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vergrößern 700x704Der Holstuonarmusigbigbandclub aus Vorarlberg. Philipp Lingg (2. v. li.) weiß im Moment nicht genau, wie er sich fühlen soll. Die Volksmusikgruppe ist in den Ö3-Charts zurzeit auf Platz zwei. Das taugt ihm zwar, er findet es aber auch sehr seltsam.
Die Volksmusikgruppe mit dem Zungenbrechernamen "Holstuonarmusigbigbandclub" stürmt mit einer Trinkerballade die heimischen Charts.
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Wien - In den Statuten des Formatradios ist ein derartiger Ernstfall nicht vorgesehen. Nicht einmal auf der Shit-List findet er Erwähnung. Nun hat es Ö3 kalt erwischt: Eine Volksmusik-Partie stürmt die Hitparade! Das gab es nicht, seit sich der Sender dem Diktat der Durchspielbarkeit unterworfen hat und heimische Musik nicht einmal mehr ignorierte. Oft zu Recht.
Viele Jahre ging das gut, und jetzt das. Da kommen fünf Xiberger mit Tuba, Quetsche und Ironiefähigkeit mit einem Dialektlied daher, das außerhalb von Vorarlberg kein normaler Mensch versteht, und belegen aufgrund immensen Publikumszuspruchs den zweiten Platz der Ö3-Charts. Mit dem Lied Vo Mello bis ge Schoppornou. Auf Dütsch: Von Mellau bis nach Schoppernau.
Mitverantwortlich für den Erfolg dieser gemütlich rumpelnden Trinkerballade, in der ein junger Mann am Ende eines Abends zu Fuß und per Autostopp das Elternhaus anvisiert, ist das Video zum Lied. Der von Nikolaus Küng gedrehte Clip wurde auf der Videoplattform Youtube ein Hit. Zurzeit verzeichnet das komische Filmchen knapp 900.000 Zugriffe, die Million ist nur noch eine Frage von Tagen. Im Radio setzt sich das Phänomen fort.
Philipp Lingg weiß deshalb im Moment nicht genau, wie er sich fühlen soll. Der 26-jährige Musikstudent ist Hauptsänger, Gitarrist und Harmonikaspieler des kurz HMBC genannten Holstuonarmusigbigbandclubs. Einerseits freut er sich natürlich über den Zuspruch: "Es ist eh schön, dass nun auch breiter wahrgenommen wird, dass Volksmusik nicht nur so eine Happy-Deppi-Musik für die am Land ist."
Trotzdem, geheuer ist es ihm nicht. In einem halben Jahr könne man mehr sagen, was jetzt gerade passiere, sei alles sehr, sehr seltsam. Das sei ja nie geplant gewesen. Wie auch? "Aber man kann sich eh nicht dagegen wehren, das hat schon seine Legitimation."
Hallo Eminem, ciao Perry
Seit vier Wochen steht die Hol-stuonarmusigbigbandclub-Welt Kopf. Zuerst der Einstieg auf Platz 24, letzte Woche habe ihm dann sein Vater mitgeteilt, dass sie auf Platz zwei lägen, zwischen etwas, das sich Eminem nenne und Katy Perry.
Entstanden ist Vo Mello bis ge Schoppornou vor zwei Jahren, nach dem finalen Abend im Stammlokal der Band, das für immer zugesperrt hat. Heuer im Juli lief der Song auf Radio Vorarlberg in Dauerrotation, dann haben Leute angerufen und sich beschwert, darin werde Alkohol verherrlicht und gottlos geflucht. Überregional sieht man das lockerer.
Der neu erlangte Ruhm ist aber mitunter mühsam. Im Moment belagern den HMBC Trittbrettfahrer, Werbeagenturen und Plattenfirmen. Der wundert sich über dubiose bis bescheuerte Angebote, wie Fingernägelsticker mit den Köpfen der Musiker herzustellen. Der Wintersportzirkus ist schon vorstellig geworden, das Wort Song Contest schon gefallen - die Gegenfrage "Was sollen wir dort?" auch.
Denn womit offenbar keiner rechnet - HMBC verstehen sich nicht bloß als Produkt, das sich von demjenigen verkaufen lässt, der den dicksten Batzen Geld auf den Tisch legt. Lingg: "Die meisten kennen bestenfalls das Video, waren aber noch nie bei einem Konzert von uns."
Es gebe keinerlei Ambitionen, in der Stadthalle zu spielen, nur weil das Profit verspreche. Lässig müsse es bleiben, echt. Schubladen wie Dialekt-Pop oder anderen Schmarren habe man vor, sich weiterhin zu verweigern. Dem Nationalen in der Volksmusik entsage man sowieso, ganz ausblenden könne man es nicht. Leider. Also verarscht man tranige Stücke wie Dem Land Tirol die Treue herzhaft boshaft. Thema Volkstümliche Musik? Darüber zu sprechen, verbietet die Höflichkeit.
Schon als Kinder haben die Freunde miteinander musiziert, Ab 2003 sind sie es richtig angegangen, haben die bis dahin gängige Gagenforderung von Wurst und Bier auf Geld modifiziert. Zwei CDs veröffentlichte die Band auf eigene Faust, die dritte ist für kommendes Frühjahr geplant.
Am Debüt Querschlager sichten sie Schlagerstücke und jubeln ihren Brass-Versionen Blues- und Jazz-Sprengsel unter. Free Sin widmet sich internationalem Liedgut. Auf dem Cover steht ein Elvis-Impersonator in voller Montur im Bregenzerwald.
Zechen und musizieren
Von dort kommen sie alle. Johannes und Stefan Bär, Andreas Broger, Bartholomäus Natter und Philipp Lingg. Dort spielten schon ihre Väter alpenländische Volksmusik. Auch der Bandname hat hier seinen Ursprung: Der Begriff Holstuo bezeichnet einen Ort, an dem die Bauern nach getaner Arbeit zusammengesessen sind, Witze erzählt, gezecht und musiziert haben.
Im Live-Repertoire sind Songs von Robbie bis Hank Williams. Sie zitieren Loser von Beck und bauen HipHop-Elemente ein. Das Programm entsteht spontan vor dem Auftritt, denn "Wenn du jede Woche dreimal dasselbe spielst, wirst ja deppert". Und Playback spielen sei überhaupt das Letzte. "Wir wollen niemanden anlügen, der uns sieht. Aber leider läuft's heute oft so. Beim Amadeus-Award genauso wie beim Musikantenstadl. Die werden alle gefühlstot." Dem halten HMBC wacker entgegen.
Kommende Woche spielen sie in Wien. Das Konzert im 3raum-Theater ist ausverkauft, für das Konzert am Donnerstag (28. 10.) im Flex werden für die Abendkassa 150 Karten zurückgehalten (Karl Fluch, DER STANDARD - Printausgabe, 23./24. Oktober 2010)
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Säuferblues. Willkommen in Österreich. Natürlich schlägt sowas ein.
Man müsste dem Finanzminister übrigens einmal vorrechnen, wie viele Millionen an Steuereinnahmen dem österreichischen Staat entgehen, weil der Monopolsender Ö3 fast keine Musik spielt, die in Österreich produziert wird.
Sehr geehrter Herr Fluch!
Als Mitarbeiter von einer Zeitung wie Ihrer, wäre es vielleicht gar nicht so schlecht, ein bisschen zu recherchieren bevor man einen solchen (formatradiofeindlichen) Artikel verfasst. Zum Beispiel hätte ihnen auffallen müssen, dass (wie sie den Artikel verfasst haben) bereits oben genannte Band von Platz 2 auf Platz 3 gefallen ist (http://charts.orf.at/oe3/singl... 0/woche41)
Mit freundlichen Grüßen
-dr ss
in ihrer Recherche müsste ihnen aufgefallen sein, dass sie am Ende des Linkes noch eine Klammer ohne Leerzeichen gesetzt haben, welches uns unmöglich macht, den Link ohne vorherige Korrektur zu öffnen.
Als verntwortungsvoller Poster eines Online Mediums dürfte ihnen so ein eklatanter Fehler nicht unterlaufen.
Bitte um Kontaktnahme mit den Online Medium zwecks Korrektur des Fehlers.
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