Längeres Leben dank Lernen, Laufen und Lieben

22. Oktober 2010, 23:06

Beatrix Grubeck-Löbenstein über Medizin und Altern

Innsbruck/Wien - Als die Französin Jeanne Louise Calment am 4. August 1997 für immer ihre längst erblindeten Augen schloss, war sie genau 122 Jahre und 164 Tage alt - und damit der vermutlich älteste Mensch, der je auf unserem Planeten lebte. "Etwas über 120 Jahre dürfte wohl unsere maximales biologisches Alterslimit sein", vermutet die Immunologin Beatrix Grubeck-Löbenstein.

Die Leiterin des Instituts für biomedizinische Alternsforschung der ÖAW in Innsbruck sieht aber womöglich auch bei der durchschnittlichen Lebensspanne - zumindest in manchen Ländern - einen Plafond erreicht. So sei durchaus denkbar, dass es etwa in den USA durch den Lebensstil und insbesondere die ungesunde Ernährungsweise der Jugendlichen künftig zu einem Sinken der Lebenserwartung komme. "Durch den Softdrinkkonsum und die enormen Zuckermengen ist davon auszugehen, dass Diabetes 2 sehr viel weiter verbreitet sein wird als jetzt."

75 Prozent Umweltfaktoren

Sind es also vor allem die Umweltfaktoren, die darüber bestimmen, wie alt wir werden? "Die gängige Antwort darauf lautet, dass 75 Prozent von der Umwelt und Lebensweise abhängen und 25 Prozent von den Genen", sagt Grubeck-Löbenstein. Dass auch die genetische Ausstattung eine nicht unbedeutende Rolle spielt, hätten unter anderem Studien über die Kinder von 100-Jährigen gezeigt, die - bei annähernd gleichen Umweltbedingungen - im Schnitt deutlich länger gelebt hätten als ihre jeweiligen Ehegatten.

Im Hinblick auf die 75 Prozent Umwelt, die wir selbst in der Hand haben, kann sich Grubeck-Löbenstein durchaus der 3-L-Formel anderer österreichischer Altersforscher anschließen. Die drei L stehen für Laufen, Lieben und Lernen - oder anders formuliert für Bewegung, ein erfüllendes Sozialleben und wenig Stress. "Außer mit Extremsport kann man da wenig falsch machen", sagt die Alternsexpertin, die berufsbedingt nicht immer ganz nach dem 3-L-Motto leben kann.

Ob in Zukunft Anti-Aging-Pillen unser Leben verlängern, will Grubeck-Löbenstein nicht ausschließen. Bei Modellorganismen wie Fliegen oder Mäusen hätten sich zwar schon Erfolge gezeigt. Die Frage ist aber, ob das je auf den Menschen übertragbar sein wird. "Zur Zeit ist jedenfalls noch von keinem einzigen der in Frage kommenden Mittel ein Effekt beim Menschen nachgewiesen." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.10. 2010)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.