UNO wirft Sicherheitskräften Menschenrechtsverletzungen vor - Gewaltsame Niederschlagung von Protesten
Conakry - Nach schweren Vorwürfen der Vereinten Nationen
hat die Wahlkommission in Guinea die für Sonntag geplante Stichwahl um das
Präsidentenamt abgesagt. Die bereits mehrfach verschobene Abstimmung könne
unmöglich wie vorgesehen durchgeführt werden, hieß es am Freitag. Ein neuer
Termin wurde nicht bekannt gegeben. Die Vereinten Nationen hatten den
Sicherheitskräften des westafrikanischen Staats "schwere
Menschenrechtsverletzungen" bei der Niederschlagung einer Demonstration von
Regierungsgegnern vorgeworfen.
"Es ist nicht möglich, die Präsidentenwahl am Sonntag abzuhalten", erklärte
der erst kürzlich ernannte Leiter der Wahlkommission, Siaka Toumani Sangare, am
Freitag. Er hatte sich schon nach einer ersten Überprüfung der
Wahlvorbereitungen skeptisch gezeigt, dass der Termin bleiben könne. Zudem
wurden aus dem Gebäude der Wahlkommission die Computer für eine elektronische
Erfassung der abgegebenen Stimmen gestohlen. Auch bei der Verteilung der
Wahlunterlagen sei es zu Verzögerungen gekommen, berichtete der Rundfunksender
Radio Kankan.
Demonstrant erschossen
Die Sicherheitskräfte hätten bei der Protestkundgebung vor wenigen Tagen in
der Hauptstadt Conakry auf unbewaffnete Menschen das Feuer eröffnet, erklärte
die UNO-Menschenrechtskommission in Genf. Dabei wurden den Angaben zufolge ein
Demonstrant getötet und mindestens 62 weitere verletzt. Demonstranten seien
verprügelt und eine unbekannte Zahl von ihnen wahllos festgenommen worden.
Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl am 27. Juni erhielt der frühere
Ministerpräsident Cellou Dalein Diallo 44 Prozent der Stimmen, der frühere
Oppositionspolitiker Alpha Conde 18 Prozent. Es war die erste freie Wahl seit
der Unabhängigkeit Guineas von Frankreich vor 52 Jahren.
Das rohstoffreiche Land - Guinea hat große Vorkommen an Bauxit, Eisenerz,
Diamanten und Gold - wurde seit 1958 diktatorisch regiert. Nach dem Tod des
langjährigen Präsidenten Lansana Conte im Dezember 2008 putschte sich Hauptmann
Moussa Dadis Camara an die Macht, ein Jahr später wurde er bei einem Attentat
schwer verletzt und ging ins Exil nach Burkina Faso. Die Bevölkerung Guineas
lebt trotz des Reichtums des Landes an Bodenschätzen in Armut. (APA/dapd/Reuters)