Warum Frauen weniger verdienen

22. Oktober 2010, 19:07
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Neumann International mit einer aktuellen Studie über Gründe für Einkommensunterschiede: Es würden "Äpfel mit Birnen" verglichen

Ziemlich einhellig bestätigen Statistiken, dass Frauen international bloß 60 bis 80 Prozent der Einkommen von Männern erreichen. Dennoch behaupten Personalverantwortliche unbeirrt, ihr Unternehmen würde Frauen nicht schlechter bezahlen als Männer. Für Conrad Pramböck, den Leiter des Geschäftsbereichs Compensation Consulting in der Personalberatung Neumann International, tun selbige dies "glaubhaft".

Statistiken würden hauptsächlich aus zwei Gründen Schlechterbezahlung von Frauen zeigen, so Pramböck: erstens, weil Frauen bei formal gleicher Ausbildung häufig in schlechter bezahlte Jobs/Branchen einsteigen, und zweitens, weil sie im Verlauf ihrer Karriere einen Bruch durch Babykarenz erleben. Kurz: "Faktum ist, dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer - allerdings in anderen Jobs. Vergleicht man Frauen und Männer in ähnlichen Positionen, dann liegen die Gehälter innerhalb derselben Bandbreite."

Basis dafür ist eine Online-Befragung von fast 1200 Frauen und Männern zwischen 30 und 50 Jahren, davon über 70 Prozent AkademikerInnen, die mit PersonalchefInnen, Führungskräften und MitarbeiterInnen "erläutert und diskutiert" wurde.

Mit diesen Ergebnissen dürfte Pramböck für neuen Diskussionsstoff sorgen. Denn: Andere Studien und ForscherInnengruppen kommen zu ganz anderen Ergebnissen. Dazu zählt etwa Guido Strunk ("Eine Frau muss ein Mann sein, um Karriere zu machen", www.vicapp.at), der in Langzeitstudien zu den Berufsbiografien von WU-Absolventen und zwillingsähnlichen Absolventinnen klar belegen kann: Weder Herkunft noch Führungsmotivation noch 20 andere Gründe können erklären, warum Frauen mit ihren Einkommen im Berufsverlauf immer mehr zurückbleiben, und: Es liegt auch nicht an einer Babypause oder an einer Teilzeitarbeit. Denn selbst wenn jene Frauen aus der Berechnung herausgenommen werden, bleibt eine Einkommensschere in zweistelliger Prozenthöhe. Strunk, bedrückt von den Ergebnissen: "Frauen haben weniger Erfolg, weil sie Frauen sind."

Bereits in der Ausbildung, spätestens jedoch beim Jobeinstieg entscheide sich, so Pramböck, wie die Gehaltskurve in den kommenden zehn Jahren aussehe: Der Frauenanteil an den zehn Prozent der bestbezahlten Jobs in Unternehmen liege maximal bei 30 Prozent. An den zehn Prozent der schlechtestbezahlten betrage der Frauenanteil aber 60 bis 80 Prozent.

Zum Thema Karenz sagt Pramböck: Unternehmen böten auch zu wenig qualifizierte Positionen in Teilzeit an, und selbst Vollzeit-Rückkehrerinnen hätten mit schlechtem Image bei Führungskräften zu kämpfen. Oft würden Kinder auch als Nicht-Beförderungsgrund vorgeschoben. Zu diesem Themenbereich müsse sich die Grundeinstellung der Gesellschaft ändern, müsste Gleichberechtigung Pflicht in der Kinderbetreuung werden.

Da die meisten befragten Frauen eine Auskunftsstelle über Gehälter begrüßen, hat Neumann International eine solche ins Leben gerufen, berät gegen eine Spende und überweist diese an den Verein "Die Schwalbe". (Karin Bauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.10.2010)

  •  Was bringt Männern mehr Geld? Ihr bloßes Geschlecht oder andere Faktoren?
    foto: istockphoto/kutay tanir

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