Mio. Euro Liquidität, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Abel will keine Zahlen nennen, bestätigt aber, dass sich der Cash-Plan von Tag zu Tag ändere, weil zahlreiche Lieferanten Vorauskasse verlangten.

AE&E ist jener aus Teilen der Waagner Biro entstandene Kraftwerksbauer mit 4850 Mitarbeitern, der die Probleme der Gruppe wegen zweier Flops in Australien auslöste. Allerdings läuft es auch ohne Abenteuer in "down under" alles andere als rund. Während die Motoren anderer Anlagenbauer wie Siemens brummen, verzeichnete AE&E im ersten Halbjahr einen Einbruch beim Auftragseingang von 43 Prozent.

Abverkauf als Alternative

Dazu kommt, dass die von einem syndizierten Bankenkonsortium kurzfristig gekündigte Avallinie von 800 Mio. Euro nicht das einzige Risiko darstellt. Daneben wurde in der Division Anlagenbau "auf bilateraler Basis" ein Garantierahmen in Höhe von 403,1 Mio. Euro eingegangen. Die AE&E ist auch der Hauptgrund dafür, dass Abel die Beteiligungsansätze im Insolvenzstatut um 570 Mio. Euro korrigierte. "Wenn die Banken nicht zustimmen, wird die Beteiligung wertlos", begründet der Rechtsanwalt die Vorgangsweise.

Die Banken fordern nun für die benötigten Kredite einen Beitrag von Kovats. Auch Hans-Georg Kantner vom Kreditschutzverband 1870 hält diesen Schritt für unausweichlich. "Das ist eigentlich selbstverständlich, wenn das lecke Schiff wieder flott gemacht werden soll. Anderes geht es nicht." Sollte Kovats bzw. seine Privatstiftung M.U.S.T. einen Beitrag verweigern, werde man alternative Szenarien durchspielen, so der Insolvenzexperte. Konkret bedeutet das die Abwicklung der Gruppe, teils durch Verkäufe, teilweise durch Schließungen von Standorten. Der Unternehmer stünde dann vor den Trümmern seines Lebenswerkes. Klar erscheint jedenfalls, dass nicht nur Banken und Anleihegläubiger zur Kasse gebeten werden, sondern zusätzlich eine Rekapitalisierung notwendig ist. Allein die Wertberichtigung der AE&E würde das gesamte Eigenkapital des Konzerns auffressen.

Zum Handkuss kommen Kovats, der zwei Drittel der A-Tec Industries hält, und der Streubesitz, bereits jetzt. Die Aktie, die seit Mittwoch Nachmittag vom Handel an der Wiener Börse ausgesetzt war, stürzte nach dem Transfer vom Prime in den Continuous Market um mehr als die Hälfte ab. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.10.2010)

  • Während der Motor zahlreicher Anlagenbauer brummt, stottert jener der 
Austrian Energy & Environment.
    foto: a-tec

    Während der Motor zahlreicher Anlagenbauer brummt, stottert jener der Austrian Energy & Environment.

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