Was Unternehmen für Gleichstellung tun können

22. Oktober 2010, 19:41
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Gender Gap Report reiht Österreich EU-weit nur auf Platz 25: Ursachenforschung bei Diskussion in Wien

"Nicht nur ökonomische Gründe, sondern auch der Ehrgeiz bei den Rankings nicht immer das Schlusslicht zu sein, sollte Unternehmen motivieren die Chancengleichheit voranzutreiben", sagt Christian Friesl, Bereichsleiter Gesellschaftspolitik, Industriellenvereinigung (IV) und Gastgeber des Women Talk Business im Donnerstag in Wien.

Von 2009 auf 2010 sank der Frauenanteil bei Führungskräften von 36 auf 30 Prozent, so das Ergebnis einer Sora-Studie. Für Ingrid Moritz, Leitung Abteilung Frauen, Arbeiterkammer Wien, liegt ein möglicher Grund dafür an der aktuellen Wirtschaftslage. "Wenn es der Wirtschaft gut geht, gibt es Wiedereinstiegs- und Teilzeitmöglichkeiten. In der Krise wird es für Frauen enger", lautet ihre Vermutung. Friesl hält dem entgegen, dass die IV zu Beginn der Krise das Thema nur für kurze Zeit zurückgefahren hat. Denn es sei kein soziales Programm sondern ein wichtiges Thema. "Und wenn in Österreich weiterhin bei der Chancengleichheit so wenig weitergeht wie bisher, dann haben wir bald große Probleme", ergänzt er.

Die Novellierung des Gleichbehandungsgesetzes, die am Dienstag im Parlament verabschiedet wurde, sei ein wichtiger Schritt, waren sich alle TeilnehmerInnen einig. Dennoch kritisiert Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, dass bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Einkommenstransparenz keine Sanktionen drohen würden.

Anreize statt Sanktionen laute bei der IV die Devise. "In vielen Punkten sind wir erst am Anfang einer Entwicklung", gesteht Freisl. Aber viele Unternehmen würden die Gehaltstransparenz schon jetzt praktizieren. Eines dieser Unternehmen ist Infineon Technologies Austria, ergänzt Florian Haas, Personalleiter des Unternehmens.

Ein weiterer positiver Punkt der Novelle sei für Friesl auch die Veröffentlichung des durchschnittlichen Gehalts bei Jobausschreibungen. Um im Bewerbungsgespräch möglichst objektiv zu sein, gebe es bei Hewlett-Packard (HP) ein sogenanntes Bewerbungskarussell, bei dem vier Manager mit vier Bewerbern Gespräche führen", erklärt Dieter Kittenberger, Manager Enterprise Servers, Storage und Networking bei HP. Danach werde entschieden. "Denn gleiche Qualifikationen gibt es in der realen Welt nicht", ergänzt er. (Gudrun Ostermann/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.10.2010)

  • Frauen fördern (v.l.): Dieter Kittenberger (HP), Florian Haas 
(Infineon), Christian Friesl (IV), Johanna Stefan (Donau Versicherung), 
Ingrid Moritz (AK Wien), Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard)
    foto: christian fischer

    Frauen fördern (v.l.): Dieter Kittenberger (HP), Florian Haas (Infineon), Christian Friesl (IV), Johanna Stefan (Donau Versicherung), Ingrid Moritz (AK Wien), Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard)

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