Immer weniger Häferl im Regal

25. Oktober 2010, 16:46
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Seat setzt auf Downsizing-Motoren aus dem VW-Konzernregal, besonders auf TSI. Weil: Höchste Benzinereinbaurate aller Konzernmarken. Außer Porsche

Wie wenige Zylinder dürfen's denn sein? Die Frage beschäftigt Motorentechniker, seit Downsizing bei vielen Autofirmen zur Priorität erhoben wurde. Downsizing, wir rufen es kurz ins Gedächtnis, meint das Bestreben, über geringere Zylinderanzahl und kleinere Hubräume dank Aufladung (per Turbo, Kompressor oder beidem) bei gleicher Leistung deutlich leichter (logisch) zu werden - und erheblich sparsamer. Statt acht tun's also plötzlich sechs Zylinder auch, mehr noch: tun dies hinsichtlich Performance gleich gut, beim Verbrauch viel besser.

Interessanterweise bringt dieser Ansatz plötzlich den Ottomotor gegenüber dem Diesel zurück ins Rennen, und damit sind wir beim Hauptakteur dieses Berichts. Seat nämlich. Die qua Werbebotschaft autoemocionalste Marke des VW-Imperiums hat nicht nur die jüngste Klientel in der Branche, sie weist auch die höchste Benziner-Einbaurate im Konzern auf. Über 70 Prozent aller Leóns etwa sind bekennende Ottonen, beim Ibiza sind's gar 80 Prozent.

Im Angebot führen die Iberer mittlerweile TSI-Motoren, also hochaufgeladene Benzin-Direkteinspritzer, mit einer Leistungsbreite von 85 bis 265 PS, bereitgestellt von vier Vierzylinder-Aggregaten: 1,2 TSI mit 105 PS, 1,4 TSI mit 150 PS, 1,8 TSI mit 120 sowie 2,0 TSI mit 211 PS. He, und was ist mit den genannten 265 PS, werden Sie vielleicht fragen? Längst erhältlich: Seats Maximal-TSI, die üppige Leistung abgeschöpft aus ebenfalls zwei Litern Hubraum, befeuert den León Cupra R.

Und wie hält man's mit der anderen topaktuellen Cityspritspartechnologie namens Start-Stopp? Beim 105-PS-TSI bereits in mehreren Seats erhältlich. Beim Rest wird's noch ein bisserl dauern, kommt aber bestimmt. Sagt Seat.

TSI-Fazit: Zwar liegt man im Schnitt immer noch rund eineinhalb bis zwei Liter auf 100 km über vergleichbar kräftigen Dieselaggregaten, der Abstand schrumpft aber - und vor allem: günstigerer Kaufpreis, was besonders bei Kleinwagen eine Rolle spielt, und das ist ja schließlich, Altea XL hin, Alhambra her, nach wie vor die eigentliche Domäne von Seat.

Damit zurück zur eingangs aufgeworfenen Frage, wie wenige Häferl es denn nun sein dürfen: Fiat meint, zwei tun's auch, Einsatzgebiet: 500. Im VW-Konzern hingegen ist bei dreien (derzeit nur Diesel, Otto folgt) Schluss nach unten. Schade eigentlich. Einer wär' schon eine Herausforderung, mit Zylinderabschaltung und Start-Stopp bitte. Außerdem, das klänge doch gut: Wir bauen alles vom Ein- bis zum Sechzehnzylinder. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/22.10.2010)

  • Der weiße León links tut nur so, als ob: Neues Sondermodell namens GT 
mit verwegener Sportoptik - und überaus braven 105 PS. Rechts daneben 
weitere TSI- befeuerte Modelle aus der Seat-Palette.
    foto: stockinger

    Der weiße León links tut nur so, als ob: Neues Sondermodell namens GT mit verwegener Sportoptik - und überaus braven 105 PS. Rechts daneben weitere TSI- befeuerte Modelle aus der Seat-Palette.

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