"Unterm Hintern zugesperrt"

22. Oktober 2010, 17:38
2 Postings

Kann man mit 47 Junglehrerin sein?

Wien - Im ersten Wiener Gemeindebezirk, direkt am Schwedenplatz, wächst Eva Kolostori auf und besucht die Handelsakademie am Karlsplatz. Nach einem, wie sie sagt, "Kurzbesuch" der Universität Wien verschlägt es die 1962 geborene zur Wiener Stadtzeitung Falter. Dort prägt sie im Programmteil mit "Kolostoris Kalender" von 1985 bis 1994 die Wiener Ausgehszene entscheidend mit. 1995 wird sie vom Trend-Profil-Verlag als Redakteurin für das Kulturprogrammheft Guido abgeworben, das allerdings schon im Jahr darauf wieder eingestellt wird.

Daraufhin arbeitet sie nolens volens als freie Journalistin für verschiedene Auftraggeber, darunter für die Stadtzeitung City, für die sie ebenfalls den Programmteil betreut. "Mit City haben sie mir 2008 die nächste Zeitung unterm Hintern zugesperrt", sagt Kolostori. "Nach mehr als 20 Jahren im Journalismus war ich mit nunmehr 46 Jahren zu einer Umorientierung gezwungen. Irgendwie war ich erleichtert."

Mit der Betreuung am AMS war sie zufrieden. "Auf meinen Wunsch bekam ich im Frühjahr 2009 einen Diplomlehrgang für Sozialbegleitung, wo man eine Ausbildung in den Bereichen Sozialarbeit, Altenpflege oder Arbeit in betreuten Wohneinrichtungen erhält", erzählt die temperamentvolle Frau und schüttelt ihren schwarzen Lockenkopf, während sie in ihren Unterlagen kramt. Die erste Enttäuschung folgt. "Meine Bewerbung als Kindergartenhelferin wurde dann aber mit der Begründung der Überqualifizierung abgelehnt." Im Winter 2010 kann sie ein Praktikum mit Schülerinnen und Schülern am Bundes-Blindeninstitut machen. "Da habe ich erstmals die Erfahrung gemacht, wie viel Spaß mir die Arbeit mit Kindern macht. Ich wollte eigentlich immer im sozialen Bereich arbeiten, bin aber damals auf Wunsch meiner Eltern in die HAK gegangen."

Mit 47 Jahren will sie kein Studium der Pädagogik mehr anfangen. Deswegen entscheidet sie sich für die "kürzere, aber hochwertige Ausbildung zur Kinder- und Jugendbetreuung in der schulischen Ganztagesbetreuung". In einem Alter, in dem andere sich getrost auf ihre berufliche Routine verlassen können, sattelt sie noch einmal völlig um und ist seit diesem Schuljahr an der Ganztagesvolksschule Vereinsgasse in Wien-Leopoldstadt tätig.

"Es macht eigentlich keinen großen Unterschied", sagt sie, "Kinder sind ja wie Journalisten - hochbegabt, fantasievoll und manche auch verhaltenskreativ". Aber: "Kinder sind auch ein Quell der Freude." Was sie jung hält? "Ich fühle mich jung." (tapa, DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.10.2010)

  • Eva Kolostori hat mit 47 noch einmal umgesattelt und ist jetzt 
Jugendbetreuerin.
    foto: privat

    Eva Kolostori hat mit 47 noch einmal umgesattelt und ist jetzt Jugendbetreuerin.

Share if you care.