Standard-Interview

"Man kann sich schnell sehr alt fühlen"

Sigi Lützow, 22. Oktober 2010, 17:44

Olympiasieger Anton Innauer legt alternden Spitzensportlern den Wechsel der Sportart nahe

Standard: Wie sollten Spitzensportler mit dem Altern umgehen?

Innauer: Subjektiv betrachtet muss man rechtzeitig die Sportart wechseln, damit es nicht so auffällt. Bliebe man ein Leben lang Skispringer, würde man es extrem merken, dass man älter wird. Wenn man dagegen auf Golf oder Fliegenfischen umsteigt, ist das Ganze erträglicher. Schwer ist es, weil Leistungssportler ja Benchmarks aus ihrer Jugend haben - die 11,2 Sekunden über 100 Meter oder die Zeiten, die sie gebraucht haben, um einen Berg zu besteigen oder eine Strecke zu radeln.

Standard: Ist das Loslassen ein besonderes Problem für Sportler?

Innauer: Da gibt es die berühmte Geschichte von Milon von Kroton, dem großen Olympiasieger der altgriechischen Spiele, der letztlich zugrunde gegangen ist, weil er zum Schluss wissen wollte, ob er nicht doch noch imstande sei, einen Holzklotz auseinanderzureißen, den Holzfäller mit Keilen aufgespalten hatten. Er hat sich die Finger eingeklemmt, konnte nicht weg und ist von wilden Tieren zerfleischt worden.

Standard: Ist das körperliche Altern nicht für alle gleich?

Innauer: Ein Sportler nimmt es deutlicher wahr, weil er die körperliche Leistungsfähigkeit durch absolute Hingabe und das Ausreizen der letzten Möglichkeit auf ein nahezu unnatürliches Niveau angehoben hat. Besonders schlimm muss es für Athleten sein, die gedopt haben, ihre Leistungsfähigkeit also über das Natürliche hinaus angehoben haben.

Standard: Sie mussten Ihre Karriere schon mit 22 Jahren wegen einer Verletzung beenden. Alt werden Sie sich damals ja nicht gefühlt haben.

Innauer: Das tatsächliche Alter spielt keine Rolle. Man kann sich schnell sehr alt fühlen, wenn der Körper nicht mehr leisten kann, was wenige Tage zuvor noch normal war. Es war für mich ein Schockerlebnis, wie schnell die körperliche Unversehrtheit und Leistungsfähigkeit zusammenbricht und verschwunden ist.

Standard: Da waren Sie also plötzlich ein alter Junger. Können Sie auch mit dem neuen Phänomen der jungen Alten etwas anfangen?

Innauer: Ach, das hat es doch früher auch gegeben. Ich bin mit meinem Vater, der leider nicht mehr lebt, an seinem 77. Geburtstag ins Holz gegangen, Bäume fällen, aufmachen, liefern. Ich war 30 Jahre jünger, war aber nach acht Stunden wahrscheinlich müder als er. Wenn man seine Disziplin findet, kann man lange gut mithalten.

Standard: Wie gehen Sie mit Ihrem eigenen Alterungsprozess um?

Innauer: Der hat eine körperliche, geistige und meinetwegen auch eine spirituelle Dimension. Die körperliche bedarf der Hingabe. Ehemalige Spitzensportler hätten das Gefühl dafür, den Körper so zu fordern, dass Alterungsprozesse verzögert oder für eine gewisse Zeit sogar gestoppt werden können. Man muss versuchen, das Menschsein als Prozess zu begreifen, der vom Kind zum Senior und letztlich auch zum Tod führt. Man darf nicht nur dem Olympiasieger-Niveau nachtrauern, sondern muss das Gegebene, den Tag, die Möglichkeiten genießen. (DER STANDARD PRINTAUSGABE 23.10. 2010)

ANTON INNAUER (52), Vorarlberger, 1980 in Lake Placid Olympiasieger auf der Normalschanze, zwischen 1987 und März 2010 im österreichischen Skiverband als Trainer bzw. Sportdirektor tätig. Mehrere Buchveröffentlichungen, zuletzt "Am Puls des Erfolgs" (Echtzeit Verlag). In Vorbereitung ist eine Neuauflage von "Der kritische Punkt. Mein Weg zum Erfolg" von 1992.

Dark Age
00
24.10.2010, 20:06

Dieses Interview lässt mich rapide altern!!!

lachspartei
22
23.10.2010, 09:21
ziegenbärtchen läßt alt aussehen

Renzo Pasolini
11
22.10.2010, 21:32
Bitte auch eine Literaturliste, Herr Magister!

Hannes Kartnig
30
23.10.2010, 10:07
sich suhlen in ignoranz...

sociovation
00
22.10.2010, 20:46
Die wunderbare Welt einer Webseite...

http://derstandard.at/128709982... -Aufhoeren

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